Problems logging in
XING Schweiz

XING Schweiz

Netzwerken. Inspirieren. Austauschen.

Was macht eigentlich eine «Sommelière»?

Bild: Lidwina Weh
Lidwina Weh war als Sommèliere bereits auf der halben Welt tätig. Davos, Hamburg und Dubai sind nur einige Stationen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was eine Sommelière eigentlich macht? In unserer Artikel-Serie stellen wir Ihnen regelmässig spannende Berufsbilder vor. Was macht also eine Sommelière und wie wird man überhaupt Weinkellnerin? Wir haben mit Lidwina Weh, ehemalige Sommelière und aktuell Weinschulleiterin um Einblicke in ihren Arbeitsalltag gebeten:

Wie würdest du deinen Alltag beschreiben?

Die Arbeit einer Sommelière in einem Hotel oder Restaurant beginnt normalerweise mit der Arbeit im Hintergrund. Dazu zählt die Warenannahme, das Versorgen der Flaschen im Keller, die Aktualisierung der Weinkarte, checken der Bestände, Inventur, Weinbeschreibungen und schriftliche Weinempfehlungen, Treffen mit Winzern, Lieferanten und Importeuren. Aber auch Absprachen mit Gästen für Anlässe oder Besprechungen mit dem Küchenperosnal für neue Menüs, etc. 

Und dann folgt die eigentliche Arbeit: die Beratung der Gäste im Restaurant. Dies startet beim Aperitif, der Hilfestellung bei der Weinauswahl, der Begleitung von Weinen passend zum Menü bis zum Digestif. Oft fallen auch Käse, Kaffee und Zigarren in meinen Aufgabenbereich. Ich bin also für die schönen Genussmomente zuständig und über den ganzen Aufenthalt meiner Gäste im Restaurant mit eingebunden. 

Auch gehört der Besuch von Degustationen, Workshops und Weinreisen zur Weiterbildung in meinen Alltag. Sehr oft findet dies aber ausserhalb der öffentlichen Arbeitszeit statt.

Bild: Lidwina Weh
Im Hotel Louis C. Jacob, Hamburg

Inzwischen hat sich bei mir diese Situation etwas geändert. Als Weinschulleiterin stehe ich nicht mehr aktiv im Restaurant, sondern bereite tagsüber meine Kurse vor, die dann überwiegend abends stattfinden. So gelingt es mir auch für meine zwei kleinen Töchter da zu sein. Als Genussbotschafterin sehe ich mich aber trotzdem weiterhin.

Bild: Lidwina Weh
Heute können Weingutsbesuche auch so aussehen. Lidwina Weh mit ihren Töchtern in Visperterminen.

Welche Ausbildung braucht es für deinen Beruf?

Die Bezeichnung Sommelier oder Sommelière ist weder ein Ausbildungsberuf noch eine geschützte Berufsbezeichnung. Doch gibt es verschiedene Wege, die zu dieser «Zusatzqualifikation» führen. Ich habe das einjährige Studium an der Hotelfachschule in Heidelberg gewählt. Dieses setzt eine Ausbildung in der Gastronomie voraus, gefolgt von mindestens drei Jahren Berufserfahrung und dazu ein Winzerpraktikum von nicht weniger als vier Monaten. Es gibt aber auch Kurse, die wenige Monate dauern oder berufsbegleitend stattfinden.

Neben der theoretischen Qualifikation sind in meinen Augen aber auch Lebenserfahrung und Menschenkenntnisse von grosser Bedeutung. Um das weite Spektrum der Weinwelt zu erfassen, braucht es einfach auch seine Zeit. Auch möchte ich hinzufügen, dass das vorhandene Wissen bei Frauen (in dieser Männerdomäne) immer gerne auch vom Gast abgerufen wird. Meine männlichen Kollegen sind absoluter, das heisst, sie halten sich kurz und sagen: «Nehmen sie diesen Wein!» Bei Frauen hingegen genügt dies nicht, dort wird gefragt: «Wieso? Oder was haben sie sonst noch?» 

Was schätzt du besonders an deinem Job?

Ich befasse mich mit einem Thema, das mir unendlich viel Spass macht. Wein hat mir die Tür in die ganze Welt geöffnet, in Länder und Regionen, die ich auf unzähligen Weinreisen kennen gelernt habe.

Der Variantenreichtum von Wein ist schier unendlich, in Kombination mit Essen immer wieder aufs Neue spannend. Zudem berührt Wein auch noch ganz viele andere Bereiche, wie Natur und Vegetation, Biochemie, Historie, Geographie, Marketing und vieles mehr. Und: ich gelange sehr einfach mit Menschen ins Gespräch.  

Welche Vor- und Nachteile siehst du? 

Der Vor- und Nachteil ist: man hat nie ausgelernt. 

Zum Beispiel? 

Oft gibt es neue Weine zu entdecken von jungen Weingütern, teils aus Regionen, die weniger bekannt sind. Hinzu kommen die neuen Jahrgänge, neue Rebsorten oder alte Traubensorten, die wiederentdeckt werden. Dies ist einerseits sehr spannend, weil die Reise immer weiter geht. Andererseits auch manchmal frustrierend, weil man genau weiss, niemals auf dem absoluten Stand der Dinge zu sein.  

Die Arbeit in der Gastronomie hat mir immer viel Freude bereitet, sie verlangt aber auch einiges ab, denn sie ist extrem zeitintensiv.

Vervollständige diesen Satz: «Mein Job ist unverzichtbar, weil … ?

… eine gute Sommelière auch Biertrinker beraten kann.»

Du meinst als Sommelière kannst du auch Biertrinker beraten, welches Bier zu welchem Menü gut passt? 

Das heisst, als Sommelière reduziere ich mich nicht ausschliesslich auf Wein sondern kann mit Leidenschaft zu diversen Getränken auch eine passende Bierempfehlung abgeben.

Bild: Lidwina Weh
Sie ist überzeugt, den für sie besten Beruf gewählt zu haben.

Wenn du nicht Sommelière wärst, was wärst du dann?

Käserin, Winzer-in Teehändlerin, Senfmacherin, Hüttenwirtin oder einfach Gastgeberin.

Was war die beste Entscheidung in deiner beruflichen Laufbahn?

Die Ausbildung zum Weinakademiker zu absolvieren. Neben der hervorragenden Ausbildung habe ich dort auch meinen Mann kennen gelernt.

Als Sommelière befasse ich mich hauptberuflich mit Dingen, die andere als Hobby haben. Das macht mir an meinem Job am meisten Spass.
Lidwina Weh, Weinschulleiterin

Was war dein Traumberuf als Kind?

Ich wollte in die Welt hinaus – daher hab ich die Ausbildung in der Gastronomie gemacht. So bin ich dann zum Wein gekommen. 

Kannst du uns ein Highlight verraten? 

In Dubai hat ein Gast von mir den 1982er Château Latour (der kostet heute weit über 1000 CHF) mit 7up (Zitronenlimo) versüsst! 

Was ist dir in diesem Moment durch den Kopf gegangen? 

Man hofft im ersten Augenblick etwas Verkehrtes beobachtet zu haben. Tief durchatmen, gelassen bleiben und lächeln – auch wenn’s manchmal schwer fällt. 

Ist dir Wein nach all diesen Jahren verleidet oder trinkst du ihn auch in der Freizeit noch gerne? 

Selbstverständlich trinke ich auch in der Freizeit sehr gerne Wein. Aber im gesunden Mass – und das ist wichtig. Nach wie vor ist für mich der Variantenreichtum absolut reizvoll. Eine wichtige Erfahrung war für mich aber auch die Schwangerschaft und Stillzeit – also es geht auch ohne. Doch ‚mit‘ ist es einfach etwas genüsslicher.

Interessieren auch Sie sich für den Beruf der Sommelière oder haben Sie gar eine vergleichbare Ausbildung gemacht? Teilen Sie mit uns Ihre Erfahrungen in der Kommentarspalte.

XING Schweiz
XING Schweiz

Netzwerken. Inspirieren. Austauschen.

Erfolgsgeheimnisse und Einblicke in die Karrieren von XING Mitgliedern in der Schweiz