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Frank Stratmann

Frank Stratmann

für Gesundheitsbeziehungen

Gesundheit braucht Beziehung

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Ein neues Paradigma der Kommunikation für Krankenhäuser

Gerade eben habe ich in Berlin vor Kommunikationsmanagern aus deutschen Krankenhäusern über die Digitalisierung im Klinikmarketing gesprochen und die Folgen für die Kommunikation einer gesundheitlichen Einrichtung erläutert. Eigentlich habe ich gesungen. Und zwar einen Abgesang auf das überholte Paradigma einer gut gemeinten aber mittlerweile verfehlten, weil massenmedial geprägten Kommunikation von Gesundheitseinrichtungen.

Was sind Gesundheitsbeziehungen?

Seit 15 Jahren beschäftige ich mich mit dem Wesen einer sich wandelnden Kommunikation. Gerade bei diesem Thema kippen seit einigen Jahren viele Kommunikationsmanager und ihre Vorgesetzten aus ihrer Stresstoleranz. Dem möchte ich begegnen und einige Prämissen vorschlagen, die im Zeitalter eine digitaler werdenden Gesellschaft wichtig sind.

Seit dem letzten Jahr bringe ich den Begriff Gesundheitsbeziehungen in die allgemeine Diskussion um die Zukunft des Gesundheitsgeschehens ein. Meines Erachtens muss Kommunikation in sich verändernden Gesundheitsmärkten vollständig neu gedacht werden. Der Begriff ist Einladung und Imperativ zugleich, sich perspektivisch einer neuen, zeitgemäßen Managementtugend zuzuwenden – will sagen: Wir brauchen eine neue Führungsethik für die Kommunikation von Krankenhäusern.

Gesundheit & Beziehung

Unter Beziehung verstehen wir allgemein so etwas wie ein wechselseitiges Verhältnis, einen inneren Zusammenhang oder die Verbindung zu jemandem oder etwas. Gesundheit könnte man gemäß der Definition der WHO als Zustand umfassenden Wohlergehens bezeichnen, der nicht nur durch das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen gekennzeichnet ist. Überhaupt ist Gesundheit ein schillernder Begriff. Für den Philosophen Friedrich Nietzsche war Gesundheit dasjenige Maß an Krankheit, das es ihm noch erlaubte, seinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen. Und in der jüngeren Zeit bemerkte der Psychiater und Theologe Manfred Lütz: „Gesund ist, wer nicht ausreichend untersucht wurde.“

Gesundheit braucht Beziehung
gesundheitsbeziehungen.de

Das Wesen von Gesundheitsbeziehungen beschreibt sich am besten, in dem wir anerkennen, dass die am Gesundheitsgeschehen Beteiligten sich wechselseitig miteinander vertragen, arrangieren und ihr Verhältnis aktiv kommunizierend gestalten. Das kann auch bedeuten, sich auch mal voneinander zu lösen. Zum Beispiel weil eine Verbindung keine Hilfestellung im Umgang mit einer Krankheit verspricht oder Gesundheit in der gewählten Gesundheitsbeziehung nicht gelingen will.

Eine Gesundheitsbeziehung pflege ich zu allererst mit mir selbst. Auch die besonders hervorzuhebende Verbindung zur eigenen Mutter beschreibt sich als Gesundheitsbeziehung. Denn wir leben und sind dankbar und meist so gesund, dass wir – frei nach Nietzsche – den wesentlichen Beschäftigungen des Tages nachgehen können. Die Überlegungen zu Gesundheitsbeziehungen in diesem Aufsatz konzentrierteren sich indes auf die professionellen Verbindungen zwischen Gesundheitseinrichtungen und ihrem Umfeld.

Gesundheit ist ein schillernder Begriff

Medizinisch umrahmte, professionelle Gesundheitsbeziehungen bevorzugen die Menschen in der Regel dort, wo eine berechtigte Hoffnung besteht, gesund zu werden. Kurz gesagt: Es geht um Vertrauen.

In digitalen Zeiten nimmt allerlei Zeugs Einfluss auf diese Beziehungen. Gesundheitsakten, die schon da sind. Patientenakten, die noch kommen sollen. In jedem Fall ein Smartphone oder Sensorik, die wir am Arm tragen. Auch Medien bestimmen heute mit, wie Gesundheit gelingt.

Gesundheitsbeziehungen
Beziehung steht für ein wechselseitiges Verhältnis, einen inneren Zusammenhang oder einer Verbindung.

Gesundheit als Wert

Gesundheit als Wert verändert sich. Nicht zuletzt durch die Digitalisierung, die sich ihren Weg bahnt. Vergesellschaftet mit der Digitalisierung ist die Vernetzung der am Gesundheitsgeschehen Beteiligten. Medien nehmen Einfluss auf die Gestaltung von Beziehungen. Die daraus erstehende Dezentralisierung zielt auf die Umkehr zentralisierter Strukturen und der Auflösung von Knotenpunkten für Vertrauen.

Krankenhäuser leiden seit Jahren unter einer Vertrauenskrise in Gesundheitsbeziehungen, die sich in Richtung ihres Stammpublikums aufzulösen scheint. Obwohl man wechselseitig aufeinander angewiesen ist, erodiert das Vertrauensverhältnis. Das hat Folgen für die Art und Weise, wie miteinander gesprochen, interagiert und kommuniziert wird. So stellte der Werte-Index vom trendbuero Hamburg bereits 2012 anhand der Nutzer-Dialoge im deutschen Web auf Basis quantitativer und qualitativer Erhebungen fest:

Wir wollen jederzeit und immer länger gesund sein. Dem maroden Gesundheitssystem misstrauen wir aber zutiefst.
Prof. Peter Wippermann, Werte-Index 2012

Prof. Peter Wippermann schrieb außerdem: „Wo die Kontrolle aufhört, beginnt das Vertrauen. Vertrauen wird zum entscheidenden Erfolgskriterium unternehmerischen Handelns. Es entsteht, wo Werte geteilt werden. Für Unternehmen geht es darum, die Idee, warum das Unternehmen überhaupt existiert, mit den Ideen und Wünschen der Konsumenten zusammenzubringen. Wo sich beide treffen, entsteht ein Knoten und eine Festigkeit, die aus gemeinsamem Wollen besteht.“ Dabei ist der kleinste gemeinsame Nenner folgender:

Patienten wollen gesund werden. Krankenhäuser wollen ihnen dabei helfen.

Auch ein Krankenhaus steht im Wettbewerb und agiert im Gesundheitsmarkt als Unternehmen und es sollte sich den neuen Tugenden annähern. Deshalb lassen sich Wippermanns Anmerkungen auf Krankenhäuser übertragen. Menschen, die von einer Krankheit betroffen sind, nennen wir Patienten. Diese Patienten sind neuerdings auch Konsumenten. Sie konsumieren Gesundheitsinformationen in einem nie da gewesenen Umfang. Das begründet sich in der Zugänglichkeit, das Internet bei der Gestaltung von Gesundheit und Krankheit aktiv zu nutzen. So empfiehlt der Werte-Index 2018 rund 6 Jahre später, Krankenhäuser müssen sich den Szenarien rund um eine Krankheit öffnen. Ein zu enger Fokus auf die Leistungserbringung als Teil der Kompensation von Krankheit greift zu kurz. Die Menschen erwarten mehr Dialog in einer Gesundheitsbeziehung. Vor allem im Kontakt zu ihrem Krankenhaus.

Das kann bedeuten, dass sich ein Krankenhaus stärker mit seinem Umfeld vernetzt, sich quasi verbündet, auch mit scheinbar im Wettbewerb stehenden Organisationen. Die Vertrauenskrise legt sich über alles, was mit Gesundheit zu tun hat. Die Menschen fühlen sich befähigt und sind doch angewiesen auf eine professionelle, medizinische Versorgung. Ergo: Öffne Dich, liebes Krankenhaus. Der Imperativ, den kein Bürger oder Versicherter so ausspricht, der sich aber aus ihrem Verhalten in anderen Lebensbereichen ableiten lässt.

In dieser Tatsache liegen Kommunikationschancen, auf die wir im zweiten Teil näher eingehen werden.

Über den Autor

Frank Stratmann
Frank Stratmann

Mentor, Personal Digital Officer, Health Marketing Enthusiast & Blog-Essayist, betablogr.de

für Gesundheitsbeziehungen

Meine Überlegungen drehen sich um die digitale Transformation von Gesundheitsbeziehungen. Nach meiner Einschätzung verändert die Digitalisierung die Verhältnisse, in denen Gesundheit gelingt. Verändern sich die Verhältnisse, wandeln sich die Beziehungen.
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