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Robert Ermich

Robert Ermich

für Mobilfunk, Start-Up

Samsungs Keynote – Quo vadis Smartphone-Branche?

DEINHANDY.
Start in eine neue Smartphone-Generation

Samsung stößt in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Zumindest wenn man dem CEO des Unternehmens, DJ Koh, Glauben schenkt. Dieser präsentierte der Technikwelt letzte Woche während der Keynote in San Francisco den neuen Heilsbringer für die zuletzt kriselnde Smartphone-Branche: Das Galaxy Fold. Ein faltbares Smartphone, das laut Koh eine neue Ära einleitet und Skeptiker zum Schweigen bringen soll. Und diese sind zurzeit immer lauter.

Der Smartphone-Markt in der Krise

Der Smartphone-Markt befindet sich derzeit in Aufruhr: 12 Jahre nachdem das erste iPhone eine Revolution lostrat, ist der Boom vorbei und Stagnation macht sich breit. Kürzlich veröffentlichten die Analysten der renommierten International Data Corporation (IDC) für die Branche beunruhigende Zahlen: 2018 war bisher das schlechteste Jahr für große Handyhersteller (2019). Die Smartphone-Verkäufe sind weltweit um knapp fünf Prozent gesunken, Samsung selbst verlor sogar acht Prozent. Vor allem in China und Westeuropa gab der Konzern Marktanteile an Huawei ab. Wohl auch weil die Konkurrenz mit einem guten Preis-Leitungsverhältnis überzeugt. Huawei Smartphones sind günstiger, liefern aber dennoch eine Top-Performance und sehen auch noch gut aus. Deshalb haben die Chinesen letztes Jahr Apple als zweitgrößten Handyproduzenten (Schulze, 2018) abgelöst und setzen nun auch den Branchenprimus Samsung kräftig unter Druck (dpa, 2019). Zwar verkaufen die Südkoreaner mit knapp 300 Millionen Handys weiterhin die meisten Geräte, müssen aber bei sinkenden Absatzzahlen die Konkurrenz dringend auf Abstand halten.

Innovation gesucht!

Fragt man nach der Ursache für den Abwärtstrend, verweisen Branchenkenner auf die Hersteller. Der Industrie fehle es derzeit an innovativen Ideen. Die Flaggschiffe von Samsung, Apple oder Huawei würden sich sowohl optisch als auch technisch immer mehr ähneln. Zeitgleich sei der Markt soweit gesättigt, dass Kunden nicht automatisch neue Geräte kaufen, nur weil gerade kleine technische Verbesserungen en vogue sind (New York Times, 2019). Im Gegenteil behalten die User ihre Smartphones inzwischen länger und springen nicht über jedes Stöckchen, das ihnen die Industrie hinhält. Zuletzt musste gerade das teure Premium-Segment Einbußen hinnehmen. Das Handelsblatt berichtet, dass 2018 Modelle über 1000 Dollar lediglich einen Marktanteil von fünf Prozent ausmachten (Weddeling, 2019). Apple ist hierfür exemplarisch. Das bewährte Geschäftsmodell aus Cupertino – hochpreisig, exklusiv, stylisch – stößt besonders hart an seine Grenzen: Das Unternehmen musste Verluste von ca. 11 Prozent im High-End-Bereich hinnehmen.

Man kann diese Entwicklung als Abwärtsspirale betrachten oder aber auch anders interpretieren. Die Hersteller haben in den letzten Jahren große Arbeit geleistet und Smartphones aller Preisklassen technisch soweit aufgerüstet, dass kleine technische Gimmicks für eine Kaufentscheidung nicht mehr ausreichen. Die Nutzer sind im Großen und Ganzen mit ihren Geräten zufrieden, daher muss schon ein großer Sprung her, wenn man sich für ein neues, zumal teures Handy entscheidet.

Samsung trotzt dem Abwärtstrend

Und genau diesen großen Sprung versprach Samsung letzte Woche in San Francisco. Die diesjährige Keynote des Handyriesen stand unter dem Motto „Zukunft entfalten“. Wie sich die Südkoreaner diese Zukunft vorstellen, zeigten die zwei großen Projekte, die auf der Bühne vorgestellt wurden: Die Flaggschiffsreihe Galaxy S10 und das faltbare Smartphone Galaxy Fold.

Galaxy S10: Der Teufel steckt im Detail

Die Galaxy S Serie kommt erstmals als Trio auf den Markt: Das Galaxy S10, S10 Plus und das Lite-Modell S10e konnten allesamt die Experten überzeugen (Schulze, 2019). Die Südkoreaner liefern nicht nur technisch eine souveräne Leitung ab: Prozessor (Exynos 9820), Arbeitsspeicher (6 GB bis 12 GB) und ein leistungsstarker Akku (3.100 bis 4.100 mAh) sorgen für optimale Abläufe. Auch mit Blick auf Innovation fielen die Kritiken überwiegend positiv aus. Das dürfte die Entwickler freuen, hat doch der Vorgänger, das Galaxy S9, diesbezüglich viele Tech-Fans enttäuscht.

Und wie sieht die Innovation à la Samsung nun aus? Hier arbeiten sich die Südkoreaner am Zeitgeist ab und finden Antworten auf Fragen, die auch die Konkurrenz vor sich hertreiben: randloses Display, ideale Kamera und lästiger Akkuverbrauch.

Zuerst das Display: Zum Einsatz kommt das fast randlose Infinity-O. Die Gretchenfrage nach der Platzierung der Frontkamera beantwortet Samsung mit einer Absage an Apples Notch. Galaxy S10 knipst Selfies durch ein winziges Loch im Display. Nun die Kamera: Das S10 und das S10Plus verfügen auf der Rückseite über eine Triple-Kamera, die mit drei Sensoren (Weitwinkel-, Ultra-Weitwinkel-, Telesensor) und KI ausgestattet ist. Damit lassen sich unglaubliche Fotos schießen, auch weil das Smartphone mitdenkt und optimale Szenen vorschlägt. Last but not least: Akku. Hier setzt Samsung auf Wireless PowerShare, das induktive Laden von Handy zu Handy, das letztere zur Power Bank macht.

Unterm Strich kann der Branchenführer mit dem Ergebnis zufrieden sein. Die Lösungen sind überzeugend aber soweit nicht einzigartig, hat doch zum Beispiel Huawei Wireless PowerShare längst serienmäßig eingeführt. Daher kann von einer neuen Ära noch keine Rede sein. Dafür ist bei Samsung das faltbare Smartphone zuständig.

Galaxy Fold: „We make what can't be made“

Während die Galaxy S10 Reihe den state of the art aufzeigt, repräsentiert das faltbare Smartphone Samsungs Vision für die Zukunft der Industrie und bekräftigt den eigenen Anspruch auf die Führungsrolle. Daher stand es im Zentrum der Keynote, die choreografisch gänzlich auf Aufbruch und Pioniergeist getrimmt war. Zu den Sprechern gehörten DJ Koh und sein Marketingchef Justin Denison und beide sparten weder mit Superlativen noch mit Zukunftsverheißungen. Nie dagewesen, Pionierleistung, revolutionär, technisches Wunder, Neuerfindung und Innovation sind nur ein paar markige Begriffe aus der Präsentation. „We make what can´t be made“ poppte folgerichtig als Claim auf der Leinwand auf, als Justin Denison das Galaxy Fold hochhielt.

Hybris oder Ehrgeiz, das wird sich wohl erst noch zeigen. Über den Smartphone-Tablet-Hybrid wurde schon viel geschrieben: Über das 7,3 Zoll Display, das gebogen 4,6 Zoll groß ist, mit zwei Akkus arbeitet und bis zu drei Apps zeitgleich betreibt (Petkovic, 2019). Ob dieser Hybrid jedoch der erhoffte Game Changer ist, lässt sich schwer sagen. Die Hardware ist beeindruckend, ohne Frage, aber auch nicht überraschend. Samsung arbeitet schon seit fünf Jahren am biegsamen Display und auch die Konkurrenz ist inzwischen soweit: Zum Start des MWC zeigte Huawei mit dem Mate X seine Version des faltbaren Handys. Daher ist es auch nicht die Hardware, die über den Erfolg des 2000 Euro teuren Galaxy Fold entscheidet. Experten sprechen ohnehin von Übergangstechnologie, die derzeit lediglich einen limitieren Markt anspricht. Entscheidend sind vielmehr die Nutzer und diese sind momentan schwer zu lesen. Ob sie überhaupt falten wollen oder am Status quo festhalten, wird von der Software und den Inhalten abhängen, die ihnen die Hersteller anbieten. Wenn das faltbare Smartphone mehr kann als nur falten, Angebote bereitstellt, die sie nicht auf dem Tablet oder Handy finden und Synergien freisetzt, dann könnte Samsung tatsächlich eine neue Ära einläuten.

Über den Autor

Robert Ermich
Robert Ermich

Founder & CEO, DeinHandy.de

für Mobilfunk, Start-Up

Robert Ermich gründete DEINHANDY. um seine Vision vom einfachen Mobilfunkmarkt in die Tat umzusetzen. Nur 3 Jahre später ist das Start-Up führend unter den Vergleichsportalen und hat sich fest in der deutschen Markenwelt etabliert. Langjährige Erfahrungen im Unternehmensaufbau und Insights im Mobilf
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