Kai Schmidhuber

Kai Schmidhuber

for Internet & Technologie, Marketing & Werbung, Personalwesen, Wirtschaft & Management

Mist! Die 3 größten Digitalisierungs-Fehler in 2019 und überhaupt

Stellen wir uns einmal mutig der powerpointverklärten Digital-Realität. Ich habe in 2019 so unendlich viele Events, Kongresse und "Happenings" besucht, Keynote-Präsentationen und Best-Practice-Offenbarungen anderer Unternehmen gehört. Sie auch?

Meine Meinung dazu, sinngemäß nach dem Spruch vom glänzenden Gold: Nicht alles ist digitalisiert, das blinkt! Und konkret: Die reine Digitalisierung ist ungefähr so nützlich wie ein Pizzateller für Kartoffelsuppe. 

Doch woran liegt das? Was sind die häufigsten Fehler, die passieren? Eine metaphorische Bestandsaufnahme:

Fehler 1: Wenn's im Keller schimmelt, sprenge ich ihn in die Luft.

Ich bin kein Heimwerker, aber ich versuche es mit diesem Vergleich: Nehmen wir an, Ihr Keller wird überwuchert mit Schimmel. Schlimm genug. Wäre Ihre erste Reaktion, den Keller zu sprengen, um auf diese drastische Weise dem Schimmel den Garaus zu machen? Wahrscheinlich nicht, oder? 

Nein. 

Sie würden zunächst einmal der Ursache des Schimmels auf den Grund gehen und diese nach Möglichkeit beheben. Ziemlich simpel. 

Übertragen auf Unternehmen verhält sich das in etwa so, beispielsweise in der Musikbranche: Konsumenten hatten irgendwann einfach keine Lust mehr, ganze Alben zu kaufen. Sie wollten einen oder zwei Songs daraus. Online-Streamingdienste und Tauschbörsen sind entstanden. Was machte die Musikindustrie? Genau – sie fokussierte auf den Abriss und die Zerstörung der Tauschbörsen. Sie sprengten den Keller, das Fundament, in die Luft. Da freuten sich die konsumentenorientierten Dritten, nämlich iTunes, Spotify oder Amazon Music. Diese schafften ganz legal und mit großem Erfolg aus diesem Kundenbedürfnis ein Angebot. Ein neues Haus. Denn sie haben die Ursache verstanden – die Herauslösung von Songs aus Alben.

Jetzt denken Sie vielleicht: „Ja, ja, lieber Kai Schmidhuber. Das Beispiel der Musikindustrie hat echt so 'nen Bart!“ Stimmt. Aber die Vergangenheit wiederholt sich. Netflix tötet nicht die Kinowelt– sondern Popcorn für 18 Euro und Online-Tickets, für deren Internetbuchung ich auch noch einen Aufpreis zahlen muss. Der Autovermieter Sixt freut sich dieser Tage mit gänzlich unsympathischer Häme per Anzeige, dass der Fahrdienst UBER seine Lizenz vorerst für Deutschland verloren hat. Ob die Freude lange währt, wird sich noch zeigen. Es gibt massenhaft Beispiele für die vergeblichen Versuche von Unternehmen, ihr Geschäftsmodell zu retten, indem sie lieber ihren eigenen Keller sprengen, als ihn zu sanieren. Wenn dann noch Schadenfreude hinzu kommt - herrje. 

Fehler 2: Mit der „Kraft der zwei Strategien“ zum digitalen Infarkt

Nein, Strategien sind sinnvoll. Auf jeden Fall. Verstehen Sie mich nicht falsch. Aber: Wer, bitteschön, braucht eine DIGITALE Strategie? Ich sage es Ihnen: niemand. Denn digitale Strategien lenken die Aufmerksamkeit oft von wichtigeren Zielen, wie Kundenzufriedenheit, ab. Oder von der Tatsache, dass Sie sich lieber um den Schimmel im Keller als um die neue „5.1 3-D-Ultra-Sowieso-Anlage“ in Ihrem Wohnzimmer kümmern sollten. Konkret: Als Häuslebauer haben Sie einen Grundriss, einen Bauplan. Auf diesen aufbauend passieren zum Beispiel die Verkabelung und der Innenausbau. Und vieles mehr. Stellen Sie sich nun vor, Sie würden den Innenausbau getrennt vom Bauplan angehen und planen. Mit einer eigenen Strategie. Bleibt zu hoffen, dass beides am Ende auch zusammenpasst. Zurück zum Konkreten: Ich spreche von der Gefahr der zwei Strategien, einer digitalen und einer unternehmerischen. Im besten Fall ist das verwirrend, im schlimmsten Fall ist es Mist. Getrennte Strategien führen zwangsläufig zu Überschneidungen und Konflikten.

Ein viel besserer Ansatz wäre es, zu überlegen, wie digitale Werkzeuge und Technologien eine einzelne Unternehmensstrategie unterstützen können oder noch besser, die bestehende Strategie bei der Anpassung an sich ändernde Bedingungen unterstützen.

Fehler 3: Der „Saurons-Auge“-Effekt

Das lidlose Auge krönt die Festung Saurons im Filmepos „Herr der Ringe“. Und es schaut unablässig in Richtung des einen Objektes der Begierde – des Ringes. Und so ist es dann auch oft in Unternehmen. Da blickt das Auge – oder besser gesagt, die Augen – dann unablässig in Richtung des zu digitalisierenden Bereiches. Unternehmen A digitalisiert seine Lieferkette, Unternehmen B sein Marketing, Unternehmen C digitalisiert den Retail. Super! Leider enden solche Projekte nicht selten in einem Fiasko. Denn die digitale Fortsetzung eines ohnehin schon analog schwachen Prozesses setzt das Problem ja nur fort. Und eine digitale Fortsetzung bringt dann schlicht weitere Komplikationen mit sich. Bevor digitalisiert wird, sollte man daher also bestenfalls zunächst die Unternehmensstrategie als solche auf den Prüfstand stellen. Digitale Tools und Technologien sollten nämlich am Ende über Silos hinweg funktionieren. Denn diese Silos, ob Marketing, Supply-Chain oder Retail, sind letztlich oft Teil des Problems und nicht die Lösung. Tatsächlich habe ich immer wieder festgestellt, dass eine erfolgreiche Transformation einen funktionsübergreifenden Ansatz erfordert. 

Welche Unternehmen haben in diesem Jahr geglänzt und ihre digitale Transformation sauber beschritten? Welche sind gescheitert? Schreiben Sie Ihre Meinung in das Kommentarfeld! Mich würde das sehr inspirieren. Auch als Inspiration, mir diese Unternehmen dann einmal hier per "Artikel" genauer anzuschauen für Sie. 

Ihr

Kai Schmidhuber

Meine weiteren Artikel sind hier.

Über mich:

Was ich nicht ausstehen kann: Buzzword-Karaoke. Digitale Geheimwissenschaft. Redner-Blabla.

Was ich mache: Ich entmystifiziere die digitale Welt und helfe Unternehmen damit, sich neu zu erfinden. In Top-Positionen bei LOREAL, HENKEL, DHL & FRAPORT ist mir das oft gelungen. Als Redner und Berater teile ich meine lehrreichsten Rückschläge hinter den Konzern-Kulissen und verrate meine persönlichen Tricks für echten Digitalerfolg. Buchen Sie mich für Ihre Veranstaltung oder Ihr anspruchsvollstes Digitalprojekt.

About the author

Kai Schmidhuber
Kai Schmidhuber

Geschäftsführer / Managing Director, ALDI E-Commerce Verwaltungs-GmbH

for Internet & Technologie, Marketing & Werbung, Personalwesen, Wirtschaft & Management

Demystify Digital! Ich entmystifiziere die digitale Welt und helfe Unternehmen damit, sich neu zu erfinden. In Top-Positionen bei LOREAL, HENKEL, DHL & FRAPORT ist mir das oft gelungen. Am liebsten aber teile ich hier meine lehrreichsten Rückschläge & Fails. #lernenundhandeln
Show more