Moderne Zeitarbeit - iGZ

Moderne Zeitarbeit - iGZ

Posts 11-20 of 29
  • Thomas Altmann
    Thomas Altmann    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Karl Fortenbacher schrieb:
    Jetzt irritieren sie mich aber.
    Hallo Herr Fortenbacher,

    GewerkschafteN oder GewerkschafteR, jetzt werden Sie aber spitzfindig! ;-)

    Das R ersetzte das N, weil Sie in Ihrer Antwort schrieben, dass ich Sie irritieren würde. Steckt also ein kleiner Gag drin.

    Worum es wirklich geht, ist doch, dass die Gerechtigkeitslücke geschlossen wird. Gleiches Geld für gleiche Arbeit – das ist ein richtig guter Slogan, weil er sich so selbstverständlich und gerecht anhört. Überdenkt man aber die Auswirkungen in der Praxis, hört sich das schon nicht mehr so gerecht und selbstverständlich an, weil EP im Arbeitgebermodell unterschiedliche Löhne für die ZeitarbeiterInnen vorsieht (mit dem Nachteil, dass man seinen Lebensunterhalt nicht mehr planen kann) und im Agenturmodell keine Arbeitsplatzsicherheit gegeben ist. Beides ist für ZeitarbeiterInnen doch unzumutbar. EP ist bei klassischer Zeitarbeit mit echtem Dreiecksverhältnis und Einsatzwechseltätigkeit daher unsinnig (und obendrein nur höchst kompliziert umsetzbar).

    Dass es Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen für ZeitarbeiterInnen geben muss, ist unstrittig. Die müssten sich in vernünftigen Lohnerhöhungen widerspiegeln, die jetzt zügig von den Sozialpartnern verhandelt werden sollten. Das war, wie ich finde, nie einfacher als heute, wo die Christen quasi weg-vom-Fenster sind.

    Und da hätten wir heute schon einen guten Schritt weiter sein können, wenn in den letzten iGZ-Tarifverhandlungen in 04/2010 ver.di nicht die komplette Übernahme der Entgeltgruppensystematik des BZA verlangt hätte. Vor den Tarifverhandlungen gingen viele Mitglieder von einer prozentualen Erhöhung um 2,5% (analog zum BZA) aus. Erfahrene Facharbeiter/Handwerksgesellen z.B. lägen dann heute bei € 11,07 anstatt bei € 10,16! Akzeptable, auskömmliche, faire und gerechte Lohnhöhen wären demzufolge heute weniger weit weg. Man könnte ja fast meinen, dass wäre absichtlich so gefordert worden, um weiterhin auf uns bösen Zeitarbeitsmacher schimpfen zu können… jedenfalls ist mir das unerklärlich.

    Außerdem könnte man meinen, dass GewerkschafteNR bei ihren Forderungen nach EP immer nur an Tarife der Metall- oder Chemieindustrie denken. Fakt ist aber, dass knapp die Hälfte aller Betriebe in Deutschland gar nicht tarifiziert ist. Kennen Sie z.B. die Lohnhöhen der vielen Sub-Unternehmen von TKS? Da sind wir schon heute längst bei EP. Und das gilt auch für viele andere Bereiche!

    EP ist nur dann sinnvoll, wenn es sich um Schein-Zeitarbeit handelt. Das ist immer dann der Fall, wenn das Dreiecksverhältnis gesprengt ist (wenn z.B. wie beim Anton Schlecker Ver- und Entleiher identisch sind) oder eine Einsatzwechseltätigkeit nicht gegeben ist (synchrone Beschäftigungsverhältnisse).

    Wenn Sie, lieber Herr Fortenbacher, hier die ganzen Beiträge der Zeitarbeitsmacher lesen, müssen Sie doch erkennen, dass die Branche sehr wohl an Verbesserungen der Arbeitsbedingungen interessiert ist. Leider wird das in den Anti-Zeitarbeits-Kampagnen der Gewerkschaften nicht erwähnt, geschweige denn wird darauf eingegangen.

    Fair?
  • User photo
    Karl Fortenbacher
    The company name is only visible to registered members.
    Thomas Altmann schrieb:
     
    Worum es wirklich geht, ist doch, dass die Gerechtigkeitslücke geschlossen wird. Gleiches Geld für gleiche Arbeit – das ist ein richtig guter Slogan, weil er sich so selbstverständlich und gerecht anhört. Überdenkt man aber die Auswirkungen in der Praxis, hört sich das schon nicht mehr so gerecht und selbstverständlich an, weil EP im Arbeitgebermodell unterschiedliche Löhne für die ZeitarbeiterInnen vorsieht (mit dem Nachteil, dass man seinen Lebensunterhalt nicht mehr planen kann) und im Agenturmodell keine Arbeitsplatzsicherheit gegeben ist.

    Der Slogan "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" bringt zum Ausdruck, dass es ohne diese Umsetzung keine Akzeptanz der Zeitarbeit geben wird. Der Verweis auf Prekaritätszulage zeigt, dass es nicht unbedingt gleich sein muss. Die jetzige Situation geht - von hochqualfizierten Zeitarbeitern abgesehen - aber immer in schlechtere Bezahlung über.
    Dass ein Zeitarbeitnehmer bei equal-pay "seinen Lebensunterhalt nicht mehr planen kann" ist nur ein schlechter Witz. Als ob das Problem heute ohne equal-pay nicht bestehen würde. Ein Witz ist auch, dass nur im Agenturprinzip Arbeitsplatzunsicherheit stattfindet.


    Dass es Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen für ZeitarbeiterInnen geben muss, ist unstrittig. Die müssten sich in vernünftigen Lohnerhöhungen widerspiegeln, die jetzt zügig von den Sozialpartnern verhandelt werden sollten. Das war, wie ich finde, nie einfacher als heute, wo die Christen quasi weg-vom-Fenster sind.
    "Vernünftige Löhne" darunter stellt sich ein Unternehmer etwas anderes vor wie ein Arbeitnehmer. Schließlich ist jeder Lohn Kost. Verhandlungen darüber (auch noch zügig) wo die Tarife bis 10/2013 festgeschrieben sind - die Tarife also erst zu diesem Termin kündbar sind - da stellt sich doch die Frage welche VerhandlungsMACHT haben wir denn unter diesen Umständen?
    Der iGZ gratuliert dem neuen BAP (mit zwei TV) und da sollen wir auch noch zügig verhandeln? Einem BZA der sich Branchenzuschlägen vom ersten bis zum letzten Tag verweigert hat? Stellt sich die Frage will der iGZ auf diesen abgefahrenen Zug aufspringen?


    Außerdem könnte man meinen, dass GewerkschafteNR bei ihren Forderungen nach EP immer nur an Tarife der Metall- oder Chemieindustrie denken.
    Nicht "immer " aber vor allem. Denn dort werden die ZAF-Tarife zum Lohndumpen und auswechseln von Stammbelegschaften von den Entleihern zunehmend eingesetzt. Letzteres funktioniert in den Metallbetrieben nicht wie bei Schlecker sonder durch jahrelange Einstellungsstopps. (Nebenbei bitte nicht vergessen, dass das equal-pay-Gebot Hand in Hand ging mit der Freigabe der Synchronisation). Auch damit wurde dem Auswechseln von Stammbelegschaften Tür-und Tor geöffnet. Aber darüber redet von ihnen heute keiner mehr.


    Wenn Sie, lieber Herr Fortenbacher, hier die ganzen Beiträge der Zeitarbeitsmacher lesen, müssen Sie doch erkennen, dass die Branche sehr wohl an Verbesserungen der Arbeitsbedingungen interessiert ist.
    Das kann ich in dieser Deutlichkeit nicht erkennen. Siehe meine Einwände vorher.
    This post was modified on 16 Apr 2011 at 05:07 pm.
  • Thorsten Rensing
    Thorsten Rensing    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Hallo Herr Fortenbacher,

    manchmal habe ich das Gefühl, dass Sie das auch gar nicht erkennen wollen. Jedes Argument, jeder Versuch Gespräche ins Spiel bringen zu wollen, wird kategorisch abgelehnt bzw. einfach ignoriert.Vielleicht dreht man den Spiess mal um? Wie würden Sie uns Zeitarbeits"Unternehmer" denn so sehen wollen? Was wäre Ihnen wichtig?

    Ein paar kurze Anmerkungen auf Ihre Replik seien bitte gestatet:

    Sie schrieben"...Dass ein Zeitarbeitnehmer bei equal-pay "seinen Lebensunterhalt nicht mehr planen kann" ist nur ein schlechter Witz. Als ob das Problem heute ohne equal-pay nicht bestehen würde. ..."

    Es geht ja nun mal um strukturelle Verbesserungen. Da hat Altmann absolut recht: Was ist denn, wenn ein Handwerker in der Industrie eingesetzt wird und er BV 14€ garantiert bekommt, Die Entgeltgruppe aber eigentliche 10€ vorschreibt? In jedem Fall kann er nicht mehr mit den 14€ rechnen, wenn er dann bei einem Handwerker eingesetzt wird, der nicht BV unterworfen ist. Da tut sich tatsächlich eine Hürde auf. Im Extremfall wäre dann eine Kündigung (seitens des AN (!) ) vielleicht sogar sinnvoller, weil er im ALG I dann mehr bekommen würde. Trotzdem wäre die Situation für den AN in jedem Fall besser, oder? Es ist nämlich nicht korrekt, Zukunftsideen mit den Löhnen von heut zu vermischen. Betonung bitte auf Ideen.

    Sie schrieben: "..."Vernünftige Löhne" darunter stellt sich ein Unternehmer etwas anderes vor wie ein Arbeitnehmer..." Das finde ich nicht richtig: Tarifautonomie funktioniert sehr lange und sehr gut - mal ist das Pendel in die eine, mal in die andere Richtung ausgeschlagen, aber hier ist niemand permanent übervorteilt worden. Zumal ich Ihre Äußerung in Zeiten des Fachkräftemangels für sehr kurzsichtig halte.

    Sie schrieben: "...wo die Tarife bis 10/2013 festgeschrieben sind - die Tarife also erst zu diesem Termin kündbar sind - da stellt sich doch die Frage welche VerhandlungsMACHT haben wir denn unter diesen Umständen? ..."
    Ich weiss, dass Sie die Expertenanhörung gesehen haben: der iGZ hat expressis verbis signalisiert, das er zu Verhandlungen bereit ist.

    Das bringt mich zurück zum Ausgangspunkt: vielleicht dreht man den Spiess mal um? Wie würden Sie uns Zeitarbeits"Unternehmer" denn so sehen wollen? Was wäre Ihnen wichtig?

    Viele Grüße

    Thorsten Rensing
    This post was modified on 16 Apr 2011 at 06:23 pm.
  • User photo
    Karl Fortenbacher
    The company name is only visible to registered members.
    Thorsten Rensing schrieb:
    Hallo Herr Fortenbacher,
     
    Sie schrieben: "...wo die Tarife bis 10/2013 festgeschrieben sind - die Tarife also erst zu diesem Termin kündbar sind - da stellt sich doch die Frage welche VerhandlungsMACHT haben wir denn unter diesen Umständen? ..."
    Ich weiss, dass Sie die Expertenanhörung gesehen haben: der iGZ hat expressis verbis signalisiert, das er zu Verhandlungen bereit ist.

    Die Branche besteht nicht nur aus dem iGZ. Und die Branche hat mit ihren TV jede Menge Zeit.
    "Die iGZ-Bundesvorsitzende lud den BAP-Präsidenten zu Abstimmungsgesprächen ein, "um die Herausforderungen der Politik anzunehmen und zusammen verantwortlich für die Branche zu handeln".
    Die Politik wird frühestens 2012 eine Kommission einsetzen. Mehr wurde von da auch nicht angekündigt.
    Von ihrer Branche weiss man momentan nicht was sie will. Verbesserungen sicher, aber das ist nicht sehr aussagekräftig.


    Das bringt mich zurück zum Ausgangspunkt: vielleicht dreht man den Spiess mal um? Wie würden Sie uns Zeitarbeits"Unternehmer" denn so sehen wollen? Was wäre Ihnen wichtig?
    Wir wollen keine weitere Ausdehnung der Zeitarbeit. Zeitarbeit nur für vorrübergehende Einsätze (z.B. , Urlaubsvertretung, Produktionsspitzen). Zeitarbeit soll ein Übergang ins Stammarbeitsverhältnis sein aber daran mangelt es gewaltig. Das hat damit zu tun, dass das massenhafte Angebot Zeitarbeit im Metallbereich vor allem in der Produktion dazu geführt hat, dass die Entleiher bemerkt haben was für ein gutes Mittel das für sie ist die Metalltarife langfristig auszuhebeln. Früher haben sich nicht tarifierte Branchen an den Branchentarifen der DGB-Gew. angelehnt oder orientiert, dass sie das heute nicht mehr machen (Tarifflucht) soll jetzt als Argument herhalten z.B. die Branche Zeitarbeit als patentes Mittel für Arbeitnehmer zu betrachen (Argument Jobmotor).

    Prekäre Beschäftigung (Zeitarbeit ein Teil davon), Einrichtung eines Niedriglohnsektors war beabsichtigt von Politik und Wirtschaft. Das mit dem Niedriglohn kommt beim iGZ sogar explizit als Programmpunkt vor wenn es heißt im Helferbereich soll es Verbesserungen geben aber noch nicht mal eine Annäherung an equal-pay.

    Die Begründung der Zeitarbeitsbranche sonst gehen diese Arbeitsplätze ins Ausland sind eindimensional. Solche Verlagerungen gibt es schon seit Jahren trotz Billiglöhnen. Verlagerungen haben ihren Grund nicht nur in billigeren Löhnen im Ausland. Exportproduktion in den Dollarraum sind Gründe wegen der Währungsparitäten. Steuervergünstigungen und Subventionen bei der Bereitstellung von Infrastruktur oder die Aussicht in Märkten wie China aber auch anderswo ein Bein reinzubringen sind weitere Gründe.

    Kann die Diskussion die nächsten Tage nicht weiterführen. Bin ab Morgen im Süden. Schönen Sonntag.
  • Post visible to registered members
  • User photo
    Karl Fortenbacher
    The company name is only visible to registered members.
    Guten Abend Hr. Rensing,

    falls Interesse besteht die Diskussion weiterzuführen ein Versuch.

    Sie schrieben:
    "Hallo Herr Fortenbacher,

    manchmal habe ich das Gefühl, dass Sie das auch gar nicht erkennen wollen. Jedes Argument, jeder Versuch Gespräche ins Spiel bringen zu wollen, wird kategorisch abgelehnt bzw. einfach ignoriert."

    Ich habe mehrere Argumente angeführt warum ich GESPRÄCHE (DGB-TG / IGZ ) nicht für erfolgrversprechend halte. Darüber kann man natürlich streiten. Einfach ignoriert habe ich das aber nicht.

    ich setze einen Teil meines letzten Beitrags nochmals rein. (Geht aber nicht über Gespräche ja oder nein? Sondern über Argumente der Branche Zeitarbeit warum equal-pay ein Unglück für Zeitarbeitnehmer sein soll?)


    Karl Fortenbacher schrieb:
    Thorsten Rensing schrieb:
    Hallo Herr Fortenbacher,

    Das bringt mich zurück zum Ausgangspunkt: vielleicht dreht man den Spiess mal um? Wie würden Sie uns Zeitarbeits"Unternehmer" denn so sehen wollen? Was wäre Ihnen wichtig?
     
    Wir wollen keine weitere Ausdehnung der Zeitarbeit. Zeitarbeit nur für vorrübergehende Einsätze (z.B. , Urlaubsvertretung, Produktionsspitzen). Zeitarbeit soll ein Übergang ins Stammarbeitsverhältnis sein aber daran mangelt es gewaltig. Das hat damit zu tun, dass das massenhafte Angebot Zeitarbeit im Metallbereich vor allem in der Produktion dazu geführt hat, dass die Entleiher bemerkt haben was für ein gutes Mittel das für sie ist die Metalltarife langfristig auszuhebeln. Früher haben sich nicht tarifierte Branchen an den Branchentarifen der DGB-Gew. angelehnt oder orientiert, dass sie das heute nicht mehr machen (Tarifflucht) soll jetzt als Argument herhalten z.B. die Branche Zeitarbeit als patentes Mittel für Arbeitnehmer zu betrachen (Argument Jobmotor).
     
    Prekäre Beschäftigung (Zeitarbeit ein Teil davon), Einrichtung eines Niedriglohnsektors war beabsichtigt von Politik und Wirtschaft. Das mit dem Niedriglohn kommt beim iGZ sogar explizit als Programmpunkt vor wenn es heißt im Helferbereich soll es Verbesserungen geben aber noch nicht mal eine Annäherung an equal-pay.
    Die Begründung der Zeitarbeitsbranche sonst gehen diese Arbeitsplätze ins Ausland sind eindimensional. Solche Verlagerungen gibt es schon seit Jahren trotz Billiglöhnen. Verlagerungen haben ihren Grund nicht nur in billigeren Löhnen im Ausland. Exportproduktion in den Dollarraum sind Gründe wegen der Währungsparitäten. Steuervergünstigungen und Subventionen bei der Bereitstellung von Infrastruktur oder die Aussicht in Märkten wie China aber auch anderswo ein Bein reinzubringen sind weitere Gründe.
    Kann die Diskussion die nächsten Tage nicht weiterführen. Bin ab Morgen im Süden. Schönen Sonntag.
  • Post visible to registered members
  • Thorsten Rensing
    Thorsten Rensing    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Guten Morgen Herr Fortenbacher,

    ich hoffe, Sie hatten einen schönen Urlaub. Gerne führe ich die Diskussion mit Ihnen weiter.
    Dabei würde ich gerne auch auf den von Ihnen angeführten Niedriglohnsektor eingehen. ich habe gerade gestern einen Artikel in der Welt online gelesen, den ich gerne in Auszügen hier einstellen würde:

    "...Wie klug ist die Kampagne gegen den Niedriglohn? Vielleicht ist auch der Zeitpunkt gekommen, an dem die Gewerkschaften einige Positionen überdenken sollten. Ist ihre Kampagne gegen den Niedriglohnsektor wirklich klug? Gewiss ist es richtig, die gute Facharbeit zu verteidigen. Die langjährige Qualifikation und Betriebserfahrung ist durch nichts zu ersetzen und muss gut bezahlt werden. Aber zum Wert der Arbeit gehört auch ein anderes Grundproblem: der einfache Eintritt in die Arbeitswelt und die kleine Teilhabe an ihr. Dieses Problem droht angesichts des vielstimmigen Rufs nach Fachkräften in Vergessenheit zu geraten.

    An vielen Stellen werden jetzt Ein-Euro-Jobs aufgelöst, schon zeigen sich Lücken bei manchen kommunalen Aufgaben. Vor allem besteht die Gefahr, dass nun wirklich eine ganze Schicht von Menschen abgeschrieben wird. In Großstädten gibt es dann Quartiere, in denen kaum noch Berufserfahrung anzutreffen ist und die Kinder es gewohnt sind, mit Eltern ohne Arbeit aufzuwachsen. Die Gewerkschaften müssten dafür eigentlich einen Blick haben. Wer, wenn nicht unsere großen Einheitsgewerkschaften, könnte dafür ein Herz haben? Aber ihr Ruf nach „guter Arbeit“ greift bei dieser Problemlage nicht. Die Gewerkschaften sollten sich überlegen, ob ihre Position in dieser Frage wirklich klug ist oder ob sie sich damit nicht eigene Entwicklungsmöglichkeiten verbauen. Auch hier geht es um die Stärke der Arbeitswelt in unserm Lande. Die Würde der Arbeit ist gerade dort, wo den Menschen Untätigkeit und Isolation drohen, ein gewichtiges Argument. ..."

    und nochmal: "...Die Gewerkschaften fordern zum Tag der Arbeit am 1. Mai nicht nur Arbeit, sondern "Gute Arbeit". Zeitarbeit, Teilzeitstellen und Minijobs werden als "prekäre Beschäftigung" verunglimpft, die es zu bekämpfen gilt.
    Die Gewerkschaften wirken dabei seltsam aus der Zeit gefallen. Ihr Idealbild für "Gute Arbeit" stammt aus dem vorigen Jahrhundert und ist der rundum-sozialversicherte Vollzeitjob in der Industrie. Dass die deutsche Industrie ohne flexible Zeitarbeiter im weltweiten Wettbewerb heute viel schlechter dastünde, wird dabei ausgeblendet. Zu kurz kommen aber auch die Interessen der Arbeitnehmer. Auch wenn es sich die Gewerkschaftsbosse nicht vorstellen können: Für Millionen Arbeitnehmer, aber auch Hausfrauen, Studenten und Rentner bieten Minijobs einen willkommenen und steuerfreien Zuverdienst. Und dass gerade Teilzeit vielen Frauen -und zunehmend auch Männern die Chance bietet, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren, ist bei den Gewerkschaftern ebenfalls noch nicht angekommen. Kein Wunder eigentlich, dass junge Leute mit solchen Gewerkschaften nichts anfangen können und am 1. Mai lieber zu Hause bleiben..."

    Ich weiss, es ist viel Text, aber ich finde er fasst gut zusammen, um was es geht: die Zeitarbeit muss sich auf eine Position einigen und endlich mit einer Stimme sprechen. Die Gewerkschaften sollten über ihre Rolle im 21. Jhd nachdenken und sich den neuen Begebenheiten anpassen. Warum geht genau das nicht zusammen? Ich denke, dass sind doch Ausgangspositionen, mit denen beide Seiten Flexibilität und Modernität demonstrieren können.

    Wo genau sind denn die Schwierigkeiten? Es ist doch allemal besser, die Rahmenbedingungen selbst zu bestimmen (zumal auf beiden Seiten Experten sitzen), als sie durch wahlkämpfende Politiker ohne Hintergrundwissen bestimmen zu lassen.

    Viele Grüße

    Thorsten Rensing
  • User photo
    Karl Fortenbacher
    The company name is only visible to registered members.
    Hallo Hr. Rensing,


    Thorsten Rensing schrieb:
    Guten Morgen Herr Fortenbacher,
    ......
    und nochmal: "...Die Gewerkschaften fordern zum Tag der Arbeit am 1. Mai nicht nur Arbeit, sondern "Gute Arbeit". Zeitarbeit, Teilzeitstellen und Minijobs werden als "prekäre Beschäftigung" verunglimpft, die es zu bekämpfen gilt.

    Zum Begriff "Prekäre Beschäftigung" mal ein link zum Gutachten 2008/2009 des Sachverständigenrates unter:

    http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/date...
    (Seite 2, Ziffer 714-716).

    Die Gewerkschaften wirken dabei seltsam aus der Zeit gefallen. Ihr Idealbild für "Gute Arbeit" stammt aus dem vorigen Jahrhundert und ist der rundum-sozialversicherte Vollzeitjob in der Industrie. Dass die deutsche Industrie ohne flexible Zeitarbeiter im weltweiten Wettbewerb heute viel schlechter dastünde, wird dabei ausgeblendet.
    Der letzte Satz sagt aus. Die deutsche industrie schaut heute schlecht aus. Dank Zeitarbeit weniger schlecht. Aber eben immer noch schlecht. Bemerkt das eigentlich keiner?


    Zu kurz kommen aber auch die Interessen der Arbeitnehmer. Auch wenn es sich die Gewerkschaftsbosse nicht vorstellen können: Für Millionen Arbeitnehmer, aber auch Hausfrauen, Studenten und Rentner bieten Minijobs einen willkommenen und steuerfreien Zuverdienst.
    "Millionen Arbeitnehmer" werden zukünftig in der Altersarmut landen aber dank "steuerfreier Minijobs" als Rentner selbstbestimmtes "working poor" betreiben dürfen bis sie in die Grube fallen. Ein Zynismus der Extraklasse.


    gerade Teilzeit vielen Frauen -und zunehmend auch Männern die Chance bietet, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren, ist bei den Gewerkschaftern ebenfalls noch nicht angekommen.
    Gewerkschaften seien gegen die Vereinbarung von Familie und Beruf. Als ob Teilzeitwünsche von Arbeitnehmern von den Gewerkschaften verhindert würden. Dreister geht es nimmer.


    Kein Wunder eigentlich, dass junge Leute mit solchen Gewerkschaften nichts anfangen können und am 1. Mai lieber zu Hause bleiben..."
    Glauben sie eigentlich, dass Arbeitnehmer dann den Gewerkschaften zuströmen wenn wir viel mehr Zeitarbeit haben, viel mehr Minijobs und viel mehr Ein- Eurojobber?


    Ich weiss, es ist viel Text, aber ich finde er fasst gut zusammen, um was es geht: die Zeitarbeit muss sich auf eine Position einigen und endlich mit einer Stimme sprechen. Die Gewerkschaften sollten über ihre Rolle im 21. Jhd nachdenken und sich den neuen Begebenheiten anpassen.
    Wäre ich Verhandlungsführer in einer TK der DGB-TG würde ich den ZA-Verbänden - falls sie mit solchen Positionen ankämen - raten sich einen neuen Tarifpartner zu suchen. Der BZA ist ja dort schon angelangt.
  • Thorsten Rensing
    Thorsten Rensing    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Hallo Herr Fortenbacher,

    ich hoffe, Sie haben mich nicht missverstanden: die hier zitierten Position sind nicht meine. Es sind von der Presse kolportierte Positionen - die, wie Sie sicher wissen, gerne überspitzt dargestellt werden. Es geht hier um das Gesamtbild: wie will man sich für die Zukunft aufstellen? Sowohl Zeitarbeit als auch Gewerkschaft.

    Die Wahrheit liegt dabei sicher in der Mitte: nicht viel mehr Zeitarbeit und nicht mehr Minijobs. Nur verdammen macht allerdings keinen Sinn. Man muss allerdings Menschen durchaus auch zugestehen, dass Sie aus welchen Gründen auch immer Minijobs annehmen wollen - und übrigens - auf Wunsch auch in die Rentenkasse einzahlen können. Auch wenn und es nicht in die eigene Strategie oder das Weltbild passt.

    Zu dem Link von Ihnen: dieser unterscheidet zwischen typischer und atypischer Beschäftigung - verbal finde ich das deutlich besser: "....In der Wissenschaft ist nach der gängigen Definition ein Normalarbeitsverhältnis eine unbefristete, sozialversicherungspflichtige und abhängige Vollzeitbeschäftigung (Dietz und Walwei, 2006). Einige Autoren führen darüber hinaus als zusätzliches Merkmal noch die tarifliche Absicherung als Merkmal an (Schäfer und Seyda, 2008; Hoffmann und Walwei, 2002)....[weiter zur Zeitarbeit]: "...Ein Problem bei diesen Definitionen stellt allerdings die Leiharbeit dar. Arbeitsverhältnisse im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung erfüllen typischerweise die obige Definition eines Normalarbeitsverhältnisses, denn es handelt sich hierbei meist um eine unbefristete sozialversicherungspflichtige Tätigkeit. Darüber hinaus dürfte (...) die Arbeitnehmerüberlassung inzwischen den höchsten tariflichen Deckungsgrad aller Wirtschaftsbranchen in Deutschland aufweisen....".

    Was ich ausdrücken versuche ist, dass in dem Bereich der Zeitarbeit natürlich die Tarifautonomie auf den Kopf gestellt ist. Genau aus diesem Punkt muss hier dringend weiterentwickelt werden: nach dem Motto: Stärken stärken (Flexibilität, Weiterbildung und Reintegration in den Arbeitsmarkt und Schwächen schwächen (Lohndelta in einzelnen Branchen). Die Arbeitswelt verändert sich und es werden neue innovative Lösungen gesucht. Gemeinsames Ziel ist es aber doch wohl, Arbeitswelten zu verbessern und tragfähige Lösungen für die Zukunft zu finden um den Standort mit allen seinen Schwächen nach vorne zu bringen.

    Viele Grüße

    Thorsten Rensing
 
Sign up for free: