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Ivo Bättig

Ivo Bättig

für Responsive Organisations

Holacracy in der Praxis: Die richtigen Werkzeuge und diese richtig nutzen

CentrArredo - CC0 Creative Commons
Holacracy - ein vielfältiger Werkzeugkasten

Aller Anfang ist schwer

Holacracy ist Anfangs bestimmt nicht ganz einfach zu verstehen. Vieles fühlt sich erstmal sehr befremdend und auch ineffizient an. Erst mit der Zeit lernt man zu verstehen warum diverse Regeln/Prozesse so Sinn machen - und dann lernt man dies auch stark zu schätzen - es fühlt sich plötzlich extrem leichtgewichtig an, überhaupt nicht mehr befremdend, sondern eher befreiend. Doch dies geschieht nicht durch das Lesen von Büchern, sondern muss selber erlebt werden. Ich durfte gerade letzte Woche als Coach in einer Holacracy-Ausbildung wieder die Erfahrung machen, wie selbst kritisch eingestellte Personen Schritt für Schritt über die Tage die Holacracy-Werkzeuge schätzen gelernt haben.

Richtig und richtig

Die Mechanik hat man als Organisation nach 2-3 Monaten erstmal genügend im Griff. Die Meeting-Formate spielen sich ein und es können in kurzer Zeit gute Resultate erzielt werden. Die nächste Stufe ist dann jedoch nicht nur mit den neuen Werkzeugen zu arbeiten, sondern den Werkzeugkasten möglichst gewinnbringend einzusetzen, d.h. 

  • die einzelnen Werkzeuge (Prozesse, Meetingformate, Domänen, Policies, Kernrollen, etc.) gut zu kennen und richtig einzusetzen (Steigerung der Effizienz) und
  • die richtigen Werkzeuge zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen (Effektivität). 

Es geht nicht mehr darum die Prozesse immer besser zu beherrschen, sondern den neuen Werkzeugkasten für die eigene Organisation richtig einzusetzen - ich meine damit nicht, dass man sich nicht an die Regeln halten soll, doch eine höhere Prozessmaturität bringt nichts, wenn die Werkzeuge nicht richtig eingesetzt werden können. Dann kann ich zwar als Unternehmen gut Holacracy “machen”, doch damit haben ich noch keine Kunden erfolgreich gemacht.

Maturität erhöhen

Der Schritt der Ratifizierung ist ein sehr grosser Schritt - schliesslich verteilt (und vermehrt!) man die Macht in der Organisation und alle müssen sich ab sofort an die Prozesse der gemeinsamen Verfassung halten. Danach ist jedoch Holacracy nicht gleich Holacracy, denn es ist alles eine Frage der Maturität wie man Holacracy lebt, ausbaut und verändert - dadurch können sich Holacracy-Firmen auch stark voneinander unterscheiden. Diese Anpassungsfähigkeit finde ich sehr wertvoll - man startet mit einem klar definierten Rahmen und kann diesen dann über die Zeit den Bedürfnissen anpassen - jedoch nicht auf dem Reissbrett, sondern durch real erlebte Spannungen und Vorschläge.

Bei uns (unic) geht es beispielsweise aktuell nicht darum die Maturität der Selbstorganisation um jeden Preis zu erhöhen. Eventuell ist sogar sinnvoll in gewissen Bereichen erst Mal auf einer bestimmten Maturität zu bleiben und dort erst Mal Erfahrungen zu sammeln und besser zu werden.

Lösungswege aufzeigen

Wichtig ist es die Mitarbeitenden zu unterstützen mit den Werkzeugen richtig um zu gehen. Es gibt Leute die haben gute Ideen, wissen aber nicht wie man diese mit den neuen Holacracy Werkzeugen umsetzen kann. Hier gilt es Lösungswege aufzuzeigen. Aus meiner Erfahrung lässt sich eigentlich für jedes “Problem” ein Lösungsweg finden, welcher kompatibel mit den neuen Prozessen ist - nebst Kreativität braucht es dazu auch etwas Lust & Willen dies zu tun ;-).

3 Tipps, um den Werkzeugkasten besser zu beherrschen

  • RTFM (siehe Wikipedia): Es hilft die Werkzeuge zu kennen. Ohne diese Kenntnisse bin ich verloren in dem neuen System. Gerade Manager haben oft nicht die Muse sich die Zeit zu nehmen, um diese neuen Regeln erstmal zu verstehen. Wenn ich sie nicht kenne, kann ich sie auch nicht anwenden. D.h. ich empfehle sich von Anfang an die Zeit zu nehmen sich mit diesen auseinanderzusetzen - und auch zu üben.
  • Der nächste kleine Schritt: Oft ist ein Problem zu komplex um die Lösung gleich zu skizzieren. Es reicht dir zu überlegen welches der nächste kleine Schritt ist, um der noch nicht bekannten (und eventuell auch laufend sich verändernden) Lösung näher zu kommen - nur der nächste kleine Schritt - das reicht vorerst völlig - von da an den nächsten, und nächsten und nächsten - immer wieder ausgehend von real erlebten Spannungen - kein Kopfkino.
  • Was für Arbeit: Überlege dir welche Arbeit für die Lösung deines Problems gemacht werden muss - ganz konkret welche Arbeitsschritte/Tätigkeiten. Bilde diese dann in einer Rolle ab. Es braucht noch keine ausgereifte Rollendefinition - diese wird sicher über die Zeit geben. Auch hier - Schritt für Schritt.
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Mache nächste Schritte und profitiere von den Tipps aus der Praxis aus der Serie "Holacracy-Praxis" in a nutshell

Teil 1

  • Sachen lernen und entlernen
  • Los lassen
  • Maturitätsfrage
  • Prozess & Kultur

Teil 2

  • Schnittstellen
  • Keine Chefs, also keine Leaders? 
  • Reale Rollen und Spannungen
  • Verlässlichkeit & Anpassungsfähigkeit

Teil 3

  • Die Macht der kleinen Schritte
  • Rollenbasierte Unternehmenssoftware
  • Reason Why
  • Spannungen

Teil 4

  • Vorschläge sind per se gültig
  • Ausprobieren
  • ...noch was zu Sinn & Zweck

Teil 5

  • Eine längere Reise
  • Dürfen heisst nicht immer Sollen
  • Nicht welches System passt, sondern was will ich als Firma erreichen

Teil 6

  • Geschehen lassen

  • Kein Gärtchen denken

  • Umgekehrte Beweislage

Über den Autor

Ivo Bättig
Ivo Bättig

Partner, Unic

für Responsive Organisations

Seit Jahren in "klassischen" Führungsfunktionen unterwegs und stets mit Fragen der Organisations- und Unternehmensentwicklung beschäftigt. Heute Partner bei Unic und überzeugt, dass die Digitale Transformation mehr als neue Technologien braucht - es gilt Organisationen und Arbeit anders zu leben.
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