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Erfinden heisst nicht, einen genialen Einfall zu haben

Copyright: Elmar Mock
«Ein Erfinder ist nie allein».

Das Redaktionsteam von XING Schweiz hat mit Elmar Mock, Mitbegründer der Swatch Uhren bereits im Vorfeld der New Work Sessions ein Interview geführt: Wie entstehen eigentlich Innovationen? Was können Unternehmen tun, damit Mitarbeitende kreativ werden? Und was kann man selber tun? Wir haben Antworten auf diese Fragen gesucht. 

Herr Mock, was motiviert Sie für Unternehmen immer wieder neue Ideen zu generieren und woher nehmen Sie Ihre Motivation?

Mich interessiert bei meiner Arbeit vor allem der Mensch, der etwas braucht oder einen Service braucht oder etwas in seinem Leben ändern möchte. Dabei versuche ich zu schauen, wo der langfristige Störfaktor meiner Kunden oder deren Kunden liegt. Meine Aufgabe ist es vor allem herauszufinden, wo die Unzufriedenheit oder der Störfaktor herkommen. Zum Beispiel waren früher alle Räder aus Holz mit Stahl rundum geschaffen. Und ja, die Menschen haben sich daran gewöhnt, sie kannten nichts anderes. Bis jemand auf die Idee kam, dass ein gedämpftes Rad leiser sein könnte und der Reifen entwickelt wurde. Die Idee des Reifen war vorher nicht bekannt, hat aber mehr Komfort gebracht. 

Also liegt Ihre Motivation darin helfen zu können? 

Viele Menschen sagen, dass mit Marketing alles zu verkaufen wäre. Ich antworte dann gerne etwas provokativ «Versuchen Sie doch Holzräder mit Stahlrahmen für Mercedes vorzuschlagen, mit Marketing». Das wird nicht funktionieren, denn der Störfaktor, der das Leben früher unangenehm oder komplex gemacht hat, würde nicht eliminiert werden. Es geht darum, dass ich einen Mehrwert vor allem für den Kunden oder den Nutzer, wenn nicht gar für den Menschen und die Gesellschaft schaffen möchte. Ich versuche nicht etwas zu erfinden, sondern ich versuche die bestmögliche Lösung vorzuschlagen. 

Was glauben Sie hindert uns Menschen meistens daran, neue Wege zu gehen, neue Produkte und Lösungen zu finden? 

Da ist diese Angst, die Angst davor Risiken einzugehen. Die Angst vor Neuem und die Gewohnheit hindern uns daran, neue Wege zu gehen. Oftmals folgen wir den Zielen, die wir bekommen haben, zum Beispiel vom Chef. Normalerweise werden wir danach bewertet, wie gut wir dieses Ziel erreicht haben. Möchte jemand nun innovativ werden, so heisst das nicht ein Ziel zu erreichen, sondern ein neues Ziel zu finden. Beim Arbeiten verändern sich Ziele laufend. Oft müssen wir das ursprüngliche Ziel, das wir uns am Anfang eines Projekts gesteckt haben im Laufe der Arbeit anpassen. Vergleichen wir es mit einem Spaziergang: Was ist das Schönste am Spazieren gehen? Ans Ziel zu kommen oder der ganze Spaziergang und was es während des Spaziergangs zu entdecken gibt? Wenn wir innovativ arbeiten wollen, sollte das Ziel nicht darin bestehen, ein Ziel zu erreichen. Es geht darum, das bestmögliche Ziel zu finden. 

Im Arbeitsumfeld spielt bestimmt auch die Unternehmenskultur eine grosse Rolle?

Die Firmenkultur ist fundamental, wenn es darum geht ob Innovationen überhaupt entstehen können. Die Unternehmenskultur muss allerdings langsam aufgebaut werden und das Team muss die Regeln und Freiheiten erst erlernen. Leider fühlen sich noch immer viele Angestellte einfach nicht frei. 

Können Sie einen Tipp geben, wie Unternehmen den Unternehmergeist ihrer Mitarbeitenden fördern können?

Es gibt zwei Faktoren, die die Kreativität fördern oder ersticken können. Der erste Faktor ist Ungerechtigkeit. Wenn wir das Gefühl haben ungerecht behandelt zu werden, dann bremst uns dies und erlaubt uns nicht kreativ zu werden. Der zweite Faktor ist Vertrauensaufbau: Wenn wir Vertrauen aufbauen können, fühlen wir uns freier und können uns besser entfalten. Diese zwei Faktoren beziehungsweise diese zwei Gefühle sind sozusagen die Wirbelsäule der Kreativität. 

Wie erreicht dies ein Unternehmen am besten? Durch transparente Kommunikation?

Transparente Kommunikation ist ein Weg, aber es ist auch wichtig, wie wir mit unseren Mitarbeitenden umgehen und wie wir sie belohnen. Ich denke dabei nicht nur an finanzielle Belohnung. Anerkennung gehört genauso dazu. Wir vergessen oft Lob auszusprechen. Aber es wäre so wichtig, denn es hilft uns, stolz auf uns und auf das von uns Geleistete zu sein. 

Haben Sie auch schon mal etwas ausprobiert, das dann nicht so gut funktioniert hat?  

Selbstverständlich. Ich habe schon vieles probiert, das nicht genau so funktioniert hat, wie ich mir dies vorgestellt hatte. Vielleicht entdeckt man dabei aber einen neuen Weg, auf welchen man zuerst gar nicht erst gekommen wäre. 

Wie wichtig sind Innovationen für unseren Arbeitsplatz der Zukunft?

Innovationen sind auch in Zukunft absolut relevant. Stellen Sie sich vor, die Menschen würden aufhören Kinder zu bekommen. Dann führt dies zur Überalterung der Gesellschaft und später zum Tod. Genauso verhält es sich mit Innovationen und neuen Produkten. 

Ein CEO beziehungsweise eine Firma lebt allerdings besser oder ruhiger ohne Innovationen, denn Innovationen kosten Nerven und Geld. Innovativ zu sein kostet Energie und Geld. Nichts zu machen, ist dagegen – zumindest zuerst – viel billiger. Aber eines Tages geht diese Rechnung nicht mehr auf.

Was tun Sie, wenn Sie einmal keinen genialen Einfall haben? Wer oder was hilft Ihnen, wieder kreativ zu werden?

Also ich habe eigentlich nicht besonders viele geniale Einfälle. 

Nicht? 

Das passiert selten. Um eine gute Idee zu haben brauche ich ein dynamisches Leben. Ich brauche meine Familie und die Natur sowie Kultur. Die Neugier ist zentral und dass man sich in den Menschen verliebt. Ich denke, es hilft, dass ich ein Geniesser bin und mich nicht stundenlang in ein Zimmer zurückziehe. Auch die Fähigkeit, sich in verschiedene Gebiete einzuarbeiten hilft enorm. Eigentlich bin ich wie ein Kind das mit Legosteinen spielt. Ich sammle überall Legosteine und plötzlich kann ich die Steine miteinander verbinden. Ich finde, es geht nicht um Genialität, ich spreche lieber von Hybridisierung. 

Was meinen Sie damit?

Nehmen wir das Handy als Beispiel. Es ist weder Telefon, noch Kamera noch Agenda. Es ist alles zusammen. Das vermischen verschiedener Elemente, um daraus etwas Neues zu erschaffen, ist in der Industrie absolut erlaubt, das ist sogar erwünscht. 

Auf welche Erfindung sind Sie besonders stolz?

Das ist wie wenn eine Mutter entscheiden müsste, auf welches ihrer Kinder sie am meisten stolz ist. Aber wenn ich mich für eine Erfindung entscheiden müsste, dann ist dies mein Unternehmen Creaholic. Ich bin stolz darauf wie das Team aufgestellt ist und wie sie ohne mich arbeiten. Darauf bin ich wirklich stolz. Aber ich bin selbstverständlich auch von meinen letzten drei Start-ups begeistert. Denn eine Mutter ist doch immer von ihren Kindern begeistert.

Möchten Sie mehr über Elmar Mock erfahren und sich inspirieren lassen? Dann sichern Sie sich eines der letzten Tickets zu den New Work Sessions und erleben Sie seinen Impulsvortrag «Ein Erfinder ist nie allein». 

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