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Frank Stratmann

Frank Stratmann

für Gesundheitsbeziehungen

12 Punkte zur Digitalisierung des Gesundheitswesens

Ausschnitt Deckblatt der 12-Punkte-Strategie der CDU

In dieser Woche legte der Bundesfachausschuss Gesundheit und Pflege der CDU gemeinsam mit dem Netzwerk Digitalisierung einen 12-Punkte Plan als gemeinsamen Beschluss für ein digitalisiertes Gesundheitswesen vor. Ein wichtiges Signal für die Bevölkerung vor der Bundestagswahl 2017. Denn die Digitalisierung ist schon lange im Gesundheitswesen angekommen, kommt bei den rund 70 Millionen gesetzlich versicherten Menschen in diesem Land aber noch nicht an. Auch weil jegliche Vorstellung fehlt, wie sich das auf die individuelle Situation auswirkt.

Ich habe mir die 12 Punkte genauer angeschaut und möchte auf den einen oder anderen Aspekt eingehen. Eingangs erläutert die CDU, was mit Digitalisierung des Gesundheitswesen gemeint ist. Das Dokument wird als Ergänzung zum Anfang 2016 in Kraft getretenen E-Health-Gesetz vorgelegt und zielt auf mittel- und langfristige Ziele, ohne jedoch konkrete Handlungsperspektiven zu benennen. 

Im Papier heißt es einleitend: Digitalisierung heißt Vernetzung. Digitalisierung heißt bessere medizinische Versorgung und Digitalisierung heißt neue Therapiemöglichkeiten. Diese drei Säulen bricht das Strategiepapier auf 11 Seiten herunter.

Kommentar zu den 12 Punkten der CDU zur Digitalisierung des Gesundheitswesens im Einzelnen

  1. Mit E-Health soll der Weg zum selbstbestimmten Patienten geebnet werden. Der Patient soll künftig im Rahmen seines informationellen Selbstbestimmungsrechts über das Internet auf seine Gesundheitsdaten zugreifen können.
  2. Mithilfe von seriösem, objektiven und wissenschaflitchem Wissen soll die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gestärkt werden. Hier verweist das Papier auf die Plattform gesundheitsinformation.de des IQWIG, lässt aber offen, wie sich objektive Projekte innerhalb eines vernetzten (Halb-)Wissens durchsetzen könnten. Patienten suchen in der Regel einfache Wege, um eine individuelle Therapieentscheidung zu treffen. Und alternative Fakten zum Gesundheitsgeschehen sind stets zur Hand. Die Vermarktung einer einzelnen Plattform müsste sich in seiner Glaubwürdigkeit und seiner Wirkung an Modellen wie der Stiftung Warentest orientieren. Der Erwerb von Gesundheitskompetenz ist aber kein Produkt, sondern ein Prozess. Es müsste also über die reine Bereitstellung von Informationen hinausgehen. Für bestimmte, chronische Krankheiten sollte daher an echte Bildungsprogramme gedacht werden. Als Verweis für diesen Punkt möchte ich auf die Seite des Nationalen Aktionsplans zur Förderung der Gesundheitskompetenz aufmerksam machen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ist Schirmherr der Initiative, die an der Universität Bielefeld angesiedelt wurde.
  3. Die CDU möchte die Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen langfristig ermöglichen. Warum langfristig? In den letzten 15 Jahren wurde bereits viel Zeit verschenkt, einen vernetzten, sicheren und schnellen Datentransfer zu ermöglichen. In den nächsten 15 Jahren wird sich entscheiden, ob wir die hohe Versorgungsqualität im deutschen Gesundheitswesen halten, verlieren oder mithilfe datengestützter Medizin weiter steigern können. Sektoren müssen zusammenwachsen und wie das Papier zurecht bemerkt: Der Bereich Pflege soll Anschluss findet an die gerade entstehende Telematikinfrastruktur.
  4. Der wichtigste Anspruch, die digitale Vernetzung medizinischer Versorgung in der Fläche zu bringen, kann in einem Satz zusammengefasst werden. Der findet sich auch in dem Papier. Nicht die Patienten müssen sich auf den Weg machen, sondern ihre Daten. Gerade in ländlichen Regionen leistet die Telemedizin eine wertvolle Hilfestellung. Das steigert die Lebensqualität von Betroffenen immens und gibt Sicherheit.
  5. Die Politik entdeckt den Markt für Gesundheitsapps. Vor einigen Wochen traf sie bereits die "Die Grünen im Bundestag" in Berlin, um über Standards von Gesundheitsapps zu diskutieren und die Frage nach einem Qualitätssiegel aufzuwerfen. Bei mehr als 100.000 Apps erhebt auch die CDU den Anspruch, sinnvolle, medizinische Apps, als Medizinprodukt zu zertifizieren. Das erinnert an den Nutzennachweis bei Medikamenten, birgt aber einige Besonderheiten. Diesen Besonderheiten nimmt sich seit dem Jahre 2015 der Bundesverband Internetmedizin e.V. an. Der Verband bietet das Siegel Qualitätsprodukt Internetmedizin für Gesundheitsapps an, das sich in seinen Anforderungen die Vorgaben des Medizinproduktegesetzes für eine CE-Zertifizierung der Risikoklasse 1 orientiert. Außerdem können für die internationale Ausrichtung einer Gesundheitsapp FDA Kriterien erfüllt werden. Besonderes Augenmerk legt das Siegel auf Aspekte des Datenschutzes. Unternehmen, die eine Gesundheitsapp auf den Markt bringen, werden beratend begleitet. Nicht nur die App, sondern alle sich daraus ergebenen Zusammenhänge werden auditiert. Danach erhält das Unternehmen das Siegel und die Option, sich als Medizinprodukt registrieren zu lassen.
  6. Der 12-Punkte-Plan und damit die Gesundheitspolitik erkennt die wichtige Rolle innovativer Startup-Unternehmen, die Lösungen für den deutschen Gesundheitsmarkt entwickeln. Das Gesundheitssystem wird sich nicht aus sich selbst heraus mit Innovationen versorgen können. So deutet das auch die CDU an. Daher brauche es eine Gründerkultur. Die Förderung dieser Unternehmen soll durch einen einfacheren Zugang über Beteiligungsfinanzierungen oder Steuervergünstigungen erfolgen. Zugleich will man den Dialog zwischen traditionellen Kräften und der Gründerszene für die digitale Gesundheit politisch begleiten. 
  7. Der unter Punkt 5 bereits genannte Datenschutz wird im Kontext einer in Deutschland entstehenden, weltweit einmaligen und sicheren Datenautobahn für das Gesundheitswesen bewertet. Involviert werden soll das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die Telematikinfrastruktur wird als kritisch im Sinne eines besonderen Schutzes gesehen, der sich unter Einbeziehung der IT-Industrie gemeinsame Standards und Prüfkriterien gibt. 
  8. Big Data soll enger an eine leitliniengerechte Versorgung heranrücken. Erkenntnisse aus großen Datenmengen sollen dem Einzelnen vor Ort in der Arztpraxis nutzenstiftend zugänglich gemacht werden. Insbesondere Forschungsdaten sollen mit Daten aus der Routineversorgung intelligent verknüpft werden können, um hieraus wertvolle Erkenntnisse für neue Therapie-Verfahren zu gewinnen. Angemahnt wird hier auch noch einmal die Überwindung länderspezifischer Datenschutzregeln, die der standortübergreifenden Forschung heute noch im Weg stehen.
  9. Mit dem Wort Interoperabilität können wohl die wenigsten Patienten etwas anfangen. Deshalb ist es gut, dass die 12-Punkte-Strategie deutlich macht, dass bisher Systeme nicht darauf ausgelegt seien, miteinander in einer für alle IT-Systeme verständlichen Form Informationen auszutauschen. Das soll sich unter Berücksichtigung internationaler Standards verbessern. Der Aufbau eines Interoperabilitätsverzeichnisses wird begrüßt und soll unterstützt werden.
  10. In den letzten Jahrzehnten hat der Computer die Wertschöpfung in der Regelversorgung in Praxen und Krankenhäusern zwar vereinfacht, aber auch bürokratisch überlastet. Mit einer Frist von 5 Jahren möchte die CDU den bürokratischen Aufwand im Gesundheitswesen senken. Hier lässt sie offen, inwieweit auf künstliche Intelligenz oder andere Automatisierung der Datenverarbeitung gesetzt werden soll. Lediglich die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises wird angeführt. Diese Funtion wird aktuell nur von 5% der aktuell 35 Millionen Ausweisinhabern genutzt. Ziel der Entbürokratisierung ist eine deutliche Senkung der Kosten und Administrationsaufwände im Gesundheitssystem.
  11. Im internationalen Wettbewerb sieht die CDU einen Beitrag Deutschlands für die Entwicklung einer globalen Informations- und Kommunikationstechnologie für Gesundheitsfragen. Damit greift das Papier latent auch einen wirtschaftsfördernden Aspekt auf. Die Gesundheits-IKT ist hier ein globaler Faktor. Während es in westlich-orientierten Staaten um die Digitalisierung hochentwickelter Gesundheitssysteme gehe, sollen Entwicklungsländer gleichermaßen von einem sich auch dort rasant entwickelten Zugang zu Technologien z.B. zu Mobiltelefonen profitieren.
  12. Es gibt zu wenig Evidenz für sich aufdrängende Fragestellungen zur Gestaltung digitaler Gesundheit. Ethische Herausforderungen, die uns Fragen nach Verantwortung und Chancen stellen, möchte die CDU aus einer verantwortungsvollen Mitte heraus moderieren, Versicherte sollen vor Diskriminierung geschützt und die Gesundheitskompetenz für ein Leben in der digitalen Gesellschaft gestärkt werden.

Für die CDU sind diese 12 Punkte für ein digitalisiertes Gesundheitswesen Grundlage für eine künftig weiter auszubauende E-Health-Strategie in Deutschland. Wer das Papier im Original studieren möchte, findet das auf den Seiten von CDU.de

Wie ist Ihre Meinung als Patient oder fachlich Beteiligter? Was formuliert die CDU hier und welche Bedeutung hat die digitale Gesundheit für Sie persönlich. Freue mich auf den Austausch dazu.

Über den Autor

Frank Stratmann
Frank Stratmann

Mentor, Personal Digital Officer, Health Marketing Enthusiast & Blog-Essayist, betablogr.de

für Gesundheitsbeziehungen

Meine Überlegungen drehen sich um die digitale Transformation von Gesundheitsbeziehungen. Nach meiner Einschätzung verändert die Digitalisierung die Verhältnisse, in denen Gesundheit gelingt. Verändern sich die Verhältnisse, wandeln sich die Beziehungen.
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