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Oliver Koch

Oliver Koch

für Digitalisierung, Mensch & Technik

Digital und flexibel - aber auch erfolgreich?

© Konstantin Hermann – stock.adobe.com; #133574579

Flexibilisierung ist das neue Schlagwort bei der digitalen Transformation – sowohl bei deren Umsetzung als auch als Ziel. Doch wie viel Agilität können sich Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter überhaupt leisten?

Im Moment ist im Zusammenhang mit Unternehmenserfolg und Modernisierung viel von Flexibilisierung die Rede. Meistens ist damit die Ausgestaltung der Mitarbeiter-Tätigkeit hinsichtlich Räumlichkeit, Zeit- und Arbeitsvolumen gemeint. Dazu gehören Schlagwörter wie mobiles Arbeiten oder Homeoffice. Ermöglicht wird dies durch eine zunehmend bessere Netz-Infrastruktur sowie die damit einhergehende ständige Verfügbarkeit von Daten.

Doch die Entwicklung darauf zu reduzieren ist zu kurz gedacht. Denn ein wichtiger Punkt für den künftigen Erfolg der digitalen Transformation wird es sein, die gesamte Unternehmensstrategie, -kultur und die Organisation, sowie alle operativen Prozesse anzupassen. Entsprechend wird ein hohes Maß an Agilität bzw. Flexibilität von Mitarbeitern, aber auch vom Unternehmen an sich gefordert.

Spannungsfeld für Führungskräfte

Für Arbeitnehmer bedeutet dies auf den ersten Blick eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die eigene Tätigkeit kann zeitlich und räumlich entkoppelt werden, was beispielsweise die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht.

Im Umkehrschluss bedeutet diese Flexibilisierung auch aber auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung und vor allem Konsequenz. Gerade Führungskräfte kostet es viel Überwindung, Termine mit der Begründung „Home Office“ zu verschieben oder gar abzusagen, aber auch den dadurch entstehenden Kontrollverlust gegenüber den eigenen Mitarbeitern zu akzeptieren.

Und genau aus diesem Grund tun sich viele Unternehmen noch so schwer. Mit dem Ende des klassischen Nine-to-Five-Arbeitstags müssen auch Prozesse weniger starr und eindimensional gestaltet werden. Wissen wird heute für alle Mitarbeiter bereitgestellt und somit demokratisiert. Es besteht keine Informationslücke mehr zu den Entscheidern.

Damit gibt es zunehmend neue Macht- und Einflussmöglichkeiten und eigene Dynamiken sowie auch informelle Kanäle für die inhaltliche Abstimmung. Teammitglieder können jederzeit über Ideen und Entscheidungen des Managements diskutieren und sich verständigen, mit offenem Ausgang. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach zunehmenden Freiheit der Mitarbeiter und den Anforderungen des Unternehmens bzw. der Führungskräfte.

Kompetenzen weltweit verfügbar

Doch die Flexibilisierung der Arbeitsprozesse und -strukturen bietet auch große Vorteile. Durch die neu gewachsenen Strukturen bekommen Teams und deren Mitarbeiter eine eigene, dezentralisierte Entscheidungsbefugnis. Aufgrund der beschleunigten Wirtschaftswelt sind aber gerade diese Prozesse wichtig für den Erfolg bzw. das Erreichen von Zielen.

Gleichzeitig bieten die oben dargestellten technischen Möglichkeiten auch ganz neue Chancen, Expertise einzuholen. Sie sind nicht mehr an betriebsinterne oder gar lokale Kompetenzen gebunden. Sie können global nach der passenden Qualifikation suchen und können diese punktgenau sowie flexibel einsetzen. Damit werden Unternehmen schneller, ressourceneffizienter und auch kostengünstiger.

Nachlassende Teamleistungen

Um aber diesen Weg zu gehen braucht es viel Überzeugungsarbeit – im gesamten Unternehmen. Und genau hierbei liegt auch die große Schwierigkeit. Jeder, der bereits in der Verantwortung bei der Durchsetzung solcher Wandlungen stand, kennt die Problematik: Je größer der Veränderungsprozess desto stärker sind die Widerstände. Und gerade die Flexibilisierung von Prozessen, Strukturen und lang gehegten Arbeitsweisen bringt einen enormen Wandel mit sich. Als Hindernisse gelten hierbei in erster Linie die Gewohnheit mit den bekannten Technologien und Abläufen. Entsprechend sehen viele Unternehmen die Flexibilisierung und die damit verbundenen Investitionen als hohes Risiko.

Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahr bei zunehmender Flexibilisierung ist die sich verändernde Kommunikation und die mögliche Entfremdung der Teammitglieder untereinander. Durch die neuen Kommunikationsmittel klingt dies zunächst paradox, Technologien wie Virtual Reality, die eine wirkliche Präsenz vollkommen ersetzen können, sind aber noch weit vom praktischen Einsatz entfernt. Effizienz und Erfolg können darunter leiden.

Fazit

Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, sowohl auf den globalisierten Märkten als auch als Arbeitgeber, wird es für Unternehmen und Führungskräfte essentiell sein, sich flexibel bei Prozessen und Angeboten aufzustellen. Sowohl die beschleunigte Wirtschaft, als auch die Erwartungen qualifizierter Mitarbeiter machen dies notwendig. Die Anstrengungen sind hoch – ohne Frage. Profitieren werden am Ende jedoch beide Seiten.

Über den Autor

Oliver Koch
Oliver Koch

Geschäftsführer, SOLCOM GmbH

für Digitalisierung, Mensch & Technik

Oliver Koch ist Geschäftsführer der SOLCOM GmbH, einem der führenden Technologiedienstleister in den Bereichen IT und Engineering. Aus dieser Erfahrung heraus schreibt Oliver Koch als Experte über die Auswirkungen der digitalen Transformation.