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Ivo Bättig

Ivo Bättig

für Responsive Organisations

Holacracy = Teal? Über Ganzheitlichkeit, den Sinn & Zweck und die Selbstorganisation

CC0 Public Domain

Die Lösung dieser Logikaufgabe ist ziemlich leicht. Holacracy = Teal? Nein, falsch. Bei allen die Laloux gelesen haben standen wahrscheinlich schon beim Lesen des Titel die Haare zu Berge :-).

Eine Teal Organisation (Begriff definiert durch Frédéric Laloux), zeichnet sich nach meinem Verständnis (ja stark vereinfacht, dafür konkret und hoffentlich verständlich) durch das Triumvirat Ganzheitlichkeit, Streben nach Sinn & Zweck und Selbstorganisation aus:

  • Bei der Ganzheitlichkeit geht es darum, dass ich als "ganzer" Mensch in einer Organisation tätig sein kann - ohne eine Maske/Hülle, welche ich zur Arbeit anziehen muss. Ich kann so sein wie ich bin und bringe mich als Mensch und "nicht nur als Arbeitskraft" in die Organisation ein. 
  • Streben nach Sinn & Zweck (oder in Englisch Purpose-Driven”) bedeutet, dass sich die Organisation nach einem Warum (oder Wofür) ausrichtet - ein Warum, dass mich motiviert und antreibt und mir den Sinn meiner Arbeit bewusst macht.
  • In der Selbstorganisation geht es darum, wie der Name erraten lässt :-), sich selber zu organisieren, d.h. ich habe niemandem der mir meine Arbeit priorisiert und mir sagt wie ich die Arbeit erledigen soll.

Welchen Teil von Teal kann ich nun mit einer Holacracy-Organisation erreichen oder worin unterstützt mich das Holacracy-Organisationssystem?

Ganzheitlichkeit

Der Teil “Ganzheitlichkeit” wird nach meinen Erfahrungen durch das System komplett ausgeblendet. Sogar sehr bewusst, indem mir Holacracy klar aufzeigt, wie man sich in einer Rollenwelt organisiert und Mensch und Rolle sehr explizit voneinander trennt. Auf der einen Seite hilft diese Trennung nicht immer gleich persönlich zu werden und schärft das eigene Rollenverständnis, anderseits müssen den Themen Mensch und Ganzheitlichkeit unbedingt von Anfang einer Holacracy-Transformation an Beachtung geschenkt werden. Indem man beispielsweise dedizierte Gefässe für Feedback, Austausch, Zusammenhalt und Konfliktlösung schafft - und wo sich Menschen als Menschen und nur in ihren Rollen begegnen

Streben nach Sinn & Zweck

Der Teil “Streben nach Sinn & Zweck” (Purpose-Driven) ist inhärenter Teil des Organisationssystem Holacracy indem die Organisation, jeder Kreis und jede Rolle einen eigenen Sinn & Zweck hat - jeweils abgeleitet vom äusseren Kreis. Doch das Leben der Holacracy Regeln und Prozesse bedeutet noch lange nicht, dass eine Organisation Purpose-Driven funktioniert. Die "technische" Abbildung auf jedem Kreis/Rolle hilft sicher sich dessen bewusster zu werden als irgendeine abstrakte Unternehmens-Vision oder -Mission, ein Marketingslogan oder harte Ziele nach denen gestrebt werden soll, jedoch muss die Organisation sich bewusst mit diesem Thema auseinandersetzen, damit dieser Purpose bewusst und konkret wird. Wie ich schon in anderen Erfahrungsberichten beschrieben habe liegt Anfangs der Fokus sehr stark auf dem Prozess (da dieser so schwierig scheint) und daher geht nebst der Ganzheitlichkeit auch dieser Teil des Triumvirats oft unter. D.h. es braucht Formate um sich dem Sinn & Zweck bewusst zu werden, diesen zu konkretisieren und zu erleben - sei es durch Beispiele oder konkrete Massnahmen sich mit diesem auseinanderzusetzen (z.B. sich zu Fragen was der Sinn & Zweck für mich selber oder den Kreis bedeutet und wie ich diesen erlebe oder erlebbarer machen könnte). Siehe dazu auch das Video von Stefan Faatz-Ferstl, welches die Idee des Purpose gut erklärt.

Selbstorganisation

Der Teil “Selbstorganisation” ist ein zentraler Baustein von Holacracy. Es ist quasi schon eine Voraussetzung für eine funktionierende Holakratie. Doch ich kann die Mitarbeitenden nicht am Freitag nach Hause schicken und am Montag kommen diese selbstorganisiert zurück an die Arbeit. D.h. die Entwicklung in eine Selbstorganisation dauert seine Zeit. Viele sind sich dies nicht gewohnt, mögen/können/wollen nicht selber entscheiden und können mit dieser Freiheit, aber eben auch Verantwortung, Anfangs nur schwer umgehen. Was mir an Holacracy gefällt, ist dass es dich durch die klaren Regeln zwingt selbstorganisierter zu werden. Holacracy kann hier als Mittel zum Zweck gesehen werden, selbstorganisierter zu werden. Durch die Selbstorganisation entsteht mehr und raschere Veränderung, mehr Ausprobieren und dadurch Innovation und mehr Geschwindigkeit durch dezentralere Entscheide - alles Veränderung um sich dem Markt und Kunden dynamischer anzupassen und dadurch ein Unternehmen erfolgreicher zu machen. Und sobald man als Mitarbeitender mit der Selbstorganisation besser umgehen kann, macht es auch noch mehr Spass - es tut gut, dass zu tun was ich als sinnvoll und wichtig erachte und nicht nur irgendwelchen Zielen nachzuspringen. Aber ja, es bedeutet mehr Verantwortung für jeden, die Verantwortung seine Arbeit selber zu organisierten, zu priorisieren, nötige Informationen einzuholen und Entscheide zu fällen. Im Bewusstsein, dass wir eine Organisation haben, welche sich jedoch auch rasch wieder anpassen lässt und genügend Werkzeuge hat, kombiniert mit der grundsätzlichen Transparenz, um genug sichere Entscheide zu treffen.

Fazit

Will ich meine Organisation also zu einer Teal-Organisation machen reicht es nicht einfach (wobei das schon genug schwierig ist ;-)) Holacracy einzuführen, sondern ich muss mich bewusst mit den Themen "Ganzheitlichkeit" und "Streben nach Sinn & Zweck" auseinandersetzen. Mit Holacracy alleine kann keine umfassende Teal-Organisation gestalten werden - aber wir haben sicher schon Mal eine gute Basis um rasch zu lernen und uns stets in kleinen Schritten weiter zu entwickeln.

Erfahre mehr zu Holacracy in der Praxis: Die richtigen Werkzeuge und diese richtig nutzen

Über den Autor

Ivo Bättig
Ivo Bättig

Partner, Unic

für Responsive Organisations

Seit Jahren in "klassischen" Führungsfunktionen unterwegs und stets mit Fragen der Organisations- und Unternehmensentwicklung beschäftigt. Heute Partner bei Unic und überzeugt, dass die Digitale Transformation mehr als neue Technologien braucht - es gilt Organisationen und Arbeit anders zu leben.
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