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Dr. Bernd Slaghuis

Dr. Bernd Slaghuis

für Karriere, Bewerbung und Führung

Arbeit ist ein Ponyhof

Bild: 123rf.com

Wer sagt eigentlich, dass Arbeit immer schwer und anstrengend sein muss? Angenommen, sie würde sogar Freude bereiten, wäre das nicht großartig? Vier Impulse, wie Sie auch Ihre Arbeit zum „Ponyhof" machen können.

"... Die Deutschen sind unzufrieden in ihren Jobs, viele haben bereits innerlich gekündigt. Jeder Dritte ist auf dem Absprung zu einem neuen Arbeitgeber. Die Digitalisierung wird viele Arbeitsplätze vernichten. Arbeit stresst, langweilt, frustriert, macht krank. Arbeiten, um zu leben? – Klar, das Leben ist schließlich kein Ponyhof! ..."

Das alles kennen Sie, denn täglich lesen und sehen wir, was Arbeit mit Menschen anrichtet und was Menschen auch mit Arbeit anrichten. Die Schwere, die Arbeit innewohnt, wird gefühlt mit fortschreitender Industrialisierung und Digitalisierung immer mächtiger. Wohin steuert eine Gesellschaft und Volkswirtschaft, die Arbeit vor allem mit Krankheit, Risiken und Schwere besetzt?

Ach was! Wer sagt eigentlich, dass Arbeit schwer sein muss? Haben Sie Lust, Ihren Blick auf Arbeit zu verändern? Hier sind 4 Impulse, die womöglich aus Ihrer Arbeit auch einen „Ponyhof“ machen:

1. Mistarbeit ist Dünger für Neues

Täglich Wiederkehrendes und wortwörtliche Mistarbeit gehören auf jedem guten Ponyhof dazu. Langweilig Ödes ohne intellektuelle Herausforderung, Routinearbeit, Lästiges. Stellen Sie sich vor, Ihr Arbeitsalltag bestünde zu 100 Prozent aus neuen Herausforderungen, wäre das nicht schrecklich? Viele Angestellte präferieren von mir gefragt nach dem für sie idealen Verhältnis zwischen Abwechslung und Routine einen Wert von 60:40 zugunsten der Abwechslung.

Ein gewisses Maß an Routinen ist wichtig, denn sie geben uns das Gefühl von Sicherheit. Unser Gehirn schüttet Belohnungsstoffe aus, sobald wir routiniert handeln. Mir persönlich kommen die besten Ideen, während ich Routineaufgaben erledige. Nutzen Sie Routinen wie den täglichen Mist vom Ponyhof bewusst als guten Dünger für Neues statt als langweiliges Abfallprodukt Ihres Jobs.

2. Verantwortung übernehmen ist Arbeit erleben

Kinder lernen auf einem Ponyhof, Verantwortung im Team zu übernehmen – und vielen von ihnen macht es große Freude. Blicke ich heute in Teams oder Projekte, so scheint die Übernahme von Verantwortung mehr Last als Freude zu sein. Denn im Beruf verbinden sie viele Angestellte mit zusätzlicher Arbeit und Bestrafung bei Fehlern. 70 Prozent der Mitarbeiter machen nur noch Dienst nach Vorschrift, so das Ergebnis der letzten Gallup-Studie.

In meinen Coachings wünschen sich viele in ihren Jobs frustrierte Arbeitnehmer mehr Entscheidungsfreiheit für Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit, stärker eigenverantwortlich Dinge zu bewegen. Sie möchten ihre Arbeit positiv spüren und so Sinn erleben. 

Wer sich bewusst entscheidet, wirklich die Verantwortung für das eigene Denken und Handeln sowie etwa für die gemeinsamen Ziele des Teams oder sein Engagement in Projekten zu übernehmen, der wird schnell bemerken, wie bereichernd es ist, als Chef des eigenen Lebens und Teil einer Gemeinschaft Arbeit zu erleben.

3. Zügel in die Hand nehmen bringt Ihr Leben auf Trab

Manche Arbeitnehmer sitzen über Jahre, manchmal Jahrzehnte bis zur erlösenden Rente Arbeit ab und aus. Sie sind zu Zuschauern einer Aufführung geworden, die sie längst nicht mehr interessiert. Die Schuld geben sie ihren unfähigen Chefs, den fiesen Kollegen oder der Politik. Dabei bemerken sie nicht, dass sie selbst das Pferd sind, das lahmt.

Viele haben so gelähmt in ihren Berufen vollends das Gefühl dafür verloren, was sie selbst alles verändern können, um ihrer Arbeit neuen Schwung zu geben und sich persönlich und fachlich fortzuentwickeln. Ob durch Weiterbildung, die Übernahme von interessanten neuen Aufgaben oder die Weitergabe von Wissen an nachfolgende Generationen. 

Es ist Ihre Entscheidung, gelähmt die selbst gewählte Rolle als Opfer der Umstände zu genießen oder Ihre Arbeit zu nutzen, um sich weiter zu entwickeln und das eigene Leben auf Trab zu bringen.

4. Ihre Haltung macht Arbeit zum Ponyhof

Wer schon einmal auf einem Pferd gesessen hat, der weiß, wie wichtig Haltung und Körperspannung sind. Sie ahnen es bereits: Auch Arbeit kann erst dann zum Ponyhof werden, wenn Ihre Haltung stimmt. 

Eine Haltung, die geprägt wird durch Offenheit und echte Neugierde, Wertschätzung und Respekt, Selbstverantwortung und eigene Klarheit darüber, was Ihnen im Beruf und auch im Leben heute und in Zukunft wirklich wichtig ist. So darf Arbeit Freude machen und kann auch leicht sein.

Ich wünsche Ihnen viel Freude auf Ihrem „Ponyhof“ Arbeit. 

Über den Autor

Dr. Bernd Slaghuis
Dr. Bernd Slaghuis

Karriere- und Business-Coach, www.bernd-slaghuis.de

für Karriere, Bewerbung und Führung

Dr. Bernd Slaghuis steht für eine neue Sicht auf Karriere, Bewerbung auf Augenhöhe und Führung mit gesunder Haltung. Er ist WELT-Kolumnist, Autor und Redner, sein Blog "Perspektivwechsel" ist einer der meistgelesenen deutschen Karriere-Blogs. Er arbeitet als Karriere- und Business-Coach in Köln.
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