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Prof. Dr. Nico Rose

Prof. Dr. Nico Rose

for Positive Psychologie, Führung, Sinnstiftung

Fünf provokante Fragen an PersonalchefInnen für 2017

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Dies sei ein wenig Nachdenkfutter für Personalchefs und -chefinnen sowie jene Menschen, die das mal werden wollen – und überhaupt alle, die Freude am Nachdenken über Unternehmenssteuerung und die unterliegende Kultur haben…

Gewählte Führung

Wenn Sie Ihren Mitarbeitern zum Jahreswechsel turnusmäßig (z.B. jährlich) gestatten würden, demokratisch über die Be- und Absetzung aller Führungspositionen im Unternehmen zu entscheiden: Wieviel Prozent der Führungskräfte wären zu Silvester 2017 noch in Amt und Würden – vermutlich:

  1. ziemlich wenige.
  2. ziemlich viele.

Wenn die Antwort:

  • 1. lautet: Was sagt das über Ihre Führungskräfteentwicklung aus?
  • 2. lautet – und Sie dennoch keine Wahl zulassen: Was sagt das über Ihre Haltung zu den Mitarbeitern aus?

Freie Gehaltswahl

Wenn alle Ihre Mitarbeiter zum neuen Jahr ihr Gehalt frei bestimmen dürften, nachdem man ihnen ein paar Nachdenkhilfen an die Hand gegeben hätte (z.B.: „Was würden Sie in gleicher Position bei unserem wichtigsten Mitbewerber bekommen?“) – würden die Gehaltskosten:

  1. gar nicht steigen?

  2. ein wenig steigen?

  3. deutlich steigen?

Wenn die Antwort:

  • 1. lautet: Was hält Sie davon ab, diese Maßnahme umzusetzen?
  • 2. lautet: Können Sie sich vorstellen, dass das Plus an Vertrauen und Motivation der Mitarbeiter den leichten Anstieg der Kosten deutlich kompensieren könnte?
  • 3. lautet: Was sagt das über Ihr Lohnniveau und (vermutlich) die Wechselbereitschaft der Mitarbeiter aus?

Selbstorganisation

Wenn jeder Ihrer Mitarbeiter turnusmäßig (z.B. einmal im Halbjahr) komplett frei entscheiden könnte, woran und mit wem dieser in den kommenden sechs Monaten arbeitet – würde:

  1. der „Laden“ vermutlich auseinanderfliegen?

  2. alles vermutlich genauso gut (vielleicht sogar besser) funktionieren?

Wenn die Antwort:

  • 1. lautet: Was sagt das über den Reifegrad Ihrer Belegschaft, vor allem der Führungskräfte aus?

  • 2. lautet: Was hält Sie davon ab, diese Maßnahme umzusetzen?

Basisdemokratie

Wenn Sie ein Intranet implementieren würden, mit dem jeder Mitarbeiter des Unternehmens (unabhängig von Abteilung und Erfahrungsgrad) zu jedem beliebigen Thema (von der neuen Kaffeemaschine bis zur Unternehmensstrategie) Veränderungsvorschläge einbringen könnte – und die Geschäftsleitung wäre per Unternehmensverfassung dazu verpflichtet, diese Vorschläge umzusetzen, wenn sich nach ausgiebiger Diskussion über 50% der Belegschaft in einer Abstimmung dafür aussprechen (so lange nicht gegen geltendes Recht verstoßen wird) – würde:

  1. der „Laden“ vermutlich auseinanderfliegen?

  2. alles vermutlich genauso gut (vielleicht sogar besser) funktionieren?

Wenn die Antwort:

  • 1. lautet: Was sagt das über den Reifegrad Ihrer Belegschaft, vor allem der Führungskräfte aus?

  • 2. lautet: Was hält Sie davon ab, diese Maßnahme umzusetzen?

Volle Transparenz

Wenn sämtliche betriebsrelevante Daten Ihres Unternehmens (Finanzkennzahlen, Auslastung, Kundenzufriedenheit, alle Budgets usw.) für alle Mitarbeiter jederzeit frei einzusehen wären (so lange nicht gegen geltendes Recht verstoßen wird) – hätten Sie dann:

  1. ein Problem?

  2. kein Problem?

Wenn die Antwort:

  • 1. lautet: Welches Problem haben Sie dann konkret?
  • 2. lautet: Was hält Sie davon ab, diese Maßnahme umzusetzen?

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Falls Sie mir beim Durchlesen dieser Fragen innerlich den Vogel gezeigt haben (was völlig OK wäre, das ist ja u.a. der Sinn von provokanten Fragen...), dann lassen Sie mich bitte anmerken, dass es in Deutschland und anderswo schon längst viele Unternehmen gibt, die genau nach diesen Prinzipien steuern (lassen) – und typischerweise finanziell erfolgreicher agieren, nachdem die entsprechenden Veränderungen eingeführt wurden.

Ich weiß anhand der regelmäßigen Reaktionen auf meine Vorträge zu diesem Themenkreis, dass viele Menschen schnell geneigt sind, in etwa Folgendes zu sagen: „Das klingt ja alles gut und schön, aber das geht bei uns nicht, weil…“.

Zunächst: Es gibt gute Gründe für diese Reaktion. Wenn Sie beispielsweise Kernkraftwerke betreiben, ist es mir und allen Menschen auf dem Globus sehr recht, dass nicht einfach jeder Ihrer Mitarbeiter Veränderungsvorschläge einbringen und umsetzen darf. Alles hat seinen (guten) Kontext.

Auch sonst habe ich volles Verständnis für diese Reaktion. Ich rate meinen Zuhörern an dieser Stelle, möglichst nicht in die „Ganz-oder-gar-nicht-Starre“ zu verfallen. Stattdessen könnten hilfreiche Fragen lauten:

  • Welche Haltung (oder welches Prinzip) steckt hinter den vorgestellten Ansätzen? Was davon lässt sich auch in unsere bestehende Steuerung integrieren?
  • Wie viel Prozent dieser radikalen Vorschläge könnten bei uns funktionieren? Und worin genau könnte sich dieser Prozentsatz äußern?

Bonusfrage

Wenn Ihre Mitarbeiter zu Weihnachten einen Zauberstab geschenkt bekämen, mit dessen Hilfe diese im neuen Jahr ihre Ziele in perfekter Art und Weise erreichen könnten – allerdings mit:

  1. nur 5 Stunden Arbeit pro Tag.

  2. nur 5 Stunden Arbeit pro Woche.

Wäre das OK? Wenn die Antwort auf 1. und 2. „nicht OK“ lautet: Welche Überzeugungen und Glaubensgebäude stehen dahinter?

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About the author

Prof. Dr. Nico Rose
Prof. Dr. Nico Rose

Professor für Wirtschaftspsychologie, International School of Management

for Positive Psychologie, Führung, Sinnstiftung

Nico Rose ist der Sinnput-Geber. Aktuelles Buch: „Arbeit besser machen“. Laut Harvard Business Manager "einer der führenden Experten für Positive Psychologie in Deutschland“. Verheiratet, zwei Kinder. Heavy-Metal-Fan und Katzenfreund. Mitglied im FDP Wirtschaftsforum.
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