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Hermann Wala

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Aus MyTaxi wird Free Now: 3 Gründe, wieso die Kritik am Rebranding überzogen ist

Quelle: www.free-now.com
Die MyTaxi-App heißt jetzt Free Now

Die App MyTaxi heißt ab jetzt Free Now – und das schlägt hohe Wellen. Taxi-Fahrer reagieren verunsichert, das erste Feedback aus der Presse ist vernichtend. Erleben wir ein Rebranding-Desaster? Eher nicht. Wieso der neue Markenname Sinn macht und die Kritik überzogen ist.

Daimler und BMW rüsten sich gegen die privaten Fahrdienste Uber und Lyft und erweitern ihr Joint-Venture mit weiteren Angeboten. Auf der ehemaligen Taxi-App MyTaxi sollen zukünftig auch Mietwagen mit Fahrer und E-Scooter buchbar sein. Ehemalig, weil die Marke MyTaxi seit Anfang Juli Geschichte ist. Die laut Eigenaussage – erfolgreichste – Taxi-App Europas heißt im Zuge der Angebotserweiterung jetzt Free Now und glänzt in rot und blau, statt in taxi-gelb. Ein umfassendes Rebranding, das für Furore sorgt.

Für Sebastian Matthes – Head of Digital beim Handelsblatt – ist es der Beweis, dass man Marketingexperten "nicht zu viel nachdenken lassen" sollte. Er bezeichnet die Namensänderung der Taxi-App als "merkwürdigste Entscheidung der Marketinggeschichte". Sein zentraler Vorwurf: "Durch die Umbenennung wird nicht nur ein etablierter und greifbarer Name durch zwei inhaltsleere Anglizismen ersetzt. Die neue Marke führt zudem in die Irre." Drei Gründe, wieso die Kritik überzogen ist.

Die App MyTaxi heißt jetzt Free Now. Das beweist: Marketingexperten sollte man nicht zu viel nachdenken lassen.
Sebastian Matthes, Head of Digital beim Handelsblatt, in einem Online-Kommentar

Grund 1: Free Now verdeutlicht den Anspruch von BMW und Daimler

Vorab: Weder "free" noch "now" sind Anglizismen, sondern in erster Linie ganz normale Fremdwörter. Unter Anglizismus oder im Volksmund "Denglisch" versteht man eine Übernahme oder Entlehnung aus der englischen Sprache ins Deutsche. Barkeeper, Brunch, Sandwich oder Mobbing sind klassische Anglizismen. Bei Free Now verhält es sich eher wie bei der Berufsbezeichnung "Head of Digital" – sicherlich würde man auch einen passenden deutschen Berufstitel oder Markennamen finden, aber schließlich gibt es gute Gründe, wieso Unternehmen englische Wörter verwenden.

Im Falle von Free Now ist dieser Grund offensichtlich: Die Rebranding-Kampagne, die von der Agentur Interone federführend geleitet wird, wird über Online- und Offline-Kanäle in mehr als 70 europäischen Städten ausgespielt. Einfach ausgedrückt: Free Now ist nicht nur auf Deutschland beschränkt. Ein international verständlicher Markenname in Zeiten der Globalisierung ist alternativlos. Zugegeben, "MyTaxi" erfüllte diesen Anspruch auch – aber wird dem Geschäftsmodell nicht mehr gerecht.

Grund 2: Free Now trifft die Geschäftsidee und weckt positive Emotionen

Taxi-Fahrten sollen nur noch ein Teil des Mobilitätsangebotes sein. Was wäre also die Alternative zu einer Namensänderung gewesen? Dem Kunden erklären, dass er neben Taxi-Fahrten nun auch Elektro-Roller und kostengünstigere Privatfahrer (wie bei Uber) buchen kann? Möglich, aber eher unpraktisch und irreführend - zu groß sind die Änderungen, zu spezifisch war der alte Name.

Verfügbarkeit statt Besitz, Flexibilität statt Status, Nachhaltigkeit statt Verschwendung – Free Now ist die logische Antwort von Daimler und BMW auf die Wünsche und Bedürfnisse der jungen Zielgruppe. Alexander Mönch, Deutschlandchef von Free Now, spricht vielsagend von einem "neuen Service für eine preissensible Zielgruppe". Das Taxi-Branding alleine passt da einfach nicht mehr.

Zugegeben, hinter Free Now kann auf den ersten Blick vieles stecken, der Name ist weit gefasst – es ist nicht sichergestellt, dass ein potenzieller Kunde beim ersten Hören sofort an eine Mobilitätsapp denkt, dennoch trifft der neue Name den Kern der Geschäftsidee und weckt ein positives Gefühl. Free Now klingt nach Freiheit.

Grund 3: Free Now wird Teil der Zukunft

Mit dem Namenswechsel gehört Free Now nun auch endgültig zur Daimler-BMW-Joint-Ventures-Reihe, zu der auch Reach Now, Charge Now, Park Now und Share Now gehören. Die beiden deutschen Autogiganten basteln also weiter fleißig an ihrer Komplettlösung für die Mobilität der Zukunft. Durch die namentliche Verdeutlichung der Verwandtschaft wird Free Now Teil dieser Zukunftsambitionen. Für den Kunden kann das nicht nur eine Orientierungshilfe sein – sondern der Grund zur Nutzung. Ich bin mit dem Carsharing-Dienst Share Now zufrieden? Wieso sollte ich dann nicht auch Free Now probieren? Für Daimler und BMW entstehen so völlig neue Kommunikationsmöglichkeiten.

Wie vielen Menschen wussten, dass "MyTaxi" überhaupt zu BMW und Daimler gehörte? Gut möglich, dass erst durch die Namensänderung bei vielen Nutzern ein Licht aufgeht. Und das wäre sicherlich positiv zu werten, schließlich gelten sowohl BMW als auch Daimler (trotz der Abgasskandale) zu weltweit anerkannten Marken.

Fazit: Free Now ist sicherlich keine Optimallösung. Aber eben auch keine schlechte. Die Frage ist eher, ob es überhaupt eine solche Optimallösung in diesem Fall geben kann? Der Markenname Free Now weckt positive Emotionen, trifft das Geschäftsmodell, passt in die Produktpalette und polarisiert.

Wie finden Sie den Namen? Hätten Sie auch einen neuen Namen gewählt? Und wenn ja, haben Sie eine bessere Idee?

Zum Autor

Hermann H. Wala ist Markencoach, Bestsellerautor und Brandingexperte. Nach führenden Positionen bei Saatchi & Saatchi, Ogilvy & Mather und Hubert Burda Media, gründete er die Beratungsagentur Wala Strategy & Brand Consultants. Darüber hinaus gibt Hermann H. Wala Seminare, Workshops und hält Vorträge zu Markenpositionierung und Markenstärkung. Seine Bücher haben sich insgesamt bereits über 80.000 Mal verkauft – darunter auch in China.

Einen kostenlosen Marken-Selbsttest, meine Video-Interviewsserie "Die 7 Fragen" und weitere meinungsstarke Artikel findest du auf meiner Content-Seite: www.ich-endlich-einzigartig.com

About the author

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Hermann Wala

Geschäftsführer, ATYOURSITE MARKETING KOMMUNIKATION GmbH

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Seit 25 Jahren im Marketing und in der Werbung tätig. Früher in führenden Positionen bei Ogilvy & Mather und Hubert Burda Media, heute als selbstständiger Unternehmensberater, Coach, Speaker und Bestsellerautor. Meine Kernthemen: Markenpositionierung, Markenstärkung und Personal Branding.
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