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Dr. Nico Rose

Dr. Nico Rose

for Positive Psychologie, Führung, Sinnstiftung

10 Missverständnisse rund um das Thema Purpose und sinnerfüllte Arbeit

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Mehr und mehr gewinnorientierte Unternehmen erkennen in den letzten Jahren, dass sie ihren Mitarbeitenden im Sinne einer nachhaltig motivationsförderlichen Arbeitsumgebung mehr bieten müssen als nur ein attraktives monetäres Gehalt. Gemäß klassisch-betriebswirtschaftlicher Logiken führt dies dazu, dass das Sinn-Erleben der Belegschaften vermehrt "gemanaged" werden soll. Dabei geht so einiges schief. Dieser Beitrag listet zehn Punkte rund um das Thema Sinn-Erleben in der Arbeitswelt auf, die häufig missverstanden werden. Eine detaillierte Auseinandersetzung bietet das achte Kapitel in meinem gerade erschienenen Buch. Das Kapitel kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.

Individuelle Ebene

1. Sinn-Erleben ist eine individuelle, vom Menschen konstruierte Erfahrung. Trotzdem kann man es valide messen und allgemeingültige „Treiber“ oder „Zutaten“ identifizieren, die bei den meisten Menschen dazu führen, dass sich die Sinn-Erfahrung intensiviert. *

2. Sinn-Erleben (in der Arbeit) ist nicht einfach nur „nice-to-have“. Den meisten Menschen ist diese Form des psychologischen Einkommens so wichtig, dass sie bereit wären, einen signifikanten Teil ihres monetären Einkommens dafür zu opfern.

3. Sinn-Erfahrung ist kein Eins-Null-Phänomen. Es schwankt mit dem aktuellen Erleben. Zudem ist ein wichtiges Element die Einordnung der eigenen Erfahrungen in der Vergangenheit. Sinn-Erleben entsteht folglich maßgeblich in der Retrospektive (Kohärenz-Gefühl).

4. Menschen haben nicht nur einen Purpose. Sinn-Erleben speist sich aus vielen verschiedenen Quellen. Eine gute Übersicht gibt es bei Tatjana Schnell von der Universität Innsbruck.

5. Es ist wenig erfolgversprechend, Sinn-Erleben ausschließlich bei und für sich zu suchen. Es handelt sich um ein dezidiert soziales Phänomen. Sinn erfahren wir vor allem mit und vor allem im Dienst anderer Menschen.

Organisationale Ebene

6. Unternehmen schmeißen kommunikativ häufig die Konzepte Mission, Vision, Purpose, Unternehmenswerte usw. durcheinander. Eine gute Abgrenzung findet sich hier.

7. Nicht jedes Unternehmen kann glaubwürdig von sich behaupten, die Welt zu retten. Wenn dem nicht so ist, sollte man auch nicht kommunikativ so tun als ob. Das geht ausnahmslos (irgendwann) nach hinten los: Mitarbeiter werden zynisch, Kunden wenden sich ab. **

8. Wenn Unternehmen versuchen, einen einheitlichen, allgemeingültigen „Sense of Purpose“ zu entdecken/beschreiben, ist dieses Vorhaben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt. Siehe nächster Punkt.

9. So, wie es keine allgemeingültige Unternehmenskultur geben kann, weil Menschen immer ein lokales Mikro-Klima generieren, kreieren Menschen und Gruppen auch einen lokalen Mikro-Purpose. Das Top-Management sollte dies unterstützen („Bring Your Own Purpose“), anstatt zu versuchen, allgemeingültige Botschaften zu definieren.

10. Feelgood-Management kann das Sinn-Erleben der Mitarbeiter unterstützen, mitunter aber auch vermindern. Wie oben angedeutet, entsteht Sinn-Erfahrung zu wesentlichen Teilen in der Rückschau, insbesondere auch nach der Bewältigung von Krisen. In diesem Sinne sollte man Menschen ihre Krisen „gönnen“, anstatt alles immer möglichst angenehm gestalten zu wollen.

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Dr. Nico Rose ist "der Sinnput-Geber". Sein aktuelles Buch Arbeit besser machen ist gerade bei Haufe erschienen.

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* Als Psychologe nehme ich eine empirische Position ein. Mir geht es hier nicht um den allumfassenden Sinn des Lebens (bzw. der Arbeit), sondern Sinn im Leben (bzw. der Arbeit). Wir gehen von der Beoachbachtung aus, dass Menschen nachweislich mehr oder weniger Sinn empfinden können und versuchen die Treiber dieser Unterschiede herauszuarbeiten.

** Jedes Unternehmen, welches erfolgreich am Markt bestehen kann, hat (oder besser: erfüllt) einen Zweck: es befriedigt Kundenbedürfnisse. Gemeint ist hier die Beobachtung, dass viele Unternehmen in jüngster Zeit versuchen, diesen "profanen" Zweck kommunikativ zu überhöhen, also als "höheren Zweck" darzustellen.

About the author

Dr. Nico Rose
Dr. Nico Rose

Hochschullehrer, International School of Management

for Positive Psychologie, Führung, Sinnstiftung

Nico Rose ist der Sinnput-Geber. Aktuelles Buch: „Arbeit besser machen“. Laut Harvard Business Manager "einer der führenden Experten für Positive Psychologie in Deutschland“. Verheiratet, zwei Kinder. Heavy-Metal-Fan und Katzenfreund. Mitglied im FDP Wirtschaftsforum.
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