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Thomas Müller

Thomas Müller

für Digitalisierung, Mensch & Technik

Digitalisierung als Veränderungsprozess

© 3dkombinat – Fotolia; # 164712399

Die digitale Transformation erfasst alle Unternehmensbereiche, -strategien und -prozesse. Wie bei allen großen Veränderungsprozessen entstehen daher auch hier von vielen Seiten starke Widerstände.

Dass die Digitalisierung die wirtschaftliche Zukunft eines Unternehmens entscheidet, ist nicht wirklich etwas Neues und bereits in den Köpfen des Managements angekommen. Doch die Tragweite der Veränderungen und die Aufgaben zu deren Durchsetzung werden noch immer unterschätzt.

Die Modernisierung der bestehenden IT-Infrastruktur, deren Ausbau und die Einführung ganz neuer Technologien sind keinesfalls der erste Schritt und die digitale Transformation lässt sich auch nicht darauf reduzieren. Notwendig ist das Hinterfragen aller bestehenden Prozesse sowie Gewohnheiten und letztendlich die Einleitung eines Wandels der Unternehmenskultur. Der Erfolg steht und fällt dabei mit den Mitarbeitern, deren Engagement und Ideen. Entsprechend gilt es diese zu überzeugen, den Weg mitzugehen.

Bekannte Widerstände

Doch genau hierbei liegt auch die große Schwierigkeit. Jeder, der bereits in der Verantwortung bei der Durchsetzung stand, kennt die Problematik: Je größer der Veränderungsprozess desto stärker sind die Widerstände. Und die Digitalisierung eines Unternehmens ist ein sehr großes Projekt. Als Hindernisse gelten die Gewohnheit mit den bekannten Technologien und Abläufen, Fachkräftemangel, sowie schlicht und ergreifend eine bremsende Bürokratie. Gleichzeitig hat jeder Unternehmensteil seine eigenen Prioritäten, die sich innerhalb der Organisation entgegenstehen.

Zu alledem kommt hinzu, dass der Begriff „Digitalisierung“ bei Belegschaften leider mit großer Unsicherheit behaftet ist, die laufend noch angeheizt wird, zum Beispiel durch den oft erwähnten Abbau klassischer Aufgaben aufgrund künstlicher Intelligenz.

Kernkompetenzen stärken

Wie bereits in der Vergangenheit sind auch bei Digitalisierungsprojekten die Führungskräfte im Unternehmen der Dreh- und Angelpunkt für das Gelingen. Aber welche Fähigkeiten brauchen Führungskräfte und wie müssen Mitarbeiter geschult werden, um die Transformation voranzutreiben? In erster Linie kann man auf bewährte Regeln zurückgreifen: Entscheidungsträger müssen nicht nur die ersten Schritte initialisieren, sondern den Fortgang am Laufen halten und kontinuierlich vorantreiben. Gleichzeitig müssen sie die Mitarbeiter begeistern, aber auch ein Fixpunkt sein, Orientierung geben und die Komplexität managen.

Reihenfolge beachten

Ein weiterer wichtiger Punkt für den Erfolg der digitalen Transformation wird es sein, die gesamte Unternehmensstrategie, -kultur und die Organisation sowie alle operativen Prozesse anzupassen. Dazu müssen im ersten Schritt alle - Führung und Mitarbeiter - anerkennen, dass kein Weg an ihr vorbei führt und Veränderungen in der Organisation unausweichlich sind.

Anschließend kann man sich auf das „Wie“, die Art des Umbruchs konzentrieren. Zunächst muss berücksichtigt werden, inwieweit Strategie, Organisation, Prozesse oder auch Produkte verändert werden. Es muss eine Vision des Umbruchs entwickelt werden, die sowohl auf den Kernkompetenzen des Unternehmens und der Mitarbeiter aufbaut, aber auch Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Es folgen die Fragen, welche Strategien sich kurzfristig und welche sich langfristig umsetzen lassen – und erst dann die Überlegung, welche Technologien sich dafür eignen.

Im gesamten Ablauf sind die Mitarbeiter miteinbezogen und werden so mitgenommen und fühlen sich eingebunden. Schulungen sorgen dafür, dass alle auf dem gleichen technischen Niveau arbeiten.

IT-Abteilung als zentrales Element

Wichtige Schlagworte für die weiteren Schritte sind Vernetzung, Projektprinzip und Fehlerkultur.

Sowohl Abteilungen, als auch Mitarbeiter müssen enger untereinander und besonders mit der IT-Abteilung als technisches Herzstück der Transformation verzahnt werden. Die Arbeit in abteilungs- und unternehmensübergreifenden Projektteams nimmt damit deutlich zu.

Dazu kommt der Aufbau einer digitalen Kultur im Unternehmen, also beispielsweise ein liberaler Umgang mit Endgeräten oder mit (sozialen) Netzwerken und Foren. Digitalisierung bedeutet immer auch ein Stück Kontrollverlust.

Fazit

Die digitale Transformation unterscheidet sich nicht grundlegend von anderen Veränderungsprozessen, ist jedoch deutlich umfassender. Um die Herausforderung zu meistern, braucht es daher den unbedingten Willen zur Veränderung. Nicht nur beim Management, sondern in erster Linie bei den Mitarbeitern, denn sie müssen voll hinter dem Prozess stehen und die Vision letztendlich umsetzen. Nur mit ihnen kann der Transformationsprozess gelingen.

Führungskräften kommt die Aufgabe zu, die Mitarbeiter zu begeistern, Chancen bzw. Möglichkeiten aufzuzeigen und – vor allem – Ängste zu nehmen. Denn sie sind entweder der Beschleuniger der Transformation oder der große Bremsklotz.

Über den Autor

Thomas Müller
Thomas Müller

Geschäftsführer, SOLCOM GmbH

für Digitalisierung, Mensch & Technik

Thomas Müller ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der SOLCOM GmbH, einem der führenden Technologiedienstleister in den Bereichen IT und Engineering. Als Experte mit über 30 Jahren Erfahrung in der IT schreibt er über die Auswirkungen der Digitalisierung.
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