„Sparen bis Blut spritzt - das ist für den Arsch“

Zukunft.machen.

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Das Zukunfts-Format der XING Redaktion

Wegen Corona Menschen in die Kurzarbeit oder in die Arbeitslosigkeit schicken? Kommt für den Unternehmer Ernst Prost nicht in Frage. Der Chef des Schmiermittel-Herstellers Liqui Moly hat seinen Mitarbeitenden mitten in der Krise sogar eine Jobgarantie ausgesprochen und Prämien ausgezahlt. Warum? Weil sich das lohne und sich so gehöre, sagt Prost.

Der langjährige Inhaber und aktuelle Geschäftsführer des Ulmer Unternehmens sagt im Interview „Ich bin ein erklärter Feind von Sparmaßnahmen, wenn es darum geht, an den eigenen Leuten zu sparen bis Blut spritzt. Blut spritzt heißt: Löhne weg, rausschmeißen, Kurzarbeit und Ähnliches mehr, um die Gewinne zu stabilisieren. Das halte ich für völlig daneben, wenn nicht sogar für den Arsch.“

Prost selbst hatte bereits zu Beginn der Coronakrise auf sein Gehalt verzichtet, seinen rund 1000 Angestellten eine Jobgarantie gegeben und 1500 Euro Prämie pro Person ausgezahlt. Der Gehaltsverzicht sei nur „eine symbolische Geste“, sagt Prost weiter. Das gelte aber nicht für die Sonderzahlung, mit der ein Signal setzen will: „Diese Zeiten erfordern den ganzen Mann und die ganze Frau. Da kann’s doch wirklich nicht schaden, wenn ich meinen Leuten etwas mehr Geld gebe als in guten Zeiten – auf dass die Leistung sich erhöht. Das ist ein Geben und Nehmen.“

„Krise durch Vorwärtsstrategie bekämpfen“

Auch die Jobgarantie sei ein wichtiges Zeichen an die Angestellten gewesen: „Wenn ein Mensch Angst hat, seinen Job zu verlieren, seine Arbeit, sein Einkommen, dann kann er nicht befreit aufarbeiten.“ Das Gegenteil sei bei Liqui Moly der Fall: „Ich sage: Hier wird keiner entlassen. Im Gegenteil, wir werden bis zum Jahresende 100 neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Durch diese Vorwärtsstrategie ist es auch möglich, die Krise zu bekämpfen und hoffentlich auch am Ende zu siegen.“

Prost hat sich seit Ausbruch der Pandemie bereits kritisch in Bezug auf Sparmaßnahmen und Kürzungen in der BILD Zeitung geäußert. Er gilt zudem als prominenter Fürsprecher von Mindestlöhnen, höheren Spitzensteuersätzen und der Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Prost hat drei gemeinnützige Stiftungen mit sozial-karitativen Zwecken gegründet.