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Martin Krill

Martin Krill

for HR Themen, Digitalisierung und KI

Die Dynamik des Arbeitsmarktes

EtiAmmos

Der technische Fortschritt bestimmt maßgeblich die Entwicklungen des Arbeitsmarktes. Denn neue Technologien führen dazu, dass zwar in manchen Wirtschaftszweigen Arbeitsplätze wegfallen, aber in anderen Bereichen neue entstehen. Ein klarer Trend zeichnet sich bei der Qualifikation der neu entstehenden Berufsbilder ab. Der Auf- und Abbau von Stellen gleicht sich in der Summe weitgehend aus. Über alle Sektoren hinweg werden zunehmend hoch qualifizierte Arbeitskräfte gesucht.

Der Wandel liegt nicht in der Zahl, sondern der Art der Arbeitsplätze

Wussten Sie, dass sich der Arbeitsplatzbestand im Laufe von zehn Jahren im Schnitt einmal komplett umschlägt? Einem aktuellen Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge liegt die Abbaurate von Arbeitsplätzen seit 1993 im Schnitt bei 9,5 Prozent pro Jahr. Demgegenüber steht eine durchschnittliche Rate von 9,7 Prozent. Das bedeutet, es sind etwa so viele Arbeitsplätze weggefallen wie neu geschaffen wurden. Die Zahl der Stellen wächst genauer genommen sogar.

Diese Dynamik des Arbeitsmarktes hängt vor allem mit der Einführung neuer Prozesse zusammen. In der Vergangenheit sorgten technische Errungenschaften immer wieder für Umbrüche: Die Mechanisierung von Handwerk und Landwirtschaft führte im 19. Jahrhundert zur Industriellen Revolution, gegen Ende des 20. Jahrhunderts löste die zunehmende Computerisierung dann eine digitale Revolution aus. Beide „Ereignisse“ hatten zur Folge, dass sich die Arbeitswelt grundlegend verändert hat, einige Berufsbilder weggefallen und dafür neue Tätigkeitsfelder entstanden sind.

Umschichtung von Arbeitsplätzen

Heute sind es die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung, die zu einem Wandel führen. Viele Prozesse können inzwischen von Robotern effizienter und mit einer höheren Qualität ausgeführt werden als von Menschenhand, insbesondere wenn es sich um Arbeitsschritte mit gleichbleibendem Ablauf handelt. Gleichzeitig entsteht dadurch ein höherer Bedarf an qualifizierten Fachkräften, welche die hierfür notwendigen Technologien entwickeln. Es ist weniger ein Ersetzen als vielmehr eine Umschichtung von Beschäftigten.

„Such new tasks generate not only a positive productivity effect, but also a reinstatement effect – they reinstate labor into a broader range of tasks and thus chance the task content of production in favor of labor.”
(Acemoglu & Restrepo, “The Journal of Economic Perspectives”, 2019, Vol. 33 (2), pp. 3-30)

Die Umschichtung von Tätigkeitsbereichen ist in den einzelnen Wirtschaftszweigen unterschiedlich stark ausgeprägt. In Sektoren wie dem Baugewerbe, Kultur, Sport und Unterhaltung oder Gastgewerbe herrscht deutlich mehr Arbeitsplatzdynamik als beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung oder bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern. Untersuchungen des IAB haben jedoch gezeigt, dass Auf- und Abbaurate miteinander korrelieren. Das heißt, in Branchen, in denen viele Stellen abgebaut werden, werden gleichzeitig auch viele aufgebaut.

Steigender Bedarf an Hochqualifizierten

Letztlich verändert sich nicht die Beschäftigtenzahl, sondern die Art der Tätigkeiten und damit verbunden auch die Anforderungen an die Qualifikation. Laut dem IAB ist der Bedarf an Mitarbeitern mit Hochschulabschluss in den letzten 50 Jahren stetig gewachsen. Es sind mehr Positionen für Hochqualifizierte entstanden als weggefallen. Anders sieht es dagegen bei den Geringqualifizierten ohne Berufsausbildung aus: Hier wurden seit den 70er Jahren mehr Stellen abgebaut als aufgebaut.

Nicht zwangsläufig bedeutet dies, überflüssig zu werden. Durch Weiterbildungsmaßnahmen innerhalb der Betriebe lassen sich entsprechende Kompetenzen aneignen, um den veränderten Anforderungen gerecht zu werden. Wie das IAB allerdings festgestellt hat, nutzen Erwerbstätige, deren Arbeit sich nur schwer ersetzen lässt, Weiterbildungsangebote eher, als die, deren Tätigkeiten sich leichter durch Algorithmen ersetzen lassen.

Fazit

Innovationen gehen nicht grundsätzlich mit einem Verlust von Arbeitsplätzen einher. Zwar werden in einigen Sektoren und Aufgabenfeldern Stellen abgebaut, doch befinden sich andere durch die Entwicklung neuer Technologien im Wachstum, was wiederum zu veränderten Berufsbildern und einem steigenden Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern führt. Es ist wichtig, Veränderungen wie auch den neuen Anforderungen offen gegenüberzustehen und bereit zu sein, sich anzupassen.

About the author

Martin Krill
Martin Krill

Geschäftsführer/Managing Director, Hager Unternehmensberatung GmbH, Partner of HORTON International

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Martin Krill ist seit knapp 20 Jahren für die Hager Unternehmensberatung tätig und wurde 2004 zum Geschäftsführer berufen. Er besetzt gehobene Vertriebs- und Management-Positionen vorwiegend in der Technologiebranche. Er ist Experte für HR Themen rund um die Digitalisierung und KI.
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