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Oliver Rößling

Oliver Rößling

für Virtual Reality (AR/VR), Digitales & Podcast

On-Ear trifft On-Eye - Virtuelle Welten & menschliche Sinne

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Man füge zusammen was zusammen gehört

Kopfhörer und VR-Brille — zwei Technologien mit Wow-Effekt finden endlich zusammen

Jemals eine Virtual-Reality-Brille ausprobiert? Nahezu alle Medien berichten praktisch in Dauerschleife von der schönen neuen Welt der Virtuellen Realität. Auf vielen bunten Bildern sehen wir verblüfft aufgerissene Münder von selbsternannten Probanden, die das erste mal die neue Technologie testen wollen. Dem ahnungslosen Betrachter dieser Bilder bleibt nicht mehr als zu argwöhnen, dass es sich um einen intensiven Erstkontakt, genauer gesagt ein immersives Erlebnis der Extraklasse handeln muss, obgleich große Teile des Gesichtes, nämlich die vermeindlich ebensoweit aufgerissenen Augen der abgebildeten Erstnutzer durch die noch recht großen, klobigen VR-Brillen verdeckt bleiben.

Ja, auch ich, der täglich in den virtuellen Welten mit opusVR.com unterwegs ist, kann die überweltigende Fazination der Erstnutzer immernoch gut nachvollziehen. Denn all die Inhalte, die wir über Dekaden hinweg nur über eine zweidimensionale Mattscheibe konsumieren konnten, die Inhalte, die so platt sie auch sind, viele bis heute noch täglich für Stunden an das Sofa fesseln und wie aus der Konserve für jeden gleich und linear präsentiert werden, scheinen nun durch die VR-Brille zu einem Relikt des späten 20. Jahrhunderts degradiert zu sein. Senioren wie Kleinkinder verstehen die Möglichkeiten der neuen Technologie sofort, die jedem Nutzer ein völlig individuelles Erleben von- sowie Interaktion mit Inhalten ermöglicht.

Trotzdem zweifeln immernoch erstaunlich viele an der neuen Technologie, die sich zwar durch immer bessere Hard- und Software schnell weiterentwickelt, aber eigentlich erst in den Startlöchern steht — geduldig wartend auf den Startschuss für den multimedialen Dauerlauf.

Für mich, der stetig versucht die Virtuelle Welt der beharrlich abwartenden deutschen Wirtschaft als neues Werkzeug für Vermarktung und Visualisierung an die Hand zu geben, stellte sich kürzlich die Frage, ob es in der Vergangenheit schon einmal einen vergleichbaren technologischen Durchbruch gab, der unsere Sinneswahrnehmung derart beeinflusst hat, dass den Nutzern beim Erstkontakt nichts anderes übrig blieb, als mit entglittenen Gesichtzügen hemmungslos zu stauen. Da neben dem Sehen das Hören ein wichtiger Sinn für die Medienaufnahme ist, kann nur der Kopfhörer vor ungefähr 100 Jahren ein ähnliches Verblüffen in die Gesichter der Menschen gezaubert haben. Dieses belegen auch die Reaktionen von Kleinkindern in diversen Youtube-Videos, die das erste Mal das Vergnügen haben Papas übergroßen Kopfhörer auszuprobieren.

Kopfhörer und VR-Brille stehen sich sogar näher als es sich Radio und Fernseher je waren. Durch die zunehmende Individualisierung der Inhalte werden VR-Brille und Kopfhörer unweigerlich zusammenwachsen, um eine möglichst von außen ungestörte und individuelle Immersion für den Nutzer zu schaffen und so dem aktuellen Zeitgeist zu entsprechen. Einheitliche Massenmedien im herkömmlichen Sinne werden auf kurz oder lang durch Massenmedien mit individuellen Erlebnisspielraum ergänzt werden, denn je nach Anlass werden User Inhalte unterschiedlich konsumieren. Entweder ganz konservativ zusammen mit Freunden zum Fußballschauen vom Fernseher ohne VR-Brille. Die Ausbaustufe mit Brille ermöglicht es hingegen gemeinsam die Sportschau unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort zusammen mit Freunden aus der ganzen Welt in einem virtuellen Raum auf einer virtuellen Leinwand zu schauen (im virtuellen Kino mit durch Avatare verkörperte Freunde).

Siehe hierzu: Oculus Social App Video

Doch alle Anstrengungen in der Weiterentwicklung der VR-Technologie werden darauf abzielen, dass der Nutzer sich nicht nur mit 360°-Perspektive mitten im Geschehen befindet, sondern den Handlungsstrang auch bewusst und unbewusst beeinflussen kann. Genau hier wird eine hohe Zahlungsbereitschaft für hochqualitative Inhalte entstehen, die so viele Sinne wie möglich ansprechen. Der gehypte VR-Brillenhersteller Oculus hat die Notwendigkeit visuelle und akustische Eindrücke zu verknüpfen erkannt und verbaut deshalb serienmäßig Kopfhörer in seinen massenmarkttauglichen VR-Brillenmodell.

Wir dürfen uns schon heute darauf freuen, dass sehr bald noch viel mehr Sinne in der Virtuellen Realität angesprochen werden und uns auf diese Weise Eindrücke und Erlebnisse ermöglichen, die sich in ihrer Vielfalt von eindrucksvoll über ausgefallen bis fantastisch erstrecken werden.

Derzeit arbeiten weltweit verschiedene Teams daran, weitere Sinne anzusprechen. Erklärtes Ziel ist es in der VR zu sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen. Das heißt, dass neben Gleichewichtssinn und Körperempfindung, an denen schon mit der aktuellen Hardware geforscht wird, künftig auch Temeratursinn und Schmerzempfindlichkeit einzug in die virtuelle Welt finden werde. Die Sinne Riechen und Schmecken sind eng miteinander verbunden, stellen technisch aber noch eine gewisse Herausforderung dar. Hier ein spannender Artikel dazu: https://vrodo.de/virtuelle-nahrung-in-virtual-reality/

Denen, die immernoch zweifeln, dass sich Virtuelle Realität als neues Medium durchsetzen wird, empfehle ich sich einmal sich für ein paar Euro eine Cardboard-VR-Brille zuzulegen, die großen Kopfhörer an das Smartphone anzuschließen, ein 360°-Live-Rock-Konzert-Video mit der entsprechenden Cardboard-App zu öffnen und sich darüber zu freuen, die Band gemütlich vom Wohnzimmersessel aus in ersten Reihe live vor der Bühne zwischen tausenden Besuchern am anderen Ende der Welt zu sehen.

Bspw.: Volbeat - Dead But Rising (Live 360-degree-video)

Das wäre doch was, oder?

Über den Autor

Oliver Rößling
Oliver Rößling

Chief Digital Officer (CDO) - Mitglied der Geschäftsleitung, ABSOLUTE Reality by ABSOLUTE Software GmbH

für Virtual Reality (AR/VR), Digitales & Podcast

Ich beschäftige mich insbesondere mit technologischen Innovation, Startups und Trends. Insbesondere auf Augmented und Virtual Reality lege ich hier meinen Schwerpunkt. Ich podcaste gern über Zukunft, Digitales und Führung und organisiere europaweit diverse Business-Event-Formate (s. 12min.me).
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