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Daniel Jung

Daniel Jung

for Bildungstransformation, New Learning, Digitales Lernen, Bildungswesen

Lebenslanges Lernen – aber wie?

svetikd/Getty Images

Ich betone es bei meinen Voträgen mit Nachdruck: Einen Wandel im Bereich Lernen und Lehren wie zur Zeit, erlebt man nur einmal in 1000 Jahren! New Work ist in aller Munde und es ist mittlerweile den meisten klar, dass wir in den kommenden 15 Jahren mehr technologische Veränderungen sehen werden als in den kompletten 100 Jahren zuvor. 60% Prozent der Jobs in der nächsten Dekade sind noch gar nicht erfunden, ab dann werden sich Jobs permanent neu entwickeln. Zeit also das Lernverhalten darauf abzustimmen!

Lernen durch Erklären

Ich möchte mit etwas beginnen, was meines Erachtens viel zu kurz kommt, womit ich selber immer besser geworden bin und was mit digitalen Medien einfacher denn je umzusetzen ist: Lernen durch Erklären! Richard Feynman war bekannt für seine simplen Erklärungen von wissenschaftlichen Konzepten. Von ihm stammt der Spruch: "Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, versteht man es nicht.“ In dem Maße, wie ich mich mehr und mehr damit beschäftigte diverse Bereiche der Mathematik einfach und auf den Punkt in Videoform zu erklären, verbesserte sich mein Verständnis für Zusammenhängen. Das Ganze wurde bestärkt durch das Beantworten von speziellen Fragen in den Kommentaren. Das ist auch der Grund warum wir unter www.mathefragen.de Lerner zu Helfern animieren wollen, viele sind sich um die positiven Effekte noch garnicht bewusst. Man beschäftigt sich intensiver mit dem Thema, man hat Verantwortung es gut zu erklären (daher arbeiten wir an Bewetungsmechanismen wie gut jemand hilft) und durch das Erklären wird man sicherer.

Wissen teilen dank Crowd-Learning

Das Klären von speziellen Fragen (digital, on Demand) ermöglicht das Crowd-Learning bzw Co-Learning (dank an die Sharing Economy). In vielen Bereichen bekommt man die Sharing Economy (Teilen-statt-Besitzen-Bewegung) mit. Man wohnt dank der Plattform AirBnb lieber bei fremden Person als im Hotel, man bucht via der Plattform UBER statt ein Taxi oder man teilt sich den Arbeitsbereich dank der WeCompany. Die Vorteile liegen für das Lernen klar auf der Hand: das permanente Austauschen von Wissen, ohne von Ort und Zeit abhängig zu sein. Dazu ein potenzieller Zugang zu hochdekorierten Experten, wie es nie zuvor möglich war. Wo es zu Beginn nur schwerlich zu bedienende Foren waren, bieten heute intuitive Plattformen beste Möglichkeiten voneinander zu profitieren.

Häppchenlernen

Vor allem in Bereichen wie der Mathematik sind Lern-Nuggets (Lernhäppchen, kürzere Lerneinheiten) auf dem aufsteigenden Ast, sehr gut zu produzieren und für jeden (ob Lernender oder Lehrender) individuell einzusetzen in Form von Bite Sized Learning und Micro Learning. „Die wahre Mangelware wird in naher Zukunft menschliche Aufmerksamkeit sein“, so Satya Nadella, CEO von Microsoft und dafür ist das „mundgerechte“ Lernen in kleinen Portionen wie gemacht und für viele Bereich auch zeitgemäß. 

Videos als Lernformat

Seit dem Buchdruck, durch den Wissen für eine breite Masse zur Verfügung bereitgestellt werden konnte, gab es keine "Wissens-Revolution" mehr in diesem Ausmaß - bis zum Video! Videokasetten meine ich damit nicht, denn die haben nicht die Verbreitung und den Impact gehabt wie derzeit produzierter Videocontent. Warum? Der Großteil hat mittlerweile einen "Videorecorder" von höchster Qualität in der Tasche (Smartphone), die Internetleitungen werden besser (bald bestimmt auch fächendeckend in Deutschland), vor allem Plattformen wie YouTube ermöglichen eine einfache Distribution und das Erreichen vo einem potenziellen Millionenpublikum ohne hohe finanzielle Kosten. Als Lernformat verbindet das Lernvideo das Hören von Inhalten mit dem Sehen und dem Erklären. Das ganze mit Tutoren meiner Wahl, wann, wo und sooft ich die Erklärsequenz brauche. Man packe diese neue "Massenlernphänomen" in eine technologische U'mgebung mit zusätzlicher Lernunterstützung und es enstehen nie dagewesene Möglichkeiten. So gesehen ist mit Unterstützung von Softwaretechnologie der Grundstein gelegt für das von Sal Khan (Gründer der Khan Academy) oft angesprochene Mastery Learning - zielgerichtetes Lernen, ohne dass dabei Lücken entstehen. Durch den Zugriff auf digitale Lernformate in Form von Videos, Skripten und Vernetzung mit Experten sind ungeahnte Möglichkeiten entstanden, nicht mehr „auf Lücke zu lernen“ und diese auf einander aufbauen zu lassen, sondern dank dem Messen und Auswerten der Lerndaten individuell zum Verständniserfolg zu kommen. Ich empfehle das Video Lets Teach for Mastery - not for Scores.

Selbstorganisiertes Lernen

Das selbstorganisierte Lernen ist nicht mal eben gemacht bei der Flut an Informationen und Lerntools. Es ist auch die Frage in ab welchem Alter mit welchen Themen es Sinn macht. Sugata Mitra (ein englischer Professor für Technologie) hat mit seinem Projekt „School in the Cloud“ mit Tests in ärmeren Regionen begonnen, wo man in einem Dorf ein Terminal mit Bildschirm, Tastatur und Internetzugang platziert hat. Nach und nach brachten sich die Kids Englisch bei. Keine Sorge, es geht weiter ;) Das Projekt wurde durch per Skype zugeschaltete Nannys für spezielle Fragen ergänzt und um Schulen vor Ort optimiert. Es zeigt sich hier zu Beginn, welche Möglichkeiten der Zugriff auf Bildungsinhalte für das SOLE (selbst organisierte Lernen) bedeutet. Mit fortschreitendem Alter und steigendem Bewusstsein im Umgang mit digitalen Medien ist es das perfekte Werkzeug für lebenslanges Lernen. Ein weitere Vorteil: man trainiert komplexe Problem zu lösen, denn sich als Ziel zu setzen ein neues Thema zu erlernen in eigener Regie erfordert das richtige Zusammenstellen der Lehrinhalte, zeitliche Koordination, usw.

Spielerisches Lernen

Wir sollten bei allem das Spiel nicht vergessen! Gerald Hüther ist hier erwähnenswert, der erwähnt, welche Kraft das Spielen im Hinblick auf das Lernen hat. In jungen Jahren bleibe ich derzeit bei den bekannten tech-freien Spielen wie Fangen, Verstecken und Co, es sei aber eine Geschichte erwähnt zum Thema Computergaming: Ein Junge rettete vor einigen Jahren das Leben seiner Oma, als diese beim Autofahren ohnmächtig wurde und der Junge das Steuer blitzartig übernahm und eine Crash im Gegenverkehr verhinderte. Er sagte, er verdanke seine Reaktionsmöglichkeit Super Mario Kart . Man sollte die Möglichkeiten von Videogames als Unterstützung in Erwägung ziehen. Das führt zu einem Part, der gar nicht neu ist und man von allen tollen Lernerfahrungen noch kennt: Lernen mit Emotion! Nichts geht über das Feiern einzelner oder gemeinsamer Erfolge (war nicht Sport grundsätzlich für die meisten ein Lieblingsfach). Was, wenn das Lernen und Lehren von Physik, Mathematik, Geschichte und Co. unterstützt durch Technologie zum Teamsport werden würde? Der Coach inspiriert, sei es durch den klassischen Vortrag zu einem Thema oder unterstützend beim aktiven Üben unter Mithilfe digitaler Medien. Mehrere Coaches arbeiten vor Ort Hand in Hand (der Biologie- mit dem Informatik- mit dem Mathematikexperten zum aktuellen Brennpunktthema das menschliche Lernen in neuronalen Netzwerkstrukturen auf Maschinen zu projizieren). Online stehen jederzeit bei Bedarf nahezu unbegrenzte Reserven an Tutoren zur Verfügung, die nach persönlichen Geschmack Wissen ergänzen oder Lust auf Neues wecken - und dies tatsächlich und trotz keinem direkten Kontakt mit dem Wecken von Emotionen!

Wenn ihr euch jetzt fragt, wo die Ressourcen der Coaches herkommen sollen, dann wäre es zumindest ein Beginn die digitalen Ressourcen zu nutzen und zwar nicht in der Form, dass Lernende alleine im Internet schauen sollen, sondern man z.B. TED Talks gemeinsam schaut und im anschließenden Dialog vertieft.

Was bringt die Zukunft?

Ich habe mich immer zurückgehalten in Themen, in denen ich nicht tief genug verwurzelt bin und so ist bei Augmented und Virtual Reality. Was ich mir hier in Zukunft vorstellen kann, ist vor allem in der Mathematik die Veranschaulichung von 3D Zusammenhängen, aber auch unglaubliche Möglichkeiten z.B. in der medizinischen Aus- und Weiterbildung.

Was heißt denn nun dieses „Lebenslang Lernen“? Im Zeitalter exponentiellen Wandels reicht es nicht mehr einen bestimmenden Wissensstand zu haben und mehrere Jahre damit eine gewisse Arbeit zu verrichten. Routine-Aufgaben werden mehr und mehr durch Maschinen übernommen (man muss hier sagen zum Glück, da wir von Natur aus uns kreativ entfalten wollen und wir nicht drauf ausgerichtet sind monoton das gleiche zu machen). Vielleicht ist der beste Tipp, den man nun immer und immer wieder hört: "Lernen wie man persönlich am besten lernt" ist ein wichtiger Skill!! Ich denke hier besteht eine große Chance mit der Unterstützung von Künstlicher Intelligenz herauszufinden, welcher Lerntyp man eigentlich ist. Meines Erachtens sollte das vor allem in der Schule schon mit Programm für alle Lehrenden sein, dabei die Lernenden zu unterstützen und so auf die berufliche Zukunft bestens vorzubereiten.

Jeder, der aktiv dabei hilft unseren Nachwuchs dahingehend vorzubereiten, sollte dies öffentlich kommunizieren und neue Mitstreiter dazugewinnen. Es ist dringend notwendig, dass wir mehr Umsetzen, statt nur über Potenziale und Möglichkeiten zu reden.

Beste Grüße,

Daniel Jung

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Die Zukunft der Arbeit: Wir wissen, dass wir – aufgrund von Digitalisierung, Demographie & Co. – in zehn, fünfzehn Jahren völlig anders arbeiten werden, als wir das heute tun. Wird die Arbeitswelt dann wirklich besser und menschlicher sein? Immer mehr Unternehmen setzen sich genau dafür ein und stellen jetzt die Weichen für eine bessere Arbeitswelt. XING hat sich aus diesem Grund zu NEW WORK SE umbenannt – mehr zu den Hintergründen verrät Thomas Vollmoeller, CEO der NEW WORK SE, in seinem Insider Beitrag.

About the author

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Mathetutorial Pionier, „New Learning“ Entrepreneur, Speaker, Bildungsvisionär, Daniel Jung Academy | Coaching.Media.Education.

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Knapp 200 Millionen Mal wurden meine Mathematik Lernvideos im Internet genutzt und finden additiven Einsatz in unterschiedlichen Bereichen. Meine Unternehmen entwickeln sowohl analoge, als auch digitale Lernprodukte. Auf meiner neuen Lernplattform bringen wir Lerner und Helfer intuitiv zusammen.
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