Svenja Hofert

Svenja Hofert

for Mindset und Arbeit der Zukunft, Transformation und Psychologie

Führen in der Krise: Ins Vakuum springen und navigieren

Foto: Shutterstock By alphaspirit

„Erst wenn sich der Rahmen verändert, verändern sich Menschen“, habe ich bei unserem letzten Live-Seminar „Psychologie der Veränderung“ Ende Februar gesagt. Keiner der 12 Teilnehmerinnen ahnte, was danach binnen weniger Tage passieren würde. Der Rahmen hat sich geändert. Viel mehr als je gedacht.

Wie konnte es zu einem solchen Umschwung kommen?  Vor allem durch die Ansteckung der Gefühle. Diese Mixtur aus Mitleid, Glaube, Hoffnung, Freude, Angst – dieser Cocktail der Emotionen bewegt uns. Auch die Egoisten, die sich immer noch in Cliquen treffen. Wir wissen von Fritz Riemann, dass „Angst“ sich auf unterschiedlichste Weise zeigen kann.

Wir sind geschockt, erstarrt, wollen es nicht glauben. Aber wir bewegen uns auch. Wir lachen und sind freundlicher als sonst, teilweise zumindest meine ich das wahrzunehmen.

Alles ist Gefühl

Unsere Gefühlswelt hat sich verändert. Da ist mehr Achterbahnfahrt. Ich, Svenja, empfinde eine Art Spannung, meine Energie ist geladen und ich presche nach vorn. Thorsten ist besonnen und hält auch mal zurück. So zeigen sich Gegensatzpole, die situativ mal in diese mal in jene Richtung gehen – aber nach vorn.

Führen ist die Kraft ins Vakuum zu springen und loszunavigieren

Wir beide aber sagen: Erst jetzt wird sich zeigen, wer wirklich führen kann. Denn es ist leicht ein Boot im seichten Wasser zu steuern, nicht vergleichbar mit der Wahnsinnsfahrt auf hohen Wellen.

Führung, die Bestimmung der Richtung von Bewegung, findet plötzlich auf ganz vielen Ebenen statt. Es geht nicht mehr um einen bestimmten Stil, sondern darum, dass jeder die Rolle einnimmt, die derzeit im Vakuum liegt – die also nicht besetzt ist. Eingespielte Führungsteams können das. Wir durften üben.

Effectuation: Unternehmerische Kreativität

Wir brauchen jetzt Effectuation. Effectuation ist die Orientierung, an verfügbaren Mitteln wie tragfähigen Beziehungen. Was wir haben und wie es sich gerade wandelt, rückt jetzt wieder in den Blick. Reine agile „Customer Centricity“ ist zu kurz gedacht. Die Kunden könnten sich auf eine Art wandeln, an die sie derzeit noch nicht im Traum denken. Effectuation passt übrigens auch für Intrapreneure, man muss dazu nicht selbstständig sein.

Kreatives Potenzial nicht mehr nur im agilen Spiel

Es setzt viel mehr kreatives Potenzial frei als je in einem Workshop entstehen kann. Denn dort haben wir immer nur gespielt, agil zum Beispiel. Das ist gut, denn dadurch ist es verfügbar geworden, auch wenn wir es nie wirklich umgesetzt haben.

Ideen überall! Restaurants etwa schalten um auf Lieferservice. Und „bestraft“ wird, wer immer meinte, dass sich Seminare nicht online abbilden lassen und nicht mit der Technologie oder Social Media spielte.

Oh doch, das geht Online. Wenn es muss. Es ist sogar spannend!

Agilität und agiles Mindset bekommen so die Bedeutung, die wir ihr immer zuschreiben wollten. Es geht nicht um Methodenorientierung, sondern um Handlungsorientierung.

Unsicherheit als Lebensgefühl annehmen

Meinung in einer so agilen und volatilen Welt muss sich laufend bilden. Sie entsteht, ist ein Prozess. Jede Klarheit entsteht aus dem Nebel, jede klare Meinung muss ein Prozess sein, sonst ist es Populismus, Automaten-Meinung, Dummheit.

Wir alle streben nach Sicherheit, auch weil wir es so gelernt haben. Aber auch Unsicherheit kann ein Lebensgefühl werden, das durchaus nicht immer nur beängstigend sein muss, sondern auch befreiend. Aus meiner Sicht ist das eine der wichtigsten Führungsaufgaben in der Krise, genau das zu vermitteln.

Was wir jetzt brauchen: Gestalter

Wir bei Teamworks erleben gerade, was Krise für Unternehmen bedeutet. Für uns selbst und unseren engen und erweiterten Kreis sind fast über Nacht ganz neue Rahmenbedingungen entstanden. Diese müssen wir jetzt nutzen und uns darin bewegen: Entschlossener, visionärer, aber auch menschlich. Das ist auch ein kommunikativer Spagat, den unsere Mitarbeiterinnen am Telefon machen.

Nicht jeder ist sofort von Online-Seminaren begeistert. Doch im Home Office kann gerade das jetzt eine wunderbare Abwechslung und vielleicht ganz neue Erfahrung sein.

Wir bauen jetzt mit unseren zahlreichen sehr kompetenten Trainern Online-Workshops und Online-Seminare auf. Wir starten mit Führen in der Krise. Dazu gibt es bei Edudip ein kostenloses Webinar.

Über aktuelle Entwicklungen zu Corona und unseren Veranstaltungen schreiben wir auf dieser Seite.

Dieser Beitrag ist eine gekürzte Version der Langfassung im Teamworks-Blog.

About the author

Svenja Hofert
Svenja Hofert

Geschäftsführerin, Teamworks Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH

for Mindset und Arbeit der Zukunft, Transformation und Psychologie

Svenja Hofert engagiert sich für eine gute Zukunft der Arbeit. Sie ist Bestsellerautorin (u.a. "Mindshift", Campus-Verlag), Managementberaterin und Geschäftsführerin der Weiterbildungsanbieters Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH in Hamburg.
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