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Anne M. Schüller

Anne M. Schüller

für Touchpoint Management + Unternehmensführung

Pokerface-Manager sind Ressourcenvernichter

(c)Shutterstock

Wenn die verkopften, zahlenfixierten Manager das nur endlich verstehen würden: Menschen lassen sich lieber durch Emotionen betören als durch Sachlichkeit, Datenmanie und nüchterne Fakten. Gefühle zeigen ist wie Blinker setzen, damit jeder weiß, in welche Richtung es geht. Und nur ein gutes Gefühl bringt unser Wollen so richtig in Fahrt.

Der US-amerikanische Wissenschaftler und Nobelpreisträger Daniel Kahneman hat experimentell nachgewiesen, dass nicht derjenige die Deutungshoheit erlangt, der die besten Argumente zusammenträgt, sondern derjenige, der Emotionen auslöst und die stimmigste Story erzählt. Der wahre Profi bringt also seine Botschaft nicht via Zahlensalat, sondern über gut gewählte Beispiele und kluge Metaphern rüber.

Doch Emotionen sind in Managementkreisen noch immer verpönt. Sie werden negiert, wo es nur geht. Vor allem in den Chefetagen scheint es dafür kaum Platz zu geben. Dabei wabern sie vor allem dort. Statussymbole, Machtexzesse, Grabenkriege und gockelhaftes Getue sprechen eine deutliche Sprache. Gerade die Führungsleute sind weit weniger rational gesteuert, als es zunächst den Anschein hat.

Nur Hinterwäldler können heute noch ernsthaft der Meinung sein, Emotionen im Management entsprächen einem Mangel an Professionalität. Dieser Mythos stammt aus der Zeit, als industrielle Fertigungsprozesse mit REFA-Zeiterfassungsmethoden gemessen wurden und sogar das Reden in Fabrikhallen verboten war. Dabei sah man nur die Zeit, die ein Pläuschchen während der Arbeitszeit (vermeintlich) kostet, nicht aber den Auftrieb, den so etwas bringt.

Emotionen haben im Gehirn immer Vorfahrt

Längst hat die Neuroforschung anhand von Hirnscans wissenschaftlich bewiesen: Emotionen haben Vorfahrt in unserem Denkapparat. Sie sind nicht nur in allen Entscheidungen vorhanden, sie sind sogar deren treibende Kraft. Die Art von Emotionen, die uns schließlich zu einer Entscheidung bewegen, mögen je nach Menschentyp, Geschlecht und Alter verschieden sein. Doch ohne Emotionen kommt keine einzige Entscheidung zustande.

Ohne Gefühle ist, wie Untersuchungen an hirnkranken Menschen zeigen, vernünftiges Handeln nicht einmal möglich. Für das, was hinter den mehr oder weniger verschlossenen Türen des Unterbewusstseins blitzschnell und ohne unser Zutun passiert, suchen wir erst im Nachklang eine Begründung, die uns selbst und anderen plausibel erscheint. Ergo: Der Mensch trifft Entscheidungen emotional - und begründet diese dann rational.

Das wahre zerebrale Machtzentrum ist nämlich das limbische System. Diese ältere und tiefer im Hirn liegende Struktur hat wesentlich größeren Einfluss auf unser Verhalten als unser Groß- oder Denkhirn, der Neokortex. So wird jede gemachte Erfahrung mit Emotionen markiert. Positive Marker sagen uns, was wir weiterhin tun, und negative Marker, was wir besser lassen sollten. Emotionen sind also Steuerungsinstrumente.

Pokerface-Manager nehmen allen die Kraft

Es ist ganz erstaunlich, wie cool und emotionslos Manager oft wirken wollen. Vor allem in Besprechungen zeigen Krawattenträger gern eine Maske aus Gleichgültigkeit und Indifferenz: ihr Pokerface. Okay, ein Pokerface ist beim Pokerspiel lebensnotwendig – und in schlechten Unternehmenskulturen wahrscheinlich auch. Doch im Mitarbeiterkontakt ist es tödlich.

Pokerface-Manager sind Energie-Räuber. Sie nehmen allen in ihrem Umfeld die Kraft und zehren sie aus wie Vampire. So kommt es, dass in Pokerface-Unternehmen alles so blutleer wirkt. Emotionslosigkeit macht Menschen unnahbar - und vor allem auch unberechenbar. Da gewinnen Zweifel schnell die Oberhand. So entstehen im Leerraum fehlender emotionaler Informationen bald die wildesten Spekulationen.

Manche Hirne sind selbst bei scheinbar nichtigen Anlässen unglaublich gut darin, sich das Schlimmste auszumalen: „Er hat zu meiner Arbeit nichts gesagt. Sicher fand er sie schlecht, wollte mich aber schonen, weil er wohl glaubt, dass ich überempfindlich bin. Oder er will mich loswerden und zeigt sich deshalb so distanziert.“ Besser, Sie erlösen Ihre Leute aus derart belastenden Grübeleien, die jeglichen Antrieb unterminieren.

Raus aus der Black-Box emotionaler Neutralität

Gefühle zeigen macht zwar verwundbar, es macht aber auch frei. Erst der bewusste Umgang mit den eigenen Emotionen sorgt für Authentizität. Und dies wiederum ist die Voraussetzung für Souveränität und Charisma. Wer den Mut hat, seine Emotionen in Bewegung zu bringen, der schafft es auch, andere zu bewegen - und schließlich zu überzeugen. Denn er weckt Sympathie.

Einem Freund folgt man leichter als einem Feind. Und wenn wir jemanden mögen, dann sind wir viel eher bereit, ihm entgegenzugehen. Will heißen: Zwar sind Dashboards und vollgeexcelte Powerpoints populär, doch es ist äußerst unprofessionell, andere hierüber gewinnen zu wollen. Menschen allein mit kalten Zahlen und nackten Fakten zu betören, das ist nicht nur schwierig, sondern beinahe unmöglich.

Kommen Sie also raus aus der Black-Box Ihrer emotionalen Neutralität und erlauben Sie sich, auch im Business Emotionen zu zeigen. Man erreicht andere am besten, wenn man von sich selbst etwas preisgibt. Und wir mögen die Menschen, die zeigen, dass sie uns mögen. Vor allem positive Momente wie Freude und Stolz gilt es dabei zu teilen. Denn jede Form erlebter gefahrloser zwischenmenschlicher Resonanz nährt unsere intrinsische Motivation. Und nur dann kann sich das Wollen wirklich entfalten.

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Über den Autor

Anne M. Schüller
Anne M. Schüller

Keynote Speaker, Business Coach, Anne Schüller Management Consulting

für Touchpoint Management + Unternehmensführung

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft.
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