Prof. Dr. David Matusiewicz

Prof. Dr. David Matusiewicz

for Gesundheitswesen, Medizinmanagement, Digitale Gesundheit

Offener Brief an die Corona-Hysteriker: Statistiken sind auf jeweiliges Gesundheitssystem zu beziehen (Update)

Quelle: pixabay
So eine Maske gefällig?

Die normale Grippewelle hat dieses Jahr hierzulande bereits rund 165 Tote gefordert, während das Corona-Virus wenige Tote in Deutschland vorzuweisen hat. Aufgrund einer starken Grippewelle sind 2017/2018 rund 25.100 Menschen gestorben – während wir bis heute diskutieren, ob Impfungen gut oder schlecht sind. Auch wenn der direkte Grippevergleich etwas hinkt, dennoch: Die Sterblichkeitsrate beim Corona-Virus wurde vor wenigen Tagen im Editorial der renommierten Zeitschrift New England Journal of Medicine auf "erheblich unter 1%" beziffert. Hierbei ist zu beachten, dass die hier zitierte Publikaion Anfang der Woche der Wissensstand war und die Zahlen sich fast täglich ändern. Es gibt neuere Zahlen von der WHO, die zwischen 0,7%-4% varrieren - die Zahlen sind dem medizinischen Stand des jeweiligen Gesundheitssystems zu unterscheiden. Fakt ist: Die Menschen in Deutschland sollten sehr wohl Respekt, aber keine Panik haben: wir brauchen kein hysterisches Deutschland. Hamsterkäufe und das präventive Tragen von Mundschutz machen keinen Sinn. Das eigentliche Problem liegt dabei ganz wo anders. Der Munschutz und die Desinfektionsmittel fehlen in den Kliniken und das ist derzeit viel gefährlicher.

Die Sterblichkeitsrate beim Corona-Virus liegt erheblich unter 1%.
Quelle: Fauci, A. S., Lane, H. C., & Redfield, R. R. (2020). Covid-19—Navigating the Uncharted, NEJM, DOI: 10.1056/NEJMe2002387

Bei der Interpretation der Zahlen ist zu beachten, dass die Mortalitätsrate bei COVID-19 zwischen 0,7%-4% je nach Qualität des jeweiligen Gesundheitssystems schwankt und sich alle paar Tage aktualisiert. Verlässliche Quellen und Live-Statistiken sind in dem folgenden Klartext-Artikel beschrieben worden: Statt Halbwissen: Hier geht's zu seriösen Informationen.

Laut WHO schwankt die Mortalitätsrate bei COVID-19 zwischen 0,7%-4% je nach Qualität des jeweiligen Gesundheitssystems.
Quelle:: CNBC, publiziert 03.03.2020 (Update 04.03.2020)

Hierin enthalten sind insbesondere hochbetagte Menschen, die meist multimorbide sind (also mehrere Krankheiten gleichzeitig aufweisen) und mit dem Corona-Virus infiziert werden. Und selbst bei diesen weiß man nicht, ob sie AM Corona-Virus oder MIT dem Corona-Virus verstorben sind. Dabei haben wir in der Weltgemeinschaft viel größere Gefahrenquellen, wie beispielsweise HIV/Aids (über 2 Mio. Neuinfektionen und 1,1 Mio. Tote pro Jahr). Viel gefährlicher als der derzeitige medizinische Effekt ist der Hysterie-Effekt von Corona und die Auswirkung auf die Gesundheitssysteme.

Die Lage der Krankenhäuser in Deutschland war auch schon ohne das Corona-Virus angespannt: Arzt- und Pflegemangel, eine Bürokratisierung, die ebenso durch fehlende oder falsche Informationen Jahr für Jahr Leben kostet, Unterfinanzierung sowie volle Notaufnahmen durch Bagatellfälle. Durch das Corona-Virus sind die aufgezählten Probleme nicht weggewischt, nur in der öffentlichen Wahrnehmung weniger präsent, weil es für alle nur noch ein Thema gibt: das Corona Virus. Es wird gejagt: in der Arztpraxis, auf der Station im Krankenhaus und in der Politik. Das geht mittlerweile so weit, dass bspw. in Nordrhein-Westfalen in mehrere Krankenhäuser eingebrochen wurde, um Desinfektionsmittel zu stehlen und in Niedersachsen rund 1.200 Mundschutz-Masken (Wert pro Maske 14 Cent) gestohlen wurden. Einzelne Krankenhäuser haben bereits Sicherheitsleute beauftragt, die die Lager rund um die Uhr bewachen. Gekoppelt mit wilden Hamsterkäufen, bei denen Regale leergeräumt werden, sog. Prepper, die sich in ihrem Katastrophen-Wahn bestätigt fühlen und panische Kommunen, die urplötzlich jede Veranstaltung hinterfragen. Das alles kann man befürworten oder kopfschüttelnd belächeln.

Durch die Hysterie angefeuert kommt es allerdings zu dem nachfolgenden Effekt, der real bedrohlich wird für das Leben von tausenden Menschen in Deutschland. Heute schon sind Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel knapp und das trifft die Krankenhäuser hart. Sie sind darauf nicht vorbereitet gewesen. In ein paar Wochen sind die Lager komplett leergeräumt, die deutschen Krankenhauseinkäufer konkurrieren auf einem globalen Wettbewerb mit chinesischen, amerikanischen und anderen Ländern sowie Privatpersonen, um Nachschub in Sachen Desinfektionsmittel und Mundschutz. Fakt ist, wenn es hier zu ernsthaften Engpässen kommt und darauf steuern wir in wenigen Wochen zu, dann können sog. elektive (geplante) Operationen nicht mehr durchgeführt, Patienten müssen abgewiesen werden und Notfälle können auch zunehmend schwer behandelt werden. Und das kann dann einige Menschenleben kosten, während die benötigten Mundschutzmasken und Desinfektionsflaschen in den Kellern vieler Menschen gebunkert werden.

Neben den üblichen aktuellen Hinweisen wie Händewaschen, keine Hände schütteln und 2m-Abstand halten, kann man an der Stelle noch folgendes ergänzen: im Zweifel zuhause bleiben. Noch ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, selbst infiziert zu sein. Würden alle mit leichten Grippesymptomen nun loslaufen, um sich testen zu lassen, würde es die Arztpraxen und Krankenhäuser nur verstopfen. Selbst wenn man an Corona erkrankt ist und nicht zu den ganz wenigen Fällen mit schweren Symptomen zählt, sollte man am besten zuhause bleiben, einen Tee trinken und Netflix schauen. Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gegeben, wenn die ganze Hysterie dazu führt, dass schon bald unsere Krankenhäuser den rund 20 Millionen Fällen, die pro Jahr behandelt werden, nicht mehr adäquat helfen können.

Das Corona-Virus ist ein Stresstest für die Krankenhäuser. Es ist kein Killer-Virus.
eigenes Zitat

Wir sollten Corona als Stresstest begreifen, um mit unserer Hysterie besser umzugehen. Die aktuelle Hysterie kostet sehr viele Ressourcen im Gesundheitssystem, hat nebenbei noch große wirtschaftliche Risiken und ist wohl aktuell das eigentliche Problem unserer vernetzten und News-durchdrungenen Welt. Die Medien und Menschen lieben Katastrophen, das lenkt schön von den persönlichen und gesellschaftlichen Problemen ab. 

Zusammenfassung: ohne OP-Masken und Desinfektionsmittel keine Operationen - und das ist ein Killer-Argument gegen die Hysterie. Und das kann tödlich enden. 

Weiterführende Literatur:

Sterblichkeitsrate Corona: Fauci, A. S., Lane, H. C., & Redfield, R. R. (2020). Covid-19—Navigating the Uncharted, NEJM, DOI: 10.1056/NEJMe2002387. Link

"On the basis of a case definition requiring a diagnosis of pneumonia, the currently reported case fatality rate is approximately 2%. In another article in the Journal, Guan et al. report mortality of 1.4% among 1099 patients with laboratory-confirmed Covid-19; these patients had a wide spectrum of disease severity. If one assumes that the number of asymptomatic or minimally symptomatic cases is several times as high as the number of reported cases, the case fatality rate may be considerably less than 1%. This suggests that the overall clinical consequences of Covid-19 may ultimately be more akin to those of a severe seasonal influenza (which has a case fatality rate of approximately 0.1%) or a pandemic influenza (similar to those in 1957 and 1968) rather than a disease similar to SARS or MERS, which have had case fatality rates of 9 to 10% and 36%, respectively."

Update der WHO:

WHO says coronavirus death rate is 3.4% globally, higher than previously thought Link.

"The World Health Organization had said last week that the mortality rate of COVID-19 can differ, ranging from 0.7% to up to 4%, depending on the quality of the health-care system where it’s treated. "

About the author

Prof. Dr. David Matusiewicz
Prof. Dr. David Matusiewicz

Dekan Gesundheit & Soziales | Institutsdirektor ifgs, FOM Hochschule für Oekonomie & Management

for Gesundheitswesen, Medizinmanagement, Digitale Gesundheit

Dekan des Hochschulbereich Gesundheit & Soziales, Direktor des ifgs an der FOM Hochschule | Gründer Digital Health Academy | Digi Health Talk | Buchherausgeber, Speaker und Moderator.