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Dipl.-Ing. Jens Thaele

Dipl.-Ing. Jens Thaele

für Telekommunikation, Digitalen Wandel

Deutschlands Zukunft im Würgegriff von Ideologie, Stillstand und Machterhalt um jeden Preis

Einst wurde Deutschland – wie kaum ein anderes Land dieser Erde – für seine Zuverlässigkeit, für seine Innovationsstärke, für seine fortschrittliche Technologie und Infrastruktur sowie den Fleiß seiner Bürger beneidet, der Wohlstand brachte und als positiven Nebeneffekt stets den sozialen Frieden garantierte.

Glaubt man politischen Aussagen, die vollmundig über die Chancen des autonomen Fahrens, über intelligente Verkehrssysteme, über Elektromobilität, über die sogenannte Energiewende und Klimaschutz, sowie über Digitalisierung so ganz allgemein schwadronieren, müsste unsere Zukunft noch paradiesischer aussehen und Deutschland sich diesbezüglich bereits auf einem fortgeschrittenen Kurs befinden. In quasi jeder politischen Rede kommt der Begriff Breitbandausbau vor. Das soll modern und schick wirken – daher schreiben es die Ghostwriter in die Redemanuskripte ihrer Auftraggeber so hinein. Dumm nur, dass wenig passiert; die politische Zwischenbilanz ist ernüchternd, eher sogar desaströs:

Wunsch und Wirklichkeit liegen Lichtjahre weit auseinander

Deutschland verfehlt seine selbstgesteckten Klimaziele deutlich, die sogenannte Energiewende droht zu scheitern bevor sie richtig begonnen hat und im Breitbandausbau gehört man zu den europäischen Schlusslichtern. Aus Neid ist mittlerweile eher Mitleid geworden und eine gewisse Zuverlässigkeit besteht heutzutage im sicheren Scheitern von Großprojekten. Und zum Thema Fleiß: Viele Menschen rackern sich heute ein Leben lang ab, um dann einen Lebensabend in Armut zu verbringen.

Momentan trifft es noch relativ wenige Menschen wirklich hart, da Deutschlands wirtschaftliche Zahlen, Daten und Fakten auf den ersten Blick verhältnismäßig gut – teils sogar exzellent – aussehen. Momentan noch: Denn riesige Lasten in Form von Pensions- und Rentenversprechen, mit denen heute Wahlen gewonnen werden, sind in Zukunft zur Zahlung fällig und dringend notwendige Investitionen in Infrastruktur wurden der „Schwarzen Null" geopfert.

Die Risse in Brücken und Straßen liefern gewissermaßen eine bildhafte Vorahnung auf dasjenige, was uns alle erwartet, wenn der letzte Rest an Wohlstand, der momentan eine trügerische Sicherheit vorgaukelt, verbraucht ist.

Die Diagnose

Fast überall zeigen sich typische Begleiterscheinungen einer in weiten Teilen saturierten Gesellschaft, die in Selbstzufriedenheit erstarrt. Es herrscht Ideologie statt Pragmatismus, Feigheit vor unangenehmen Wahrheiten – verbunden mit einem fast schon sklavischen Festhalten an überholten Strukturen – statt Mut zu Veränderungen und Machterhalt um jeden Preis statt regieren zum Wohle des Volkes.

Eine gewisse Zeit lang konnte der Stillstand hübsch kaschiert werden. Jetzt jedoch rächt sich das Aussitzen gleich an mehreren wichtigen Zukunftsprojekten, da fast alle auf eine vernetzte, digitale Welt aufsetzen – einer Disziplin, in der Deutschland zurzeit zu den Schlusslichtern zählt.

Baustelle Breitbandausbau

Ein Paradebeispiel für chaotische Planungen ist die momentan heftig und kontrovers diskutierte Versteigerung der 5G-Mobilfunkfrequenzen, welche in Kürze bevorsteht. Über Hintergründe und einer ersten Analyse der Vergabebedingungen hatte ich bereits einiges veröffentlicht.

Nun scheint die Situation tatsächlich zu eskalieren, denn die potentiellen Bieter ziehen vor Gericht – und das nicht unberechtigt: Der Streit geht im Kern um das Ziel der Erreichung einer flächendeckenden 5G-Versorgung, die nun doch in größerem Umfang und schneller kommen soll als zunächst vereinbart. „5G bis zu jeder Milchkanne“ lautet plötzlich die politische Formel. Die Forderung an sich ist vernünftig: Dumm nur, dass diese mit den zur Versteigerung anstehenden Frequenzen praktisch nicht umsetzbar ist, da die Frequenzen eine zu geringe Reichweite haben. Etwa im Kilometerabstand müssten Funkmasten errichtet werden. Für eine Flächenversorgung ländlicher Gebiete scheidet das aus vielerlei Gründen aus.

Funklöcher stopfen soll nun das bestehende 4G-Netz, da hier Frequenzen mit besseren Reichweiteeigenschaften für den ländlichen Einsatz versteigert wurden. Schöne Idee, doch rechtlich problematisch, die Provider im Nachhinein zu höheren Auflagen für bereits erteilte Lizenzen zu zwingen – und die nächste kalte Dusche wartet bereits:

Mangelnder Glasfaserausbau rächt sich nun

Sowohl das 4G als auch das 5G Netz benötigt bis zu den Funkmasten ein echtes Gigabit-Festnetz, also eine Glasfaserstruktur, um die sehr hohen Bandbreiten an- und ab zu transportieren; womit wir bei der größten Baustelle und dem größten digitalpolitischen Desaster der letzten Jahre angelangt sind. Nicht nur, aber besonders im ländlichen Bereich gleicht Deutschland einer Breitbandwüste.

Nun ist die Verlegung entsprechender Kabel eine aufwendige, zeitraubende und kostspielige Angelegenheit, Forderungen einer echten Flächendeckung in wenigen Jahren reines Wunschdenken; Geld allein kann verlorene Zeit nicht zurückholen.

Resümee

Deutschland benötigt einen realistischen, zuverlässigen Masterplan, wie innerhalb von maximal zehn Jahren das Land komplett digital ertüchtigt werden kann – dann selbstverständlich auch bis zur letzten Milchkanne.

Dazu gehörte auch eine einfachere Förderung des Breitbandausbaus. Heute ist das Thema so komplex, dass sich vorwiegend Juristen mit dem Vergaberecht des Breitbandförderprogramms des Bundes beschäftigen.

Baustelle Energiewende und Klimaschutz

Fallen die Begriffe Energiewende und Klimaschutz, dann wird es wahrhaftig ideologisch – eine sachliche, öffentliche Diskussion ist meist nur schwer möglich. Zu viele Halbwahrheiten schwirren durch den Raum; auch hat sich mittlerweile eine mächtige Lobby um die Geldtöpfe des Staates formiert, die jeden Kritiker des eingeschlagenen Weges als Umweltteufel diffamiert.

Dazu passen die regelmäßig in den Medien erscheinenden Erfolgsmeldungen, wieviel Prozent unserer Energie bereits aus regenerativen Quellen stammen – zuletzt waren das etwa 40%. Auch das Deutschland Stromexporteur sei, wird in dem Zusammenhang gerne berichtet. Die Botschaft dahinter: Noch ein paar Windräder und Solarzellen mehr und wir können alle konventionellen Kraftwerke abschalten – das Leben ist schön und einfach.

Was gerne verschwiegen wird: Der Zubau an regenerativen Energien ist eine reine Fleißaufgabe und der einfache Teil des Weges. Die wirkliche Herausforderung liegt darin, unabhängig von Jahreszeiten und Witterung, ein konstantes, ausreichendes – nicht zu viel oder zu wenig – Stromangebot bereitzustellen – und dazu benötigen wir tausende über das Land verteilte Stromspeicher die immer dann einspringen, wenn zu wenig Sonne und Wind zur Produktion von Ökostrom vorhanden ist.

Ohne ausreichende Energiespeicher keine erfolgreiche Energiewende

Blöd nur, dass die weder vorhanden sind noch in naher Zukunft in Aussicht stehen. Die gesamte Planung und Umsetzung wurde jahrelang vernachlässigt, denn notwendige Baumaßnahmen sind höchst unpopulär und kostenintensiv (Schwarze Null). Bürgerinitiativen wehren sich gegen Stromtrassen oder einer Umwandlung der wenigen geeigneten Bergtäler in riesige Wasserspeicher – die in ausreichender Anzahl in Deutschland – anders als beispielsweise in Norwegen oder der Schweiz – auch nicht zur Verfügung stehen.

So müssen auch in Zukunft die konventionellen Kraftwerke fleißig weiter ihr Tagwerk vollbringen; denn als Reserve für kritische Wetterlagen sind sie für die Grundlast unverzichtbar. Damit erklärt sich auch ein Teil des Paradoxons, weshalb Strom dramatisch teurer wird, obgleich ein immer größerer Teil von Wind und Sonne - mit kostenfreien "Rohstoffen" - erzeugt wird.

Resümee

Ausbau und Förderung regenerativer Energien sind zweifellos richtig, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Jedoch darf keine gut funktionierende Infrastruktur zerstört werden, bevor keine adäquate neue Lösung die Aufgaben erfüllen kann oder zumindest eindeutig in Sichtweite ist. Ein instabiles Stromnetz wäre für ein Technologieland wie Deutschland der ultimative Supergau.

Der Fokus einer Förderung sollte weniger auf die reine Einspeisung von Energie zielen, sondern vor allem Speichertechnologien voranbringen. So könnten in privaten Haushalten beispielsweise viele Millionen Mini Blockkraftwerke mit Energiespeichern entstehen, die entweder die Haushalte selbst versorgen oder eben bei Bedarf Energie abgeben. Derartige Maßnahmen brächten auch CO2 technisch viel mehr, als sich am Autoverkehr abzuarbeiten, der lediglich mit etwa 16 % am Kohlendioxid Ausstoß beteiligt ist.

Nicht zu vergessen: Zur Vernetzung und Steuerung der Energieträger ist eine zuverlässige, digital vernetzte Infrastruktur unerlässlich – die momentan nicht besteht.

Elektromobilität als Klimaretter?

Im Windschatten des Klimaschutzes segelt derzeit die batteriebetriebene Elektromobilität und wird als Lösung gegen Schadstoffausstoß und menschengemachte Klimaerwärmung auf den Schild gehoben. Dies wäre bestenfalls nach einer erfolgreichen Energiewende der Fall – also wenn die Energie für die Ladung der Batterien – als auch die Herstellung dieser – aus reinem Ökostrom stammt. Dass die Gewinnung der Rohstoffe zur Produktion der Batterien, wie Kobalt, unter teils menschenunwürdigen Umständen geschieht, soll hier nur als Randnotiz genannt werden. In dem Zusammenhang interessant, dass sich China einen großen Teil der Schürfrechte für die wichtigsten Rohstoffe in Afrika gesichert hat und damit die Weltmarktpreise künftig bestimmen kann.

Resümee

Für den Klimaschutz wäre es eindeutig sinnvoller, die beste und sauberste technische Lösung zu fördern und nicht blind einer bestimmten ideologischen Vorgabe zu folgen. Brennstoffzellen-Technologien oder mit synthetischen Kraftstoffen betriebene Verbrennungsmotoren könnten wesentlich schneller eine Entlastung für die Umwelt bringen und sogar ein Elektroauto Hersteller – und ausgewiesener Experte auf seinem Gebiet – sagt, dass moderne Dieselaggregate Teil der Lösung sein sollten.

Baustelle Arbeits- und Sozialsysteme

Die Reform der Arbeits- und Sozialsysteme ist zu einer Dauerbaustelle geworden. Problem: Statt tiefgreifende Veränderungen werden einzelne Reförmchen durchgeführt, die die strukturellen Fehler nicht beheben, sondern bestenfalls eine Zeit lang kaschieren.

Selbstverständlich gibt es keine Patentlösungen. Jedoch wird ein System, welches für das Industriezeitalter konzipiert wurde und genau dafür recht gut funktioniert hat, im digitalen Zeitalter seine Ziele verfehlen. Es bedarf dringend einer Abnahme an Bürokratie, an Regeln und Bestimmungen, um damit Schnelligkeit, Einfachheit und Flexibilität zu erhöhen, sowie einer gerechteren Verteilung des „digitalen Überschusses“, um den disruptiven Charakter einer digitalen Welt nicht völlig unvorbereitet ausgeliefert zu sein. Quasi über Nacht werden ganze Schlüsselbranchen sich verändern oder verschwinden. Haben wir dann keine Lösungen, ist es für eine Reaktion zu spät – Hunderttausende werden auf den Straßen sein und jeden vernünftigen Gestaltungsspielraum zerschlagen.

Die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels erkennen 

Es existieren bereits verschiedene Ansätze und Modelle; auch das bedingungslose Grundeinkommen als eine Möglichkeit des Wandels gehört dazu. Anerkannte Ökonomen haben ganze Bücher dazu geschrieben, und selten gab es quer durch alle Gesellschaftsschichten – vom Philosophen bis zum Vorstandsvorsitzendem – eine derartige Einigkeit  über die Notwendigkeit eines radikalen Wandels.

Wie ein neues Sozialsystem genau aussieht, ist im ersten Schritt noch nicht einmal entscheidend. Wichtig wäre zunächst die Erkenntnis der Notwendigkeit eines radikalen Umbaus. Und genau den Eindruck vermitteln die handelnden Regierungsparteien nicht - oder sie können verdammt gut schauspielern.

Fazit

Die nachfolgende Politikergeneration tritt ein schweres Erbe an. Die Zeit des Aussitzens ist vorbei, zu drängend werden die Probleme. Das Vertrauen in Politik und seine Instanzen ist stark beschädigt, Politikverdrossenheit führt zur Radikalisierung.

Dennoch schafft die Situation auch politische Chancen. Die Möglichkeit zu sagen „was ist“, mit neuen Ideen beim Wähler zu punkten und auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Das Momentum ist günstig wie nie, denn die Menschen spüren, dass ein „weiter so“ oder Mogelpackungen, die nur etwas Anderes versprechen, keine wirklichen Alternativen bieten.

Die Zeit drängt und es ist besser gut zu regieren als nicht zu regieren - bevor es zu spät ist.

...

Und wenn es zu spät ist:

Die Zukunft kennen wir alle nicht. Doch bei einem "weiter so" könnte eine Geschichte, die ich auch aus Ärger und Frust über die Geschehnisse nach der Bundestagswahl 2017 verfasst hatte, in Teilen bittere Realität werden. Freunde der realsatirischen Fiktion sind herzlich eingeladen, hier etwas über Inhalt und Handlung zu erfahren und natürlich auch, die Story zu lesen

Nichts ist spannender als Zukunft!

Über den Autor

Dipl.-Ing. Jens Thaele
Dipl.-Ing. Jens Thaele

Consultant und Autor, Jens Thaele Consulting

für Telekommunikation, Digitalen Wandel

Die rasante Entwicklung der Telekommunikationsbranche ist mir bestens bekannt. Früher durch Einsätze bei namhaften Unternehmen im In- und Ausland, heute durch meine Tätigkeit als Berater und Autor. Dabei gebe ich Menschen hilfreiche Tipps zu Chancen, Gefahren, Umgang sowie Einsatz von Technologie.
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