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Ivo Bättig

Ivo Bättig

für Responsive Organisations

Holacracy-Praxis in a nutshell - Teil 3

Elektro-Plan
Kleine stetige Schritte bringen laufend mehr Klarheit und einen optimalen Zustand

Ein paar weitere wichtige Erkenntnisse aus unserer (Unic) Holacracy-Praxis in Kürze. Dies soll einen Einblick in diese grosse Veränderung geben und auch Fragen/Meinungen aufbringen, welche es in der neuen Organisation- und Arbeitsform zu diskutieren und lösen gilt.

Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2

Die Macht der kleinen Schritte

Wir ändern die Organisation in kleinen Schritten, und stetig. Dadurch passen wir diese laufend einem Idealzustand (oder sogar wir besser zu einem optimaleren Zustand) an - wobei ideal oder optimal sich auf die Markt/Kundenausrichtung beziehen. Dadurch habe ich keine starre Struktur, welche ich alle fünf Jahre aufwendig durch eine Reorganisation wieder nach dem Markt ausrichte, sondern eine Struktur welche stetig im Fluss ist. 

Dadurch entstehen u.a. auch Unterschiedlichkeiten, d.h. die Kreise passen sich unterschiedlich an - das ist gut so, denn wenn sie dies tun, macht es wohl einfach Sinn für sie (wir gehen ja davon aus, dass alle das Interesse haben den Sinn & Zweck des Kreises möglichst gut zu erfüllen und stets zu verbessern).

Nutze die Macht dieser kleinen und stetigen Schritte und es entsteht laufend mehr Klarheit und ein idealerer Zustand. Stell dir auch bewusst die Frage "Safe enough to try?" - können wir den nächsten Schritt wagen? Im Wissen, dass wir diesen bei Bedarf auch rasch wieder anpassen können? Meist lautet die Antwort "Ja", denn der nächste kleine Schritt bringt uns weiter - weiter als wir heute sind. Wir machen diesen nur nicht, wenn er uns zurückwirft oder schadet.

Rollenbasierte Unternehmenssoftware

Auf diesen Punkt habe ich leider auch keine guten Antworten - wir kämpfen auch damit ;-). Heutige Unternehmenssoftware bezieht sich fast immer auf Benutzer und nicht Rollen. In Zukunft wird sich dies hoffentlich ändern und Rollen werden mehr Bedeutung bekommen. Daher gilt es aktuell noch mit "Workarounds" zu arbeiten. Ebenfalls gibt es noch viel Potential was den Umgang mit der Dynamik von Kreisstrukturen angeht, d.h. Strukturen sehr schnell zu ändern, ohne dass es jeweils viel manuelle Arbeiten für die Anpassungen in der Unternehmenssoftware braucht.

Glücklicherweise gibt es in einem holakratischen System sehr viel mehr Transparenz, d.h. es braucht deutlich weniger Abgrenzung/Schutz vor gegenseitigem Datenzugriff. Klar, gilt dies nicht für Personaldaten oder Kundendaten, welche speziell geschützt werden müssen.

Reason Why

Simon Sinek hat in einem seiner TED-Talks einiges dazu zu erzählen. Im Zentrum soll das WARUM und nicht das WIE und WAS stehen. Das WARUM ist unser Antrieb - wenn mir dieses bewusst wird, dann bin ich viel motivierter als wenn ich einfach einem Ziel hinten nach springe.

In Holacracy ist das WARUM direkt im Sinn & Zweck (Purpose) des Kreises und/oder der Rolle abgebildet. D.h. jede(r) Kreise/Rolle hat das WARUM im Zentrum - es ist die Aufgabe jedes Kreismitgliedes sich stetig Gedanken zu machen, wie der Sinn & Zweck seiner Rolle noch besser erfüllt werden kann (siehe Spannungen im nächsten Punkt).

Warum das WARUM so wichtig ist: "Mitarbeiter müssen wollen was sie sollen und nicht hören was sie müssen" (kudo für diesen Spruch an Michael Loehner)

Spannung

Eine Spannung ist ein erkanntes Potential um den Sinn & Zweck (Purpose) seiner Rolle noch besser zu erfüllen ODER ein erkanntes Problem. Alle Kreismitglieder haben die Aufgabe Spannungen in Holacracy-Meetings zu bearbeiten und dadurch das System laufend vorwärts zu bringen.

Da jeder Mitarbeitende Spannungen einbringen kann (und soll) nutze ich das Sensorium aller Mitarbeitenden, was ein unheimliches Potential an Veränderung, Optimierung und Innovation mit sich bringt.

Aber Achtung, in Holacracy werden Spannungen NUR in Kombination mit einem Vorschlag formuliert (kein MAN sollte oder Probleme in den Raum werfen). D.h. ich muss mir auch stets Gedanken zu einer möglichen Lösung machen. Dafür sind meine Vorschläge per se Mal gültig - was sehr motivierend ist, ausser sie würden uns Schaden, aber zu dem Punkt schreibe ich ein andermal was dazu.

Über den Autor

Ivo Bättig
Ivo Bättig

Partner, Unic

für Responsive Organisations

Seit Jahren in "klassischen" Führungsfunktionen unterwegs und stets mit Fragen der Organisations- und Unternehmensentwicklung beschäftigt. Heute Partner bei Unic und überzeugt, dass die Digitale Transformation mehr als neue Technologien braucht - es gilt Organisationen und Arbeit anders zu leben.
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