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Nationalspieler Julian Draxler: „Wer sich für Geld auf den Platz schleppt, sollte besser aufhören“

Foto: Federico Gambarini/dpa
"Es geht auf dem Platz für mich um alles": Nationalspieler Draxler (M) und der Schweizer Xhaka kämpfen um den Ball

Julian Draxler lebt als Profifußballer den Traum vieler. Im Gastbeitrag verrät er das Rezept seines Erfolges, wovor er Angst hat und was sein Plan B nach der Karriere als aktiver Sportler ist.                                            

"Profifußballer – das klingt sicher für viele Menschen nach einem Traumberuf. Nach viel Geld, teuren Autos, einem schillernden Leben in der Öffentlichkeit und Ruhm. Als ich im Alter von acht Jahren zum FC Schalke 04 kam, hatte ich etwas anderes im Kopf. Mein Ansporn war, einmal in einem Stadion vor 50.000 Menschen zu spielen.

Eine Alternative zum Fußball gab es für mich damals nicht, und meine fußballbegeisterte Familie hat mich extrem unterstützt. Es war aber auch klar, dass es in der Schule laufen muss. Als Plan B, für den Fall, dass irgendwas schiefgeht. Daran habe ich mich gehalten, auch wenn es nicht immer einfach war. Training vor und nach dem Unterricht, Tag für Tag. Mit 16 Jahren wurde es etwas leichter. Ich konnte die Eliteschule von Schalke besuchen, dort wurde Rücksicht auf die Trainings- und Spielzeiten genommen, und so habe ich dann mein Fachabitur gemacht. Für mein eigenes Gewissen und für den Seelenfrieden meiner Eltern.

Das Erfolgsrezept: Fleiß, Förderer und gute Freunde

Ich denke, dass ich meinen Erfolg zu etwa 60 Prozent meinem Talent, 30 Prozent sehr harter Arbeit und zu 10 Prozent Glück und den Menschen verdanke, die mich antreiben und die mich auf den Boden zurückholten, wenn ich mal abzuheben drohte. Denn natürlich habe auch ich mal über die Stränge geschlagen und es krachen lassen.

Mein Vater, selbst früher Spieler bei Schalke, hat mir in jungen Jahren Tipps gegeben, mich gepusht und konstruktiv Kritik geübt.

Später, in der U 19, hatte ich dann mit Norbert Elgert einen der besten deutschen Jugendtrainer überhaupt. Sein Training war knallhart, intensiv und fordernd und damit eine perfekte Vorbereitung auf die Zeit als Profi. Heute sind es Familie und enge, langjährige Freunde, die mich aufbauen, wenn es mal nicht so rundläuft, oder die mir Ratschläge geben, ohne Eigeninteressen zu verfolgen.

Es ist ein schönes Gefühl, wenn mich gute Freunde hier in Paris besuchen oder aktuell wegen Corona eher anrufen. Jungs, die man gefühlt schon ewig kennt und mit denen ich einfach über andere Dinge als Fußball spreche.

Fußballromantik versus finanzielle Interessen

Wichtig ist in diesem Business, zu wissen, wer es gut mit dir meint. Es geht um viel Geld, und viele wollen mitverdienen. Da zählt nicht unbedingt nur die eigene Leistung, sondern es geht immer auch um die finanziellen Interessen anderer. Das muss man wissen und damit einen Umgang finden. Die Fußballromantik verliert sich, je älter man wird und je mehr man das durchschaut. Umso entscheidender finde ich, dass man diesen Beruf deshalb macht, weil man gern auf dem Platz steht. Weil man vor den 50.000 bis 60.000 Menschen im Stadion und einem Millionenpublikum vor dem TV sein Bestes geben will – und klar: auch gewinnen. Dafür hat man schließlich sein ganzes Leben alles gegeben. Sobald man sich nur noch für das Geld auf den Platz schleppt, sollte man aufhören.

Coronapause für Weiterbildung genutzt

Finanzielle Ängste habe ich nicht, da ich schon früh gut verdient habe. Aber ich kenne Ängste in anderer Hinsicht: Ich bin in meinem Beruf relativ weit oben angekommen, spiele für die Nationalmannschaft und bei Paris Saint-Germain, einem der besten Vereine der Welt, und habe damit auch etwas zu verlieren. Deshalb denke ich schon auch in die Zukunft – beschäftige mich damit, was kommt, wenn die Karriereleiter irgendwann mal endet.

Für später kann ich mir gut vorstellen, als Sportdirektor in einem Verein zu arbeiten. Die Coronapause in diesem Jahr habe ich genutzt, um an der Lunex University in Luxemburg ein mehrteiliges BWL-Seminar mit anschließendem Praxistest zu belegen. In die Richtung möchte ich mich weiterorientieren. Mir hilft es, mich mit Leuten auszutauschen, die in diesem Bereich schon erfolgreich vorangegangen sind. Oliver Bierhoff ist für mich diesbezüglich ein Vorbild.

Aktuell bin ich aber auf jeden Fall noch in der Phase, in der es auf dem Platz für mich um alles geht. Die Europameisterschaft steht an, mein Vertrag läuft in diesem Jahr aus, und das bedeutet für mich, mein Niveau zu halten und alles zu geben, um einen passenden neuen Club zu finden oder den jetzigen Vertrag zu verlängern.

Wer in diesem Beruf Fuß fassen will, sollte ständig überprüfen, welches Niveau das eigene Talent irgendwann mal ermöglichen könnte. Außerdem ist der Aufbau und die Pflege eines Netzwerks sehr hilfreich und erweitert immer wieder den eigenen Horizont. Und zuletzt ganz wichtig: Sich an die Leute halten, die bereits vor der Karriere für einen da waren."

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Zum Autor:

Foto: Draxler
Fußballprofi Julian Draxler spielt derzeit für Paris Saint-Germain

Julian Draxler (Jg. 1993) ist Profifußballer und spielt aktuell für den Verein Paris Saint-Germain, vorherige Stationen waren der VfL Wolfsburg und FC Schalke 04. Er ist im Kader der deutschen Nationalmannschaft. 2014 wurde er mit dieser in Brasilien Weltmeister.

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