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Barbara Simonsen MBA

Barbara Simonsen MBA

für kompetente Führung & stimmige Karriere

Adieu! Mit Würde die Berufszeit loslassen

©Focus Pocus LTD / Fotolia

Von den einen wird er herbeigesehnt, von den anderen gedanklich verdrängt: der Abschied aus dem Erwerbsalltag und der Eintritt in den Ruhestand - beziehungsweise in einen neuen, dritten Lebensabschnitt.

Die einen müssen sich vorzeitig von der bisherigen Berufstätigkeit verabschieden, sei es wegen Krankheit, sei es, weil ihnen in fortgeschrittenem (aber noch jungem) Alter gekündigt wurde und sie anschließend nicht mehr die Möglichkeit erhalten, ein für sie befriedigendes Beschäftigungsverhältnis aufzunehmen.

Für andere kommt der Austritt aus dem Berufsleben zur Unzeit, da sie trotz Renteneintritt in geringerem Umfang weiterhin im Berufsleben stehen möchten.

Wann beginnt der dritte Lebensabschnitt?

Beginnt dieser mit 55 Jahren, weil man selbstbestimmt einen Neuanfang ohne berufliche Zwänge  wagen will?

Oder beginnt er mit 67, wenn die Altersrente überwiesen wird?

Oder erst mit 70, wenn man entscheidet, sich nur noch um die Enkel und das Ehrenamt kümmern zu wollen?

Allgemeingültige Antworten gibt es - leider - nicht!  Jeder und jede von uns muss hier eine eigene Antwort finden. Denn der Eintritt in einen neuen, dritten Lebensabschnitt, ist ein dynamischer Prozess, der mit unterschiedlichen, persönlichen Vorstellungen verknüpft ist.

Und längst nicht immer ist das offizielle Renteneintrittsalter auch ein Datum, ab welchem der Begriff „Ruhestand“ zutreffend wäre. Gerade die älter werdende Babyboomergeneration verbindet mit diesem neuen Zeitabschnitt hohe Erwartungen an ein sinnerfüllendes Leben voller Aktivitäten.

Kennzeichen des neuen Lebensabschnitts

Woran erkennt man den Übergang in den neuen Lebensabschnitt? Vielleicht daran, dass man sich als „junger Älterer“ bezeichnet?

Auf jeden Fall verändert sich etwas: Es ist der Fokus auf die berufliche Tätigkeit, der schwächer wird oder ganz in den Hintergrund tritt. Es sind die Maßstäbe und Kriterien für den Wert und die Erfüllung des Lebens, die sich verschieben.

Häufig ist dies am Satz zu erkennen: „Ich muss nicht mehr.“ - Ich muss nicht mehr, Karriere machen. Ich muss mich nicht mehr behaupten und beweisen. Ich kann meine Zeit, mein Leben, nach dem richten, was ich wirklich will und was mir Freude bringt. Ich bin nicht mehr unter Druck und Zwang. Ich spüre Freiheit.

Hindernisse auf dem Weg zur Zufriedenheit im neuen Lebensabschnitt

Ob es gelingt, die neue Lebensspanne mit Zuversicht und zur persönlichen Zufriedenheit zu gestalten, hängt in großem Maß davon ab, wie die bisherige Lebensphase, die Phase der Berufstätigkeit, nach eigenem Empfinden eingeschätzt wird.

Die größten Hindernisse, den neuen Zeitabschnitt positiv und aktiv anzupacken, entstehen, …

  • wenn durch ein unfreiwilliges und zu frühes Ausscheiden aus dem Job, Anklage und Verbitterung Überhand nehmen.
  • wenn Ärger oder Hilflosigkeit sich unter dem persönlichen Eindruck verfestigen, das Berufsleben sei noch nicht abgeschlossen.
  • wenn die letzten Berufsjahre aufgrund schwieriger Arbeitsbedingungen als frustrierend wahrgenommen werden.
  • wenn die Verabschiedung aus dem Arbeitsleben als würdelose Abwicklung empfunden wird.
  • wenn die berufliche Lebensphase insgesamt als nicht befriedigend bewertet wird.

Abschied und Neubeginn

Wichtig für den Beginn einer neuen, dritten Lebensspanne ist das würdevolle Verabschieden des Bisherigen: der Berufsphase.

Der Groll über die letzten Berufsjahre, über die Kollegen, den Chef oder den Arbeitgeber, über die Entlassung mag für alle verständlich und nachvollziehbar sein. Trotzdem würden Ausdrucksformen wie „Nachtreten“, Illoyalitäten, Racheakte, öffentliches „Schmutzige-Wäsche-Waschen“ eine solch negative Bürde anhäufen, dass die neue Zeitspanne, zum Beispiel der Ruhestand, noch jahrelang nicht genossen werden könnte.

Hilfreicher ist es, den Ärger durch Sport, durch Aktivitäten in der Natur, durch Tagebuchschreiben, durch die Reflexion mit einem Sparringspartner oder Ähnlichem mehr zu verarbeiten.

Förderlich ist insbesondere:

  • Sich selber Anerkennung für das zu geben, was geleistet und für ein gutes Leben beigetragen worden ist. Sicher gab es nebst schwierigen Zeiten auch gute Erlebnisse. Schreiben Sie diese auf!
  • Sich trennen von Berufsunterlagen, fachlicher Literatur etc.: Bringen Sie Unnützes zum Müll und verarbeiten Sie Wichtiges zu einem neuen Werk, zum Beispiel zu einem Buch oder einem Fotoalbum.
  • Einen symbolisch guten Abschluss für das Berufsleben gestalten: Gehen Sie zum Beispiel bewusst auf eine Wanderung – mit einem speziellen Höhepunkt; halten Sie dies in Fotos oder Video fest.
  • Sich von anderen würdigen lassen: Laden Sie zu einem Abschiedsfest ein und erlauben Sie Ihren Kollegen, Partnern etc., eine Laudatio auf Sie zu halten.
  • Und sobald Sie Zeit finden: Halten Sie einen Lebensrückblick auf das bisherige Leben. Schreiben Sie Ihre Erinnerungen auf oder lassen Sie sie aufschreiben, in dem Sie sie jemandem erzählen. Es gibt Ihnen die Chance, sich mit Ihrer (Berufs-)Biografie zu versöhnen. Sie werden erkennen: Manches hätte sich rückwirkend anders und besser lösen lassen. Aber in jenem Moment war es nicht möglich. Das gilt es zu akzeptieren.

Verabschieden Sie sich also mit Großmut und Würde von Ihrem bisherigen Arbeitsleben; nehmen Sie den Übergang bewusst wahr, auch die Unsicherheit, die darin liegt und formen Sie den neuen Lebensabschnitt mit Zuversicht - zu Ihrer persönlichen Zufriedenheit.

Über den Autor

Barbara Simonsen MBA
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Führung & Karriere: Karriereeinstieg, Karriereplanung, Übergang in Ruhestand, www.simonsen-management.de

für kompetente Führung & stimmige Karriere

Ich unterstütze Sie als Coach & Beraterin, schwierige Situationen und Übergänge zu meistern: Einstieg in die Karriere, schwierige Führungssituationen, Entwicklung der Berufslaufbahn, Übergang in den Ruhestand. Zudem bin ich Moderatorin für große Anlässe mit Zukunftswerkstatt, World Café, OpenSpace.
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