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Frank Behrendt

Frank Behrendt

for Gesundheit & Soziales, Job & Karriere, Wirtschaft & Management, Personalwesen

Beruflich habe ich nie auf meine Eltern gehört

Foto: Pixabay.com
Viele Gespräche mit meinem Dad, aber was den Job betraf, habe ich nie auf ihn gehört.

Wer mich kennt weiß, dass ich meine Eltern großartig finde. Sie haben mir eine wunderbare Kindheit beschert und mich verantwortungsvoll aufs Leben vorbereitet. Bei uns wurde immer viel diskutiert, es gab zu allen Lebensbereichen Impulse und für viele Dinge wertvolle Ratschläge. Nur in einem Feld habe ich nie auf meine Eltern gehört - und darüber bin ich extrem froh: Der Beruf.

Ich bin sicher, ich bin nicht die oder der einzige, für den ihre oder seine Eltern bestimmte Vorstellungen hatten, was sie einmal werden sollten. Meine Mutter hätte mich gerne als Diplomaten gesehen. Warum? Weil wir während unseres Aufenthaltes in Brasilien viel Kontakt mit Botschaftsangehörigen hatten und meine Mutter deren Job spannend fand. "In der Welt herumreisen und Brücken bauen, das ist doch was für dich", bekam ich des öfteren zu hören. Mein Vater, ein Lehrer, wollte zum Glück nicht, dass ich in seine Fußstapfen trete. Sein Vater war da anders, den Traumberuf meines Vaters - Architekt - fand er nicht passend, also studierte der Sohn wie er Lehramt. Mein Vater wurde ein guter Lehrer, der seine Schüler inspirierte und der sein ganzes Leben lang die Vermittlung von Bildung als etwas wunderbares empfand. Aber insgeheim ließ er oft durchblicken, dass er im nächsten Leben doch seinem Traum folgen würde. 

Immerhin hat er sich ein blaues Haus in Form eines Schiffes ausgedacht und es sich bauen lassen. Eine echte Herausforderung für alle Handwerker, denn das Haus hatte jede Menge Schrägen, kaum rechte Winkel und manche Fenster waren rund - Bullaugen eben. Mitte der 70er Jahre gab es keine Architektur-Software, es wurde noch per Hand gezeichnet und umgesetzt. Kaum noch vorstellbar heutzutage. Mein Vater spürte früh, dass ich ein Händchen für das Schreiben hatte. Das hat ihm gefallen und so legte er mir irgendwann eine Ausschreibung der Deutschen Journalistenschule in München auf den Schreibtisch. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurden die talentiertesten Nachwuchsjournalisten gesucht, die sich für eine Ausbildung an der renommierten Kaderschmiede bewerben durften. "Hilfe für Alte" lautete das Thema, ich habe die Aufgabe erfüllt und auch das spätere Assessment-Center überstanden. Mein Vater sah mich schon an jedem Sonntag als ehrbaren Journalisten im "Internationalen Frühschoppen" in der ARD parlieren, eine seiner Lieblingssendungen im TV. Ich wollte aber gar nicht Journalist werden, habe die Ausbildung nur gemacht, weil ich damals auch keine andere Idee hatte, was ich sonst hätte werden sollen. Winnetou war schließlich kein Berufsbild.

Diplomat der Brücken baut oder Journalist, der im Internationalen Frühschoppen auftritt
Die Berufsvorstellungen meiner Eltern für mich

Mein Onkel Hans, der Bruder meines Vaters, war Manager. Sehr erfolgreich verkaufte er für seine internationalen Arbeitgeber High-Tech-Röntgengeräte. Er führte ein Leben, das ich damals für sehr erstrebenswert hielt. Manager wollte ich fortan auch sein. Wo, war mir eigentlich egal, einen Firmenwagen und ein nettes Gehalt waren mir seinerzeit wichtiger. Ich sah eine Anzeige des Düsseldorfer Waschmittelherstellers Henkel und bewab mich als Redakteur in der Stabsstelle Unternehmenskommunikation. Erstes Vorstellungsgespräch und ich wurde direkt genommen. Bingo. Einen Firmenwagen bekam ich natürlich nicht, aber regelmäßig kostenfrei Persil-Packungen. Meine Mutter war begeistert. Henkel kannten meine Eltern und es war für sie klar, dass "der Junge"  jetzt beruflich bis zur Rente sicher war in diesem großartigen und soliden Traditionsunternehmen.

Ich fand es da auch nett und habe viel gelernt, aber nach einiger Zeit stellte ich fest, dass ich mit einer Beförderung so lange warten musste, bis mein Kollege in Rente ging. Und das dauerte nach meiner Rechnung locker mindestens 25 Jahre. Zu lange für mich, denn den per Ratenkauf erworbenen Ford Fiesta wollte ich schließlich nicht ewig fahren. Also schaute ich an einem Samstag in die FAZ. Nur eine Anzeige faszinierte mich: "Ungewöhnlicher Job für ungewöhnlichen Typen." Sie stammte von Stein Promotions, einer der führenden Verkaufsförderungsagenturen. Zwar hatte ich von dem Business überhaupt keine Ahnung, aber ein ungewöhnlicher Typ war ich schon, fand ich.

Foto: Pixabay.com
Ich hatte vom neuen Job keine Ahnung, aber Mut. Also bin ich gesprungen.

Der Job war ein absolutes Himmelfahrtskommando, denn die Position, die es zu besetzen galt, wurde nur deshalb frei, weil sich der Geschäftsführer der Düsseldorfer Agenturfiliale mit nahezu allen Mitarbeitern und Kunden in die Selbstständigkeit verabschiedet hatte. Eine Auszubildende und ein Finanzer waren noch da - und diverse Firmenwagen. Richtig schicke Audi Quattros. Ich war angekommen - ich hatte endlich einen Firmenwagen. Als ich meinen Eltern von der Kündigung bei Henkel und meinem neuen Job berichtete, sind sie fast in Ohnmacht gefallen. Sie hielten mich schlicht für komplett verrückt. Mein Vater sah mich gar schon im Box-Business, denn er hielt Stein Promotions für eine "unseriöse Bude", die wie der legendäre Box-Promoter Don King irgendwelche Faustkämpfe veranstalteten. 

Ich habe es meinen Eltern dann erklärt, aber wohlweislich verschwiegen, dass die Agentur am Abgrund stand und ich ganze sechs Monate für einen Turnaround hatte. Zur Feier des Tages habe ich meine Eltern erstmals im Audi Quattro durch den Ort zum Café Brüning kutschiert. Beeindruckt hat es sie nicht, aber dass ich für den Wagen nichts selbst bezahlen musste, fand mein Beamten-Vater dann doch respektabel für einen 26jährigen. Mit Kreativität und Mut haben mein Kollege, die Auszubildende, ein paar Freelancer und ich die schlingernde Agentur dann wieder auf Kurs gebracht. Gerettet hat uns übrigens  Mars in Viersen. Mit der Idee "Schon lange träumt die Haselnuss vom Mars" haben wir damals beim Pitch überzeugt und eine originele Sales-Promotion zur Einführung von Mars Haselnuss gestartet. Wenn ich heute daran zurückdenke wundere ich mich schon ein wenig über mich selbst. Dass ich ich den Mut hatte, einfach den Schritt in ein Berufsfeld zu wagen, von dem ich nichts verstand. Andererseits hatte ich nichts zu verlieren. Im größten Worst-Case-Szenario hätte ich eben wieder Fahrräder an der Nordseeküste vermietet, damit hatten mein Bruder und ich es als Jugendliche immerhin zu beträchtlichem Teenie-Wohlstand als Jungunternehmer gebracht.

Mit Mut, Leidenschaft und Ideen kannst du alles schaffen
Mein Onkel Hans

"Mit Mut, Leidenschaft und Ideen kannst du alles schaffen", hatte mein Onkel mir mal gesagt und ich habe es immer geglaubt und gelebt. Noch heute. Auch später habe ich immer wieder die Branchen gewechselt. Meine Eltern haben sich dann zum Glück jedes Mal etwas weniger erschreckt. Ich landete in der Musikbranche, später beim Privat-TV-Sender RTL und schließlich in der Welt der PR- und Kommunikationsagenturen. Es hat mir überall Spaß gemacht etwas zu verändern und meine Ideen umzusetzen. Vor allem habe ich bei jeder Station wunderbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getroffen und eingestellt. Ohne sie hätte ich nie etwas erreicht, mit ihnen gemeinsam alles. "Du bist dann richtig gut, wenn du die besten im Team hast", hatte mir mein Onkel Hans eine weitere seine Weisheiten mit auf den Weg gegeben. 

Auch das habe ich verinnelicht und stets versucht, alles dafür zu tun, um meinen wunderbaren Mitstreiterinnen und Mitstreitern maximale Wertschätztung zu vermitteln und neben der Arbeit auch den Spaß nicht zu kurz kommen lassen. Auf den Alumni-Treffen entsinnen wir uns heute gemeinsam an großartige Parties mit Guildo Horn, The Boss Hoss & Co., die wir uns zu Recht gönnten. Mit meiner Mutter, die kommende Woche ihren 85. Geburtstag feiert, sprach ich kürzlich über meine eigenen drei Kinder. Ob ich sie nicht in eine berufliche Richtung lenken wollte, fragte sie mich. Ich lachte nur und erklärte, dass sie es bei mir auch nicht geschafft hätten. Zudem haben alle meine drei Kinder einen starken Willen und sind mit einem entsprechenden Selbstbewußtsein ausgestattet. Holly, meine jüngste Tochter erklärt mir regelmäßig, dass sie später mal auf einer Bühne stehen wird, um die Leute zum lachen zu bringen. Meine Mutter lacht dann gütig. Ich weiß aber, dass meine kleine Power-Tochter das absolut ernst meint. Und ich werde einen Teufel tun, um ihr das auszureden.

 #Mut #Beruf #Karriere #Business #Leidenschaft #Teamwork #Management

mehr Infos über den Autor: 

www.frankzdeluxe.de

About the author

Frank Behrendt
Frank Behrendt

Serviceplan Public Relations & Content GmbH & Co. KG, Serviceplan Gruppe für innovative Kommunikation GmbH & Co. KG

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Menschen liegen mir am Herzen. Ich arbeite gerne mit Ihnen zusammen, höre Ihnen zu und gebe gerne etwas zurück. Mit meinen Büchern „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ und „Die Winnetou Strategie“ habe ich meine Haltung dokumentiert. Mir geht es um Freude im (Arbeits)Leben, dazu gebe ich Impulse.
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