Moderne Zeitarbeit - iGZ

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Posts 1-10 of 29
  • Werner Stolz
    Werner Stolz    Premium Member   Group moderator
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    13 Apr 2011, 11:29 am
    Equal Pay, aber synchronisiert?
    Adecco für "equal pay", aber mit Synchronisierungsrecht

    Die Politik will vorschreiben, dass Leiharbeiter so bezahlt werden wie die Stammbelegschaft. Adecco-Chef De Maeseneire hat da grundsätzlich nichts gegen, fordert im Gespräch mit dem Handelsblatt aber einen

    Sollten Zeitarbeiter in Deutschland grundsätzlich den gleichen Lohn wie ihre festangestellten Kollegen erhalten, muss es dafür einen Ausgleich an anderer Stelle geben. Das fordert Patrick De Maeseneire, Chef des weltgrößten Personalvermittlers Adecco, in einem Interview mit dem Handelsblatt. "Wenn wir das volle Beschäftigungsrisiko tragen und auch noch einen tariflichen Mindestlohn zahlen, dann müssen wir dafür an anderer Stelle einen Ausgleich bekommen", sagte De Maeseneire.

    Dieser könne zum Beispiel darin bestehen, dass deutsche Zeitarbeitsfirmen die gleiche Flexibilität wie in Frankreich erhalten. Dort gibt es bereits ein "equal pay"-Gesetz, die Zeitarbeiter werden aber nur auf wöchentlicher Basis beschäftigt und entlohnt. Das ist in Deutschland bislang verboten.

    Nach Meinung von De Maeseneire werden die meisten Unternehmen den Arbeitssuchenden zunächst keine Festanstellung anbieten. "Die Unternehmen verlangen Flexibilität, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sonst würden sie ihre Produktion in Niedriglohnländer verlagern." Mit einem dauerhaften Aufschwung rechnet er erst, wenn die Arbeitslosenquoten in den Industrieländern auf etwa sechs Prozent gefallen sind. Das könne aber noch zwei Jahre dauern.

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister...
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  • Thomas Altmann
    Thomas Altmann    Premium Member   Group moderator
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    Adecco ist ein Global-Player und insoweit sicher daran interessiert, zumindest europaweit die gleichen Rahmenbedingungen vorzufinden. Das ist verständlich. Weniger verständlich finde ich die Forderung, wonach mit der Übernahme des französischen Agenturmodells ein neues Tagelöhnertum bei uns eingeführt werden soll. Wer kann das schon wirklich wollen, außer irritierten Gewerkschaften und ebenjenen Aktiengesellschaften?

    Diese seltsame Allianz übersieht schlichtweg die Prekarisierung des Zeitarbeitsverhältnisses bei Einführung des Agenturmodells: Auf unbestimmte Zeit befristete Arbeitsverträge und obendrauf unterschiedliche Entlohnung bei eventuellen Einsatzwechseln.

    Sinnvoll wäre eine Mischung aus Agentur- und Unternehmermodell: Equal Pay bei befristeten und synchronisierten Beschäftigungsverhältnissen, ansonsten Vergütung nach (verbesserten) Zeitarbeits-TV. Damit wäre auch die Gerechtigkeitslücke inkl. Drehtüreffekt geschlossen.

    Das hatte ich auch eigentlich gehofft zu lesen, als ich die Überschrift sah.
  • Wolfram Linke
    Wolfram Linke    Premium Member   Group moderator
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    @ Thomas: Dein Modell geht in Richtung Prof. Schüren, das Werner Stolz u.a. in einem Vortrag am 14.03.2011 erläutert hat: http://ig-zeitarbeit.de/artikel/8856 (PDF im Anhang).
  • Rainer Moitz
    Rainer Moitz    Group moderator
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    Analytisch mag das Schüren-Modell ja die beiden grundlegenden Zeitarbeitsmodelle richtig wiedergeben. Doch sollten wir bedenken, dass es ganz praktisch gesehen zu erheblichen Problemen führen kann:
    - Wurde ein Mitarbeiter unbefristet eingestellt, aber z.B. in der Probezeit nach einem missglückten Einsatz das Arbeitsverhältnis beendet, müsste Equal Pay ggf. nachbezahlt werden?
    - Verdienen im gleichen Unternehmen befristete und unbefristete Mitarbeiter unterschiedlich für die gleiche Tätigkeit?
    - Wird ein befristet beschäftigter Mitarbeiter entfristet, muss er Überzahlung von Equal Pay zurückzahlen?
    - Ist der Einsatz zwar vorübergehend, aber mit zeitlich unbestimmten Ende (wie so oft), gilt dann Equal Pay?

    Ich fürchte, Schüren hat das Problem zwar mit seinen beiden Gestaltungskriterien richtig erkannt, aber noch nicht gelöst.

    Zum Vorstoß von Adecco: das war zu befürchten - einem Global Player mag es gleich sein, ob Agentur- oder Arbeitgebermodell in einem Land gilt. Er ist gewohnt, sich auf die gegebenen Situationen einzustellen. Genau aus diesem Grund habe ich kürzlich die Befürchtung geäußert, dass im BZA eventuell das deutsche Arbeitgebermodell nicht mit der gleichen Vehemenz verteidigt wird, wie durch den iGZ.

    Die besonders mittelständisch geprägte Zeitarbeit in Deutschland hat jedoch gezeigt, dass das Arbeitgebermodell mit verantwortlich handelnden Unternehmern einen besonderen Wert für Kunden wie für Mitarbeiter hat. In den USA ist ein Zeitarbeiter z.B. gleich bei mehreren Temp-Agenturen registriert und geht dahin, wo gerade der beste Auftrag für ihn liegt. Bindung und Betreuung sind dagegen in Deutschland zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern deutlich ausgeprägter - und das ist im Sinne einer qualitätsbewussten Auftragsausführung auch gut so.
    This post was modified on 14 Apr 2011 at 02:31 pm.
  • Thomas Altmann
    Thomas Altmann    Premium Member   Group moderator
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    Wolfram Linke schrieb:
    @ Thomas: Dein Modell geht in Richtung Prof. Schüren, ... Anders herum, Wolfram, Prof. Schüren´s Modell geht in meine Richtung! Hüstel, hüstel, ... ;-)

    Rainer Moitz schrieb:
    Analytisch mag das Schüren-Modell ja die beiden grundlegenden Zeitarbeitsmodelle richtig wiedergeben. Doch sollten wir bedenken, dass es ganz praktisch gesehen zu erheblichen Problemen führen kann:
    - Wurde ein Mitarbeiter unbefristet eingestellt, aber z.B. in der Probezeit nach einem missglückten Einsatz das Arbeitsverhältnis beendet, müsste Equal Pay ggf. nachbezahlt werden?
    - Verdienen im gleichen Unternehmen befristete und unbefristete Mitarbeiter unterschiedlich für die gleiche Tätigkeit?
    - Wird ein befristet beschäftigter Mitarbeiter entfristet, muss er Überzahlung von Equal Pay zurückzahlen?
    - Ist der Einsatz zwar vorübergehend, aber mit zeitlich unbestimmten Ende (wie so oft), gilt dann Equal Pay?
     
    Ich fürchte, Schüren hat das Problem zwar mit seinen beiden Gestaltungskriterien richtig erkannt, aber noch nicht gelöst.
    Ja, da haben Sie (leider) Recht, Herr Moitz. Allerdings bleiben ähnliche Fragen bei allen anderen Vorschlägen zum Thema Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für ZeitarbeiternehmerInnen (z.B. EP, EP nach X Monaten, etc.) auch offen. So oder so, den einzig richtigen Königsweg gibt es wohl nicht, aber einen geeignetsten Kompromiss. Und Prof. Schüren´s Modell ist m.E. nach genau dieser geeignete Kompromiss.

    Die besonders mittelständisch geprägte Zeitarbeit in Deutschland hat jedoch gezeigt, dass das Arbeitgebermodell mit verantwortlich handelnden Unternehmern einen besonderen Wert für Kunden wie für Mitarbeiter hat. In den USA ist ein Zeitarbeiter z.B. gleich bei mehreren Temp-Agenturen registriert und geht dahin, wo gerade der beste Auftrag für ihn liegt. Bindung und Betreuung sind dagegen in Deutschland zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern deutlich ausgeprägter - und das ist im Sinne einer qualitätsbewussten Auftragsausführung auch gut so. Eben und genau!
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    Karl Fortenbacher
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    Hallo Hr. Altmann,

    Thomas Altmann schrieb:
    . Weniger verständlich finde ich die Forderung,
    wonach mit der Übernahme des französischen Agenturmodells ein neues Tagelöhnertum bei uns eingeführt werden soll. Wer kann das schon wirklich wollen, außer irritierten Gewerkschaften und ebenjenen Aktiengesellschaften?
    Wo haben sie denn das her? Die DGB-Gewerkschaften neuerdings als Befürworter von Tagelöhnertum. Jetzt irritieren sie mich aber.
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  • Thomas Altmann
    Thomas Altmann    Premium Member   Group moderator
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    Karl Fortenbacher schrieb:
    Wo haben sie denn das her? Die DGB-Gewerkschaften neuerdings als Befürworter von Tagelöhnertum. Jetzt irritieren sie mich aber.
    Hallo Herr Fortenbacher,
    "irritierte" Gewerkschafter argumentieren Ihre Forderung nach EP ja häufig damit, dass das z.B. in Frankreich auch möglich sei (und dort ja auch noch on-top ein "Prekariatszuschlag" gezahlt würde).

    Dabei werden aber die Rahmenbedingungen vergessen, wonach z.B. der Zeitarbeiter nach einem Einsatz sofort wieder arbeitslos ist und bezahlte Fehlzeiten deutlich geringer ausfallen als bei uns. Da Einsätze auch nur einen oder nur wenige Tage andauern können, nenne ich das eben Tagelöhnertum. Heute Arbeit, morgen nicht, übermorgen vielleicht wieder...

    Diese Unsicherheit über den Erhalt des Arbeitsplatzes ist in meinen Augen für die Zeitarbeiter eine Zumutung. So komme ich zu meiner Frage, wer das schon wirklich wollen kann.
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    Karl Fortenbacher
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    Hallo Hr. Altmann,

    Thomas Altmann schrieb:
    Karl Fortenbacher schrieb:
    Wo haben sie denn das her? Die DGB-Gewerkschaften neuerdings als Befürworter von Tagelöhnertum. Jetzt irritieren sie mich aber.
     
    Hallo Herr Fortenbacher,
    "irritierte" Gewerkschafter argumentieren Ihre Forderung nach EP ja häufig damit, dass das z.B. in Frankreich auch möglich sei (und dort ja auch noch on-top ein "Prekariatszuschlag" gezahlt würde).

    Aus den "irritierten Gewerkschaften" werden jetzt "irritierte Gewerkschafter" (aus einem Verband Einzelpersonen eines Verbandes). Ihr erstes Argument hieß so:

    "Wer kann das schon wirklich wollen, außer irritierten Gewerkschaften und ebenjenen Aktiengesellschaften?
 
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