Moderne Zeitarbeit - iGZ

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  • Werner Stolz
    Werner Stolz    Premium Member   Group moderator
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    Leiharbeit In christliche Gewerkschaft gedrängt

    Weit über 1.000 Leiharbeiter sollen ohne ihr Wissen einer christlichen Gewerkschaft zugeführt worde sein.

    Essen. Die Dortmunder Zeitarbeitsgruppe Artos soll Mitarbeiter verpflichtet haben, der christlichen Gewerkschaft BIGD beizutreten. Mitunter wurden sie zu Mitgliedern ohne es zu wissen. Es besteht der Verdacht auf „gewerbsmäßigen Betrug“.

    Die christlichen Gewerkschaften geraten weiter unter Druck. Nachdem bereits das Bundesarbeitsgericht die Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften Zeitarbeit und Personal-Service-Agenturen (CGZP) für nicht tariffähig erklärte, enthüllen nun Recherchen des ZDF-Magazins Frontal 21 die unseriösen Methoden, mit denen Mitglieder für die christliche Einzelgewerkschaft BIGD gekeilt wurden. Es besteht der Verdacht auf „gewerbsmäßigen Betrug“.

    Den Recherchen zufolge hat die Zeitarbeitsgruppe Artos aus Dortmund der Christlichen Gewerkschaft BIGD mit Sitz in Duisburg jahrelang systematisch Leiharbeiter als Mitglieder zugeführt – häufig ohne das Wissen der Leiharbeiter selbst. Denen wurde monatlich ein Gewerkschaftsbeitrag vom Lohn abgezogen – ebenfalls häufig ohne deren Wissen. Betroffen sind weit über 1.000 Leiharbeiter.

    Die christlichen Gewerkschaften gelten in vielen Fällen als Gegenorganisationen zu den klassischen Industriegewerkschaften. Sie schließen oft wesentlich unternehmensfreundlichere Tarifverträge ab – mit schlechteren Bedingungen für Arbeitnehmer. Sie gehören nicht zum deutschen Gewerkschaftsbund DGB.

    Wie aus einer Mitgliederliste des Christlichen Gewerkschaftsbundes aus dem Ruhrgebiet hervorgeht, die dieser Zeitung vorliegt, wurden rund 1500 Leiharbeiter als Mitglieder ausgewiesen. Diese waren fast vollständig bei der Artos-Gruppe als Leiharbeiter beschäftigt. Die meisten wurden der BIGD zugeordnet.

    Fast 96 Prozent dieser Gewerkschaftsmitglieder wussten allerdings bei einer Stichprobe nicht, dass Sie als Mitglied einer Christlichen Gewerkschaft geführt und Beiträge von ihnen eingezogen wurden. Einige wenige, die wussten, dass sie als Mitglieder der Christlichen Gewerkschaft geführt wurden, erklärten, dass sie bei ihrer Anstellung in der Artos-Gruppe eine Beitrittserklärung zur Christlichen Gewerkschaft unterzeichnen mussten.

    Ein ehemaliger Artos-Mitarbeiter sagte Frontal 21, dass „alle Bewerber und Mitarbeiter diese Beitrittserklärung zur Christlichen Gewerkschaft unterschreiben“ mussten. Die Leiharbeiter hätten bei Einstellung zwölf bis fünfzehn Unterschriften leisten müssen – da wäre die Unterschrift unter der Beitrittserklärung oftmals gar nicht aufgefallen. „Wir haben am laufenden Band Beitrittserklärungen produziert“, sagte der Insider, der anonym bleiben möchte. Das Vorgehen sei vom Chef angeordnet worden.

    Nach Einschätzung des Dortmunder Strafrechtlers Tido Park besteht der Verdacht des „gewerbsmäßigen Be­trugs“ durch Artos. Und: „Gewerkschaftsfunktionäre, die sich wissentlich daran beteiligen, begehen jedenfalls eine Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug“.

    Artos ist an mehreren Zeitarbeitsfirmen beteiligt und hat 2004 einen Dumping-Haustarifvertrag mit der Christlichen Gewerkschaft abgeschlossen, der Stundenlöhne von 4,81 Euro ermöglichte. Artos wollte auf Anfrage keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen.

    Der BIGD bestreitet die Vorwürfe. Es sei bekannt, dass irgendetwas mit Artos nicht ganz korrekt gelaufen sei, deswegen habe man schon 2007 die Zusammenarbeit mit Artos beendet, sagte BIGD-Geschäftsführer Detlef Lutz dieser Zeitung. Spätestens ab 2007 habe man alle von Artos vermittelten Mitglieder angeschrieben und gefragt, ob sie auch wüssten, dass sie Mitglied der Christlichen Gewerkschaft seien. „Wer sich dann gemeldet hat, wurde nie als Mitglied geführt.“ Wie viele Personen sich meldeten, sagte Lutz zunächst nicht.

    Frontal 21 berichtet Dienstagabend (8.3.) über den Fall.

    http://www.derwesten.de/nachrichten/wirtschaft-und-finanzen/...
  • Norbert Fuhrmann
    Norbert Fuhrmann    Premium Member   Group moderator
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    Es gibt in der Branche halt auch Trickser, auch wenn manche das nicht wahr haben wollen.
  • Werner Stolz
    Werner Stolz    Premium Member   Group moderator
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    Stimmt, Norbert: bereits 2007 wurde diese rechtswidrige Praxis von REPORT thematisiert und vom CGCP-Vertreter Smits abgestritten...

    (vgl. http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=2769040/...)
    This post was modified on 08 Mar 2011 at 08:12 am.
  • Thomas Altmann
    Thomas Altmann    Premium Member   Group moderator
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    ... mit Sitz in Duisburg...
    Mir bleibt hier wirklich auch nichts erspart! ;-)
  • Hans-Jürgen Schäfer
    Hans-Jürgen Schäfer    Premium Member   Group moderator
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    Thomas Altmann schrieb:
    ... mit Sitz in Duisburg...
     
    Mir bleibt hier wirklich auch nichts erspart! ;-)

    Wie sonst konnte aus Duisburg ein Bad Duisburch werden? :-)
  • Norbert Fuhrmann
    Norbert Fuhrmann    Premium Member   Group moderator
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    Und dann wurde Werner Stolz ob seiner Aussage kritisiert, dass es in der Branche Trickser gibt.
  • Werner Stolz
    Werner Stolz    Premium Member   Group moderator
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    Berlin/ 08.03.2011 Der Christliche Gewerkschaftsbund verwahrt sich gegen den undifferenzierten Vorwurf der Redaktion Frontal 21 "Christliche Gewerkschaften hätten sich wissentlich und bewusst Mitglieder durch Arbeitgeber zuführen lassen". Durch die Berichterstattung wird in der Öffentlichkeit bewusst die unzutreffende Vorstellung vermittelt, es handle sich hier um eine aktuelle Praxis der Christlichen Gewerkschaften.

    "Für alle Christlichen Gewerkschaften gilt, dass sie ihre Mitglieder selber werben", so der Generalsekretär Christian Hertzog. "Wir sind Gewerkschaften und vertreten Arbeitnehmerinteressen und lassen uns vor allem nicht durch die Arbeitgeberseite in irgendeiner Form beeinflussen". http://www.cgb.info/aktuell/p_frontal21.php

    Na dann: Tolle Vertretung von Arbeitnehmerinteressen durch den Abschluss von Zeitarbeits-Haustarifverträgen mit der ARTOS-Unternehmensgruppe zum Bruttostundenlohn für Helfer von 4,81 Euro! Kein Wunder, dass so viele Zeitarbeitskräfte ganz freiwillig (!) in diesen "Kampfverband" eintreten wollten. Hinweis: es handelt sich nicht um polnische TV...
  • Norbert Fuhrmann
    Norbert Fuhrmann    Premium Member   Group moderator
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    Rechtswissenschaftler bezeichnen so etwas als gewerbsmäßigen Betrug.

    Hinweis: Die BIGD ist einer der Tarifpartner des angeblich so "rechtssicheren" AMP-Tarifvertrag. Die Rechtsicherheit ist sehr wohl fraglich. Die satzungsgemäße Zuständigkeit der CGM ist fraglich (die CGM weigert sich momentan die Satzung zu ändern), die Aleb hat eine handvoll Mitglieder, die DHV ist wohl nur für kaufmännisches Personal zuständig, Laut Spiegel (KW9) ist die medsonet nur mit 980 Mitgliedern im medizinisch und pflegerischen Bereich kampfstark aufgestellt und die BIGD ist durch den gestrigen Beitrag "qualifiziert".

    Damit deuten alle Indizien darauf hin, dass auch der vom AMP - Vorstand und manchen Beratern als rechtssicher verkaufte neue AMP TV einer juristischen Prüfung nicht standhält. Er ist genau so nichtig wie der alte TV.

    AMP-Mitglieder büßen für Fehleinschätzung von Verband und Beratern

    Der Vorstand des AMP hat in der Vergangenheit immer wieder beteuert, dass der 2010 abgeschlossene, mehrgliedrige Tarifvertrag rechtssicher sei und seinen Mitgliedern die Anwendung des Vertrags empfohlen. Die Urteilsbegründung des BAG stellt diese Einschätzung erheblich in Frage, was wiederum vermuten lässt, dass eine sorgfältige juristische Prüfung seitens des Verbands nicht durchgeführt wurde. Mitglieder, die dieser Fehleinschätzung Glauben geschenkt haben, müssen nun auch für die jüngste Zeit Nachforderungen von Mitarbeitern und Sozialversicherungsträgern befürchten.

    Nicht nur der AMP selbst hat seine Mitglieder in Sicherheit gewogen. So schrieb der Unternehmensberater Edgar Schröder am 14. Dezember 2010: „Die Entscheidung (des BAG, Anm.) tangiert keinesfalls das aktuelle mehrgliedrige AMP-Tarifwerk, das seit 1. Januar 2010 Gültigkeit besitzt.“

    Die Frage nach Schadensersatz für solche "Empfehlungen" sollte jeder betroffeene prüfen.

    Norbert Fuhrmann
 
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