Arbeiten nach Biorhythmus für mehr Produktivität

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Selbstmanagement

Jeder sollte seinen Biorhythmus kennen, er beeinflusst die unterschiedlichen Gemütszustände und die Leistungsfähigkeit im Laufe eines Tages. Wer mit dem eigenen Biorhythmus lebt, statt gegen ihn, steigert sein Wohlbefinden und seine Produktivität.

Biorythmus 1200 Lerchen oder Eulen: Jeder Mensch hat seinen eigenen Biorhythmus. (Foto: Unsplash)

Die Biorhythmen der Menschen werden vor allem vom Tag-Nacht-Wechsel beeinflusst. Selbst ändern kann man seinen gegebenen Biorhythmus nicht. Daraus folgt, dass man seinen Arbeitstag so gut es geht an diese innere Uhr anpassen sollte und nicht umgekehrt.

Grob wird zwischen zwei verschiedenen Typen unterschieden, die Früh- und die Spätaufsteher, also die Lerchen und die Eulen. Die Biorhythmen der beiden Typen sind sehr unterschiedlich. Die verschiedenen Phasen über den Tag sehen in etwa so aus:

Lerchen:

  • bis 7 Uhr: aufwachen
  • 7 bis 8 Uhr: Konzentrationstief
  • 8 bis 9 Uhr: kreative Phase
  • 9 bis 13 Uhr: Problemlösungsphase
  • 13 bis 15 Uhr: Konzentrationstief
  • 15 bis 17 Uhr: Problemlösungsphase
  • 17 bis 21 Uhr: Inspirationsphase
  • 21 bis 22 Uhr: Konzentrationstief
  • anschließend: einschlafen

Eulen:

  • bis 8 Uhr: aufwachen
  • 8 bis 10 Uhr: Konzentrationstief
  • 10 bis 12 Uhr: kreative Phase
  • 12 bis 13 Uhr: Problemlösungsphase
  • 13 bis 15 Uhr: Konzentrationstief
  • 15 bis 18 Uhr: Inspirationsphase
  • 18 bis 23 Uhr: Problemlösungsphase
  • anschließend: einschlafen

Die beiden Zeitabläufe zeigen sehr deutlich, wie unterschiedlich Lerchen und Eulen „funktionieren“. Allerdings sind das nur Annäherungswerte. Der individuelle Biorhythmus unterscheidet sich davon noch einmal mehr oder weniger stark. Daher ist es sinnvoll, seinen eigenen Biorhythmus zu bestimmen.

Wie ihr euren Biorhythmus herausfindet

Ihr solltet natürlich auf die innere Stimme hören. Wer gut darin ist, erfährt eine Menge. Darüber hinaus ist es sinnvoll, über einen Zeitraum von einigen Wochen eine Art Tagebuch zu führen: Wann fühlt ihr euch fit, wann schlapp, wann sprudeln die Ideen, wann seid ihr analytisch, wann gesellig, wann habt ihr ein Ruhebedürfnis etc. Nach einem gewissen Zeitraum werdet ihr sicher feststellen, dass die gleichen Phasen oft zu gleichen Zeiten auftauchen und ähnlich lang anhalten. Somit habt ihr euren eigenen Biorhythmus gefunden.

Die Herausforderung ist nun, den Arbeitsalltag diesem Rhythmus angepasst zu gestalten. Grundsätzlich heißt das:

In Zeiten mit weniger Konzentrationsfähigkeit solltet ihr Routineaufgaben erledigen, Dinge, die einem leicht von der Hand gehen.

Findet heraus, was genau für euch weniger Anstrengung bedeutet: eventuell E-Mail-Verkehr, Gespräche mit Mitarbeitern, der Austausch mit Geschäftsführer-Kollegen. Ebenso solltet ihr in diesen Zeiten Pausen einlegen, vielleicht etwas Privates erledigen.

Umgekehrt solltet ihr die kreative Zeit für Kreatives nutzen, also eventuell an neuen Ideen feilen, konstruktive Gespräche führen etc. In der analytischen Phase, die gut ist, um Probleme zu lösen und wichtige Dinge voranzutreiben, solltet ihr nach Möglichkeit die Bürotür schließen und euch auf die aktuell wichtigen Themen fokussieren.

Tipps für das Arbeiten nach Biorhythmen

Arbeiten Biorhythmen Nachmittagstiefs müssen nicht "durchgehalten" werden. Produktiver ist es, die Tiefs des Tages für Pausen zu nutzen. (Foto: Unsplash)

Wie kann ein Unternehmer seinen Arbeitsalltag konkret an seinen Biorhythmus anpassen? Schließlich macht er nicht Urlaub auf einer einsamen Insel, sondern muss sich mit Mitarbeitern, Geschäftspartnern, Kunden etc. arrangieren.

Gerade in Corona-Zeiten mit tendenziell mehr Homeoffice ist es eine gute Idee, die Zeiten im Büro und die im Homeoffice entsprechend seiner inneren Uhr zu organisieren.

Ein Beispiel: Ihr wacht um 6.30 Uhr auf, springt voller Elan aus dem Bett. Jetzt könntet ihr Bäume ausreißen. Doch was macht ihr die nächsten ein, zwei Stunden? Ihr duscht, macht euch fertig, fahrt ins Büro. Damit habt ihr die vielleicht kreativste, energiegeladenste Zeit des Tages mit der Vorbereitung auf die Arbeit verplempert. Produktiver wäre es, kurz nach dem Aufwachen den Laptop aufzuklappen und loszuarbeiten, zum Beispiel Ideen zu notieren, Skizzen zu zeichnen, wichtige E-Mails zu schreiben etc.

Grundsätzlich gilt: Im Homeoffice habt ihr mehr Freiheiten, dem Biorhythmus folgend zu arbeiten.

Die meisten Menschen leiden von ca. 13.00 bis 15.00 Uhr unter Konzentrationsmangel.

Im Homeoffice kann Privates, wie etwa der Wocheneinkauf, erledigt oder ein Mittagsschlag gemacht werden. Dafür bietet es sich an, abends zwei Stunden länger zu arbeiten, vielleicht sogar erst nach 20.00 Uhr, wenn die Kinder im Bett sind.

Aber auch komplette Arbeitstage im Büro könnt ihr mit einfach umzusetzenden Mitteln entsprechend der inneren Uhr organisieren:

  • Ein kleines abgeschlossenes Zimmer mit einer bequemen Liege ermöglicht, sich kurz auszuruhen, wenn der Akku leer ist.
  • Ein Schild an der Bürotür zeigt an, wann man Kollegen empfängt und wann man alleine sein möchte (etwa, um konzentriert zu arbeiten, weil man gerade im Fluss ist).
  • Um konzentriert arbeiten zu können, sind ferner ein ausgeschaltetes Handy oder ein Programm, das nicht bei jeder neu einkommenden Nachricht Töne ausspuckt, ein großer Gewinn. Tipp: Zeitfresser könnt ihr mit Zeitmanagement-Apps minimieren.
  • Eine Yogamatte lässt sich schnell ausrollen: Wer nach 30 Minuten Meditation wieder fitter ist, sollte sich genau diese Möglichkeit herausnehmen. Gleiches gilt für Spaziergänge etc.
  • Wichtige Termine, in- oder externe Meetings sollten in den produktiven, energiegeladenen Zeiten stattfinden.
  • Meetings abbrechen/vertagen, wenn deutlich wird, dass die Konzentration dafür nicht (mehr) vorhanden ist. Umgekehrt spontane Meetings und Gespräche führen, wenn das Level hoch ist.
  • Öffnungs-/Erreichbarkeitszeiten kann man ändern, gemäß dem Biorhythmus, zum Beispiel später beginnen, später schließen – oder umgekehrt.
  • Niemand muss täglich 14 Stunden erreichbar sein. Braucht mal jemand einen halben Tag frei und arbeitet das Versäumte am Samstag nach: Das sollte möglich sein.
  • Grundsätzliche Routinen überprüfen: Oft beginnt der Arbeitsalltag mit dem Abarbeiten des E-Mail-Verkehrs. Ist man aber am Morgen eher kreativ, sollte man in diesem Zeitraum auch kreativ sein. Die Kommunikation erfolgt dann eben etwas später.
  • Oder umgekehrt: Wer morgens den Austausch mag, weil er frisch ist, sollte bis zum Mittag reden und danach auf eher konzentriertes, in sich gekehrtes Arbeiten am Laptop umschwenken.

Die Unternehmenskultur entsprechend verändern

Entscheidend ist, Freiheiten zuzulassen. Denn am besten funktioniert das Arbeiten nach Biorhythmus dann, wenn die Unternehmenskultur offener, freiheitlicher, auf mehr Vertrauen und weniger Kontrolle, sprich auf mehr Ergebnisorientierung denn auf Anwesenheit, ausgerichtet ist. Und wenn alle Arbeitnehmer darin einbezogen sind. Das heißt:

Unumstößliche Termine, egal ob morgens um 9.30 oder abends um 18.00 Uhr, müssen wahrgenommen werden. Dann gilt es: Zähne zusammenbeißen und durch. Aber: Vielleicht geht Mitarbeiter X um 16.00 Uhr nach Hause, weil er eine Pause braucht, ist dann aber um 18.00 Uhr wieder (voll) da.

Jeder, ob Chef oder Angestellter, sollte im gewissen, auszuhandelnden Rahmen arbeiten können, wann und wo er möchte. Hauptsache, die Ziele werden erreicht. Das schließt gar Extreme ein, etwa Menschen, die erst um die Mittagszeit herum aktiv werden und dafür bis tief in die Nacht Leistung erbringen. Eine Unternehmenskultur, die dies ermöglicht, bringt zufriedenere Chefs sowie Mitarbeiter hervor und ist produktiver.

Das schließt im Übrigen auch andere Rhythmen ein, also nicht nur biologisch bedingte, sondern auch solche, die sich aus anderen Umständen ergeben.

Ein Beispiel: Eine getrennt lebende Mutter betreut ihr Kind im Wechselmodell. Eine Woche lang ist sie hauptsächlich für die Betreuung ihres Kindes verantwortlich und daher seltener anwesend und weniger produktiv, in der nächsten Woche kann sie zehn bis zwölf Stunden pro Tag arbeiten, da das Kind beim Vater lebt.

Eine Unternehmenskultur, die das Gesamtergebnis am Monatsende beurteilt, wird die unterschiedlich produktiven Wochen akzeptieren.

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