Christian Eineder

Christian Eineder

for Führungskultur, Arbeitgeber-Attraktivität, Innovationskraft und Tempo, Familienfreundlichkeit

Recht auf Homeoffice wird Betriebsrat nicht gefallen. Endlich New Work „auf Rezept“...

gettyimages/Maskot
Der Zwang für Arbeitgeber ist überfällig, beschleunigt eine gute Entwicklung und hilft Arbeitgebern und Mitarbeitenden

Bundesarbeitsminister Heil fordert ein Mindestanspruch auf Homeoffice: 24 Tage jährlich sollen allen Mitarbeitenden zustehen. Damit ist er in der Tat mutig. Hut ab!

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, der Mitarbeitenden ein Recht auf mindestens 24 Tage Homeoffice jährlich zusichert, sofern betriebliche Gründe nicht dagegensprechen.

Politik muss Rahmenbedingungen schaffen. Politik muss klare Ziele haben und zuweilen mutig eine Richtung vorgeben. Eine Politik ohne Visionen, ohne tragbare und nachhaltige Zukunftskonzepte ist anfällig für manipulativen Lobbyismus. Mut vermisse ich leider in der deutschen Politik schon lange. Der Arbeitsminister war nun in der Tat mutig. Hut ab!

Warum das Gesetz einige Betriebsräte ärgern wird?

In produzierenden Unternehmen setzt sich der Betriebsrat meist aus der Produktion oder dem produktionsnahen Umfeld zusammen und wehrte sich gegen eine Homeoffice-Regelung. Das ist zunächst mal nachvollziehbar. Sie haben sich daran gewöhnen müssen, dass Leistung und Fehler in der Produktion sehr eng verfolgt werden. Der eigene Arbeitsbereich ist gläsern transparent geworden. Im Homeoffice kann man leider nicht produzieren, die Frage nach dem flexiblen Arbeitsort stellt sich nicht. Es braucht andere Lösungen für mehr Vereinbarkeit von Leben und Beruf.

Für ein Gremium dieser Zusammensetzung war es bisher häufig nicht mehrheitsfähig, den Kollegen aus dem Büro ein Recht auf Telearbeit einzuräumen, sie noch freier arbeiten zu lassen. Diese Kluft müssen Betriebsräte und Gewerkschaften überwinden, um die Betriebe zukunftsfähiger zu machen. Häufig geht es vordergründig darum, das Stempeln als Schutz für die Kollegen aufrecht zu erhalten. Aber keine Sorge, Homeoffice ist kein Muss, sondern eine Kann-Regelung für die Mitarbeitenden.

Es wird einige Unternehmer und Führungskräfte ärgern:

Weil es dazu zwingt, sich in zahlreichen Bereichen weiterzuentwickeln. Hier nur die wichtigsten:

  1. Die IT-Geräte und -Infrastruktur inklusive der Telefonie muss mobile und Telearbeit konsequent vorausdenken. Denn Telearbeit gehört weder auf den privaten PC noch darf die Verwendung der privaten Telefonnummer zur Dauererreichbarkeit führen.

  2. Die Führungskultur wird sich weiterentwickeln. Denn wer per Order-and-Command ins Homeoffice regieren will, der wird scheitern. Der Kontrollverlust kann eine Führungskraft alten Schlags in den Wahnsinn treiben. Außer man fängt an zu vertrauen, seine Führung zukünftig zurückzunehmen, um mehr auf Augenhöhe zu kooperieren.

  3. Es braucht eine Betriebsvereinbarung zur Telearbeit, zum Homeoffice, die ein paar Grauzonen zu regeln versucht. Es ist üblich, dass Kosten für Strom und Flatrate nicht übernommen werden. Schließlich fallen im Gegenzug die Kosten für Fahrten ins Büro weg.

Warum die Gesetzesinitiative mutig und richtig sein kann?

Wir sehen, dass viele bisher enorm starke Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit schleichend verlieren, weil sie ihre Führungskultur nicht weiterentwickeln, weil sie die Mitarbeitenden nach wie vor als reine Ressource betrachten und keine Vereinbarkeitsangebote machen. Auch wenn immer mehr Arbeitgeber verstehen, dass sie sehr viel attraktiver werden müssen, so fehlt dafür oft der Mut und die breite Unterstützung im Führungsteam. Trotz des rasanten Stillstands. 

Auch wenn ein Gesetz problematisch ist, weil viele Berufe nicht Homeoffice-tauglich sind und unternehmerische Freiheiten eingeschränkt werden, so zwingt es alle sich ernsthaft damit auseinander setzen zu müssen. Unser Anspruch an ein Gesetz ist, dass einige Grauzonen geklärt werden. Gut ist jedenfalls ein Auskunftsanspruch, warum mobile oder Telearbeit nicht gehen soll. Gut wäre auch, dass das Direktionsrecht des Arbeitgebers durch die Arbeit zuhause nicht eingeschränkt wird, auch wenn die Unverletzlichkeit der Wohnung unangetastet gilt.

Parallelen zur Frauenquote? Abschließende Einordnung

Seit Mai 2015 gibt es das Gesetz zur Frauenförderung. Es schreibt Mindestquoten für weibliche Führungskräfte in einigen Unternehmen vor. Auch wenn die Vorgabe noch viel zu wenige Unternehmen betrifft, so hat sie doch Bewegung in die Gender-Debatte und die Besetzung von top Führungspositionen durch Frauen gebracht. Die Signalwirkung war deutlich stärker als die tatsächliche Schlagkraft des Gesetzes.

Ähnlich sollten wir den Gesetzesentwurf zum Recht auf Homeoffice sehen. Zunächst mal stößt es mutig eine längst überfällige Diskussion an. Sollte das Gesetz kommen, so zwingt es alle Betriebe (die nicht schon viel weiter sind) zum Umdenken, auch wenn die tatsächliche Schlagkraft schwach sein wird. Es stößt für manche Betriebe eine erzwungene Weiterentwicklung der IT und der Führungskultur an, öffnet die internen Widerstände und lässt alle Beteiligten entdecken, welche positiven Auswirkungen Homeoffice auf die Leistungsfähigkeit und Führungskultur des Betriebes hat. Ja, es wird auch eklatante Schwächen in der Führung offenlegen, und auch das ist gut für Wirtschaft und Behörden. Wir müssen uns bewegen, weiterentwickeln, viel offener über Lösungen diskutieren und die Mitarbeitenden mehr einbeziehen. 

Es gibt viele Betriebe, die ein Gesetz nicht betreffen wird, weil sie viel weiter und innovativer sind (und in Bewerbungen schwimmen). Nein, es geht um die Betriebe, die sich bisher gesperrt haben, weil der Chef oder Betriebsrat einfach nicht wollte. Ich bin überzeugt, es wird den Betrieben helfen. Auch wenn viele es heute als echte Zumutung empfinden. Denn in dieser volatilen, komplexen und unsicheren Welt braucht der Arbeitgeber viel mehr Flexibilität im Wettbewerb, und die Mitarbeitenden brauchen mehr Flexibilität für sich. Voilà, willkommen New Work. Endlich.

Über den Autor

Christian Eineder ist Unternehmer, Autor, Vortragsredner, Business Angel, Hochschuldozent und gemeinsam mit seiner Frau Heidi Eineder Gründer der easyfaM GmbH & Co. KG. Er ist glücklich verheiratet, Vater von 2 Jugendlichen, Dipl.-Ing. (Uni BW München) MBA (Henley Business School).

Er unterstützt Arbeitgeber dabei, leistungsfähiger, attraktiver und familienfreundlicher zu werden. Als Geschäftsführer großer und kleiner Unternehmen zeigte sich ihm, dass unternehmerische Ziele v.a. dann erreicht und übertroffen werden, wenn die Mitarbeitenden ihre Ideen gerne teilen, sie voll engagiert sind, Bewährtes in Frage stellen, eigenverantwortlich arbeiten und sie ihr Leben mit dem Beruf gut vereinbaren können. Er hat hierfür überlegene niederschwellige Lösungen entwickelt, die alle mitnehmen und beiden mehr Flexibilität geben: dem Arbeitgeber im Wettbewerb und den Mitarbeitenden im Leben.

Mit dem einzigartigen Eltern- und Familienprogramm von easyfaM verschafft er berufstätigen Eltern neue Spielräume für Familie und Beruf, immer auf der Basis modernster Arbeitsmethodik, die liebevoll für Familien weiterentwickelt wurden.

About the author

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Mehr Flexibilität im Wettbewerb. Und für die Mitarbeitenden. easyfaM., Die ultimativen 27 Arbeitgebertipps. https://easyfam.com/27unternehmertipps

for Führungskultur, Arbeitgeber-Attraktivität, Innovationskraft und Tempo, Familienfreundlichkeit

Christian Eineder führt Betriebe in eine VUKA- u. familienfreundliche Führungskultur, für höchste Arbeitgeberattraktivität, Leistung und Innovation. Er bringt Eltern neue Spielräume für Familie & Beruf. Glücklich verheiratet in Ski-verrückter Familie, 2 Kinder. Unternehmer, Rotarier, Elternbeirat.
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