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Ivo Bättig

Ivo Bättig

für Responsive Organisations

"Faule Eier" - Serie "Praxis-Leserfragen zu Holacracy"

Creative Commons CC0
Mit Holacracy mehr faule Eier?

Aus der Serie "Praxis-Leserfragen zu Holacracy"

Frage

Besteht in Holacracy durch die Selbstorganisation nicht die Gefahr, dass Mitarbeitende ihre Aufgaben einfach nicht erledigen und ich mich laufend über Kollegen aufregen muss, welche ihren Job nicht machen? Es liegt ja an ihnen zu priorisieren und ohne Chef sagt ihnen ja niemand mehr was sie tun müssen.

Antwort/Reflexion

Ich nehme in der Praxis das Gegenteil war. Alle Kreismitglieder sind für den Erfolg (erfüllen des Purpose/Sinn&Zwecks) des Kreises verantwortlich. Es liegt nicht mehr "nur" am Chef, sich Gedanken zu machen, wenn etwas nicht funktioniert, sondern der Kreis wird aktiv und macht Vorschläge. 

Dabei helfen u.a. die Transparenz und Metriken - beispielsweise kennen alle Kreismitglieder die kritischen Unternehmenszahlen (oder runtergebrochene Kreismetriken) und sind sich dadurch der Situation bewusst(er). Wichtig ist hierbei sicher die Ausarbeitung einfacher und griffiger Metriken. Es geht nicht darum, dass sich nun alle um Zahlen kümmern (das kann durch klare Rollen ausdefiniert werden), doch das Bewusstsein der Kreisgesundheit ist bedeutend grösser.

Zusätzlich entsteht ein gewisser sozialer Druck (was es natürlich auch zu beachten gilt) , d.h. Kollegen äussern sich zu Fehlverhalten oder fehlender Leistung gegenüber anderen Kollegen. Dieses direkte Feedbackgeben muss oft zuerst noch erlernt werden - dies wurde ja vorher von Chefs übernommen. Wir konnten zudem beobachten, dass für neue Rollen versucht wird die "beste" Besetzung vor zu nehmen - somit werden Arbeiten, nicht wie bisher, Mitarbeitenden aus dem eigenen Team gegeben, sondern es lassen sich durchaus auch neue und unter Umständen geeignetere (beidseitig im Sinne von Wollen und Können) Besetzungen finden.

In der Praxis beobachte ich somit eher das Gegenteil: es wird eher schwieriger für Mitarbeitende, welche ihre Arbeiten nicht erledigen. 

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Über den Autor

Ivo Bättig
Ivo Bättig

Partner, Unic

für Responsive Organisations

Seit Jahren in "klassischen" Führungsfunktionen unterwegs und stets mit Fragen der Organisations- und Unternehmensentwicklung beschäftigt. Heute Partner bei Unic und überzeugt, dass die Digitale Transformation mehr als neue Technologien braucht - es gilt Organisationen und Arbeit anders zu leben.
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