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Salome Preiswerk

Salome Preiswerk

Insiderfür (Online) Vermögensverwaltung

Drei Börsenweisheiten, die Sie getrost ignorieren können

Simple Sprüche, schnelles Geld: Zahlreiche Börsengurus versprechen Anlegern Erfolg am Finanzmarkt, wenn sie sich an einfache Börsenregeln halten. Zeitgemäß ist das nicht.

Der Finanzmarkt ist für viele Anleger schwer zu durchschauen – und unvorhersehbar. Sogenannte „Börsenweisheiten“ sollen Abhilfe schaffen: Einfache Regeln, die jeder nachvollziehen kann und welche sich in der Vergangenheit vermeintlich bewährt haben. Das Versprechen: Wer die simplen Handlungsanweisungen befolgt, kann auch ohne Expertenwissen zum erfolgreichen Börsenhändler werden. Dabei sind diese oft so unterkomplex wie Bauernregeln und können sich sogar negativ auf die Rendite auswirken. Ich habe einmal drei Beispiele herausgesucht, die mir immer wieder genannt werden – von Privatanlegern und „Finanzprofis“. Was ist von ihnen – aus der Sicht eines nachhaltig wirtschaftenden Value-Investors – zu halten?

„Sell in May and go away“

Alles neu macht der Mai – und er sorgt angeblich für Stillstand an den Finanzmärkten. Drückendes Wetter, mediales Sommerloch, fehlende Dividendenprognosen und der Urlaub vieler Händler sollen laut dieser Börsenweisheit auf die viel zitierte „Kauflaune“ schlagen und damit zu sinkenden Kursen in den Sommermonaten führen. Deshalb raten vermeintliche Börsengurus: Anleger sollten ihre Papiere im Frühling abstoßen und erst im Herbst wieder einsteigen. In der Fortsetzung heißt es oft „...but remember to come back in September“.

Was man bei jeder, besonders aber dieser Börsenregel im Hinterkopf haben muss: Sie zeigt umso mehr Wirkung, je mehr Menschen an sie glauben. Wenn viele Börsianer sich wegen der Regel im Mai zurückziehen, sinken Kurse zwangsläufig. Es entwickelt sich eine Eigendynamik, die umso mächtiger wird, je mehr Börsianer sich an ihr orientieren – die sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung.

Aber: Geben wir der Regel eine Chance und schauen uns die Daten einmal an. Historisch gesehen ist der Mai tatsächlich einer der schwächeren Monate im DAX. Seit 1948 hat sich laut der historischen Rückberechnungen in diesem Monat im Durchschnitt praktisch kaum etwas verändert. Allerdings sind solche Durchschnittswerte immer nur bedingt aussagekräftig. Denn in den vergangenen 50 Jahren hat der Leitindex in genau 25 Jahren zugelegt, in 25 Jahren wiederrum verloren, schreibt die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Daten des Deutschen Aktieninstituts (DAI). „Die Schwankungsbreite der Monatsrenditen ist enorm. Aus solchen Vergangenheitsbetrachtungen Wetten auf die Kursverläufe der Zukunft abzuleiten, ist daher nicht sinnvoll“, zitiert das Blatt den Leiter der Abteilung Kapitalmarktpolitik, Gerrit Fey.

Statistiken zeigen zudem, dass an deutschen Märkten die jährliche Börsenflaute erst im August und September wirklich beginnt. Denn zumindest im historischen Durchschnitt war etwa der September mit einem Minus von 0,6 Prozent noch deutlich schlechter. Und wie hieß es in der Börsenregel noch? Richtig: In dem Monat sollte man eigentlich wieder an den Markt zurückkehren. Soviel dazu.

Für mich gibt es vor allem zwei Gründe, weshalb ich von dieser „Regel“ wenig halte. Zum einen sagen historische Daten wenig über die künftige Entwicklung einzelner Märkte aus. Mit diesem Ansatz versuchen auch Chartanalysten, den künftigen Wert von Papieren vorherzusagen. Der Erfolg: mehr als zweifelhaft.

Und zum anderen zeigen Studien regelmäßig, dass sich Renditen kaum effektiver pulverisieren lassen als durch häufiges Umschichten. Da verdient eine einzige Partei dran: die Bank oder das Finanzinstitut, die bei jedem Handel eine Gebühr einstreichen.

Wesentlich sinnvoller ist es daher, Anlagen zu kaufen, die am Markt unter ihrem eigentlich Wert gehandelt werden – denn diese versprechen langfristig das beste Renditepotential.

„Buy the rumor, sell the fact“

„Haben Sie schon das von Siemens gehört?“ Gerüchte sind für Börsianer das täglich Brot. Schließlich will jeder der Erste sein, wenn sich eine Marktrallye ankündigt. „Kaufe bei Gerüchten, verkaufe bei Fakten“ heißt: Verdichten sich die Anzeichen, dass bei einem Unternehmen ein großes Ereignis wie ein neues Produkt oder eine Übernahme ins Haus steht, steigt dessen Kurs. Tritt das Ereignis tatsächlich ein, fällt er meist kurz darauf wieder. Doch oft sind Gerüchte eben genau das: Gerüchte.

Als langfristiger Investor ist daher besser, Hörensagen, Meinungen und Flurfunk auszublenden und auf der Grundlage von Fundamentaldaten zu investieren. Suchen Sie nach unterbewerteten Anlagen, die mittel- bis langfristig zu ihrem „fairen Wert“ zurückkehren werden. Und hier zahlt sich die beste Analyse aus: Wer zuerst korrekt feststellt, dass die Börsenherde in die falsche Richtung galoppiert und Investmentchancen übersieht, profitiert langfristig am meisten.

„The trend is your friend“

Der Trend als natürlicher Freund des Anlegers: Wenn es aufwärts oder abwärts für ein Wertpapier geht, soll sich diese Entwicklung vermeintlich meist fortsetzen. Denn können so viele Menschen, die alle gleichzeitig (ver)kaufen, falsch liegen? Schwarmintelligenz nennen das die einen – korrekter ist die Bezeichnung Herdentrieb. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass dieser Rendite kostet und sogar gefährlich sein kann: Ein gutes Beispiel dafür ist die Dotcom-Blase, in der unzählige Deutsche scheinbar sichere Wertpapiere kauften. Schließlich ging deren Kurs in den Monaten zuvor fast ungebremst nach oben. Es folgte das böse Erwachen. Und die Erkenntnis: Marktteilnehmer – seien es private Anleger oder professionelle Portfoliomanager – handeln nicht immer rational, sprich: datengetrieben. Zahlreiche Studien haben gezeigt: Sind viele am Markt „einer Meinung“, fällt es dem Einzelnen extrem schwer, sich dagegen zu stemmen. Oder, wie es meine Mitgründerin, die Behavioral-Finance-Expertin Dr. Birte Rothkopf, einmal formuliert hat: „Wenn zu viele Börsianer in eine Richtung marschieren, ist Gefahr in Verzug“.

Egal ob es um den Kauf oder Verkauf von Aktien geht: Anleger sollten Herdenverhalten erkennen und sich von solchen Bewegungen tunlichst fernhalten. Analysieren Sie rational, ob der faire Wert einer Anlage im Vergleich zum Kurs attraktiv oder unattraktiv ist – und lassen Sie sich durch die Meinung der Masse nicht beeinflussen.

Über den Autor

Salome Preiswerk
Salome Preiswerk

Founder & CEO, Whitebox

Insiderfür (Online) Vermögensverwaltung

Ich bin Gründerin von Whitebox, einem führenden Online-Vermögensverwalter Deutschlands. Bereits ab einem Anlagevolumen von EUR 5.000 bieten wir Zugang zu einer hochwertigen Vermögensverwaltung. Dabei verbinden wir das beste aus zwei Welten: Aktives Risikomanagement umgesetzt mit passiven Produkten.
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