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Oliver Koch

Oliver Koch

für Digitalisierung, Mensch, Technik

Gute KI, böse KI – Gibt es eine Grenze?

© vschlichting – stock.adobe.com; # 54367299

KI und Algorithmen sind im Alltag angekommen und bestimmen bereits weite Bereiche in der modernen Gesellschaft. Künftig werden sie auch in der Arbeitswelt zu einem bestimmenden Faktor werden. Doch der Grat zwischen Nutzen und Abhängigkeit ist schmal.

Es wird viel geschrieben und noch mehr geredet über das Thema Künstliche Intelligenz. „Denkende“ und selbstlernende Software ist einer der wichtigsten Bausteine bei der Digitalisierung - darüber herrscht große Einigkeit. Doch oft ist die Diskussion über künftige Auswirkungen wenig sachlich und angstbehaftet – leider ein allgemeines Phänomen, wenn es um das Thema digitale Transformation geht.

Es wird dabei vergessen, dass die Technologie schon heute ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unseres Arbeitslebens ist: zum Beispiel Chatbots, die mit Bewerbern sprechen oder KI-Routinen, die bereits heute zahlreiche administrative Aufgaben übernehmen. Das sind jedoch nur die Anfänge. Die Potenziale sind weitaus größer.

Entscheidungshilfen

In absehbarer Zeit werden intelligente Algorithmen auch die Chefetagen erobern. Führungskräfte haben im Idealfall immer das Ziel, das Unternehmen nach vorne zu bringen und die Zukunftsfähigkeit zu sichern. Technologien werden daher nicht zum Selbstzweck eingesetzt, sondern weil sie helfen, erfolgreich zu sein und Probleme zu lösen.

In der globalisierten, schnelllebigen Wirtschaft in einem immer komplexeren, vernetzten Umfeld sind eine breite Datenbasis und Geschwindigkeit bei Entscheidungen eminent wichtig für Erfolg. Und letztere bieten intelligente Algorithmen. Der Vorteil liegt darin, dass sie eine viel größere Anzahl an Daten auswerten können, zugeschnitten auf eine ganz bestimmte Situation - wesentlich präziser als ein Mensch. Sinnvoll ist dies überall dort, wo komplexe, vielschichtige Entscheidungen in kurzer Zeit getroffen werden müssen, beispielsweise bei der Betrugsprävention von Versicherungen und Banken.

Einsatzmöglichkeiten

Die KI kann Risiken sowie Szenarien analysieren und im Anschluss sogar Handlungsweisen vorschlagen oder sogar vorgeben. Das kann dann bei einer lernenden KI sogar so weit gehen, dass diese den Chef vorübergehend ersetzen kann. Hat sie seine Vorgehensweisen gut genug analysiert, kann sie ein Handlungsbild erstellen und dieses entsprechend einsetzen.

Ein konkretes Beispiel für die Anwendungsmöglichkeiten eines Algorithmus ist der Bereich Personalauswahl. So muss man davon ausgehen, dass der Algorithmus frei von den menschlichen Verzerrungen wie Sym- oder Antipathien ist. Der Maschine ist es egal, welcher Herkunft ein Arbeiter ist, welche Religion oder Ansichten er hat. Sie handelt also gerecht sowie fair und erkennt somit die besten Kandidaten – so die Theorie.

Haben Maschinen Vorurteile

Doch leider ist dies nur Theorie. Denn es ist nicht auszuschließen, dass auch KIs ihre „Vorurteile“ haben. Maschinen entscheiden auf Grundlage von Algorithmen und Daten, die letztendlich von Menschen gemacht sind. Und diese haben nun einmal Vorurteile, ob gewollt oder nicht. Vor der Auswahl von Bewerben beispielsweise wird die Maschine mit den relevanten Informationen zur Auswahl von den Personalern gefüttert. Und können damit deren Muster übernehmen.

Gerade selbstlernende Systeme – der nächste Schritt in der KI-Entwicklung – basieren nicht nur auf den fehlerhaften Eingaben, sondern lernen noch aus diesen Daten und bestätigen sich selbst aus den zuvor selbst hergestellten, falschen Zusammenhängen.

Zu viel Vereinfachung?

Auch bringt diese Art der Entscheidungshilfen und -vorlagen gewisse Gefahren mit sich. Neben der oben aufgezeigten fraglichen Datenlage ist oft auch gar nicht klar, nach welcher Logik die Algorithmen arbeiten und durch was ihre Entscheidungen beeinflusst werden.

Zudem begeben sich Führungskräfte in eine gewisse Abhängigkeit und erliegen eventuell der Versuchung, wichtige Entscheidungen durch KI zu vereinfachen: Daten eingeben und KI Schlussfolgerungen ziehen lassen. Menschlicher Einfluss wie Intuition – ein Garant für Innovation - fehlt hierbei komplett.

Gut oder böse

Um die Frage aus der Überschrift zu beantworten: Die Grenze zwischen guter und böser KI ist nicht genau zu verorten. Am ehesten ist Kritik da angebracht, wo der menschliche Einfluss und Kontrolle komplett abhanden geht. Die Möglichkeiten der Technologie für die Führungskraft, die Entscheidungsqualität punktuell zu verbessern und komplexe Prozesse zu vereinfachen, sind hervorragend. Doch letztlich wird der Mensch aufgrund von Fähigkeiten wie Empathie, Kreativität oder und nicht zuletzt die Fähigkeit, Urteile aus dem Bauch heraus zu fällen, auf absehbare Zeit unentbehrlich bleiben.

Über den Autor

Oliver Koch
Oliver Koch

Geschäftsführer, SOLCOM GmbH

für Digitalisierung, Mensch, Technik

Oliver Koch ist Geschäftsführer der SOLCOM GmbH, einem der führenden Technologiedienstleister in den Bereichen IT und Engineering. Aus dieser Erfahrung heraus schreibt Oliver Koch als Experte über die Auswirkungen der digitalen Transformation.