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Claudia Kiani

Claudia Kiani

for Internet & Technologie, Marketing & Werbung, Job & Karriere

Selbstständig? Heißt das nicht selbst und ständig?

© Susanne Ahmadseresht
Fluch oder Segen? Arbeiten wo und wann immer du willst.

Für mich als Selbstständige ist die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit oft fließend. Bei dieser Aussage denken jetzt sicherlich viele an lange Nächte im Schein des Rechners oder verzweifelte E-Mail Schlachten unterwegs auf dem Smartphone. Kein Wunder “selbst und ständig”, scheint das typische Bild zu sein, das viele von der Selbstständigkeit haben - jedenfalls gab es wohl keine "Weisheit", die ich mir häufiger in der frühen Gründungsphase anhören durfte. Besonders gerne von Leuten, die nie selbstständig gearbeitet haben. Ich möchte auch gar nicht abstreiten, dass da etwas Wahres dran ist: Meine Arbeit bei omnia360 ist kein 9-to-5-Job und wird es wohl auch niemals werden. 

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Es ist sicherlich gut und wichtig, im Vorfeld zu wissen, worauf man sich einlässt. Ja, eine Gründung ist zeitraubend, ja es ist anstrengend und ja, es erfordert Durchhaltevermögen. Das möchte ich nicht abstreiten, aber ich schätze auch, dass ist den meisten Gründern mehr als bewusst. Deshalb halte ich es weder für gut, noch für wichtig, diesen Aspekt der Selbstständigkeit immer wieder in den Vordergrund zu stellen. So lässt sich weder Innovationsgeist wecken, noch begeistern wir Menschen für das Gründen. Warum hier schleunigst ein Umdenken gefragt ist, zeigen verschiedene Statistiken rund um das Gründungsverhalten in Deutschland (siehe Gründungsmonitor 2019). Deshalb möchte ich mich heute zur Abwechslung einmal den positiven Seiten von “selbst und ständig” widmen.

Vorweg gesagt, ich bin kein verkappter Workaholic. Ehrlich, ich mag meinen Job, aber er ist nicht das, was mich ausmacht oder die Krönung meiner Erfüllung. Dafür liebe ich es viel zu sehr, mit meinen Freundinnen eine kühle Weißweinschorle auf dem Balkon zu genießen oder gemeinsam mit meinem Partner die Welt zu entdecken. Um ehrlich zu sein war ich sogar ziemlich überrascht, als ich neulich bei einem Event zu einem Smalltalk über die finale “Game of Thrones”-Staffel ansetzen wollte und die Antwort erhielt “Ich habe keine Zeit für fernsehen, ich bin selbständig!” Ich denke, wenn ich keine Zeit mehr für meine geliebten Serien finden würde, hätte ich die Selbstständigkeit längst wieder an den Nagel gehängt.

Die Sonnenseiten der Selbstständigkeit

Deswegen ist wohl eine der wichtigsten Lektionen, die es beim Gründen zu Lernen gilt, das Zeitmanagement. Natürlich, gibt es immer was zu tun. Längst sollte ich mal wieder bei einigen Geschäftskontakten nachhaken und auch ein paar Basteleien an unserer Website sind sicherlich fällig, aber eben nicht jetzt. Es ist wichtig, die Kräfte einzuteilen, auch mal Pausen zu machen, um nicht an der Arbeit kaputt zu gehen. Dafür macht es anschließend umso mehr Spaß, mit neuem Schwung durchzustarten und die eigenen Pläne und Ideen zu verwirklichen. Ein großer Motivator am eigenen Unternehmen ist es nämlich, viel dichter an der Wertschöpfungskette beteiligt zu sein, als es in der Regel die Arbeitnehmerrolle ermöglicht. Der eigene Hebel ist viel größer und fast jede Handlung hat unmittelbare Wirkung auf den weiteren Geschäftsverlauf. Manchmal ist es ein bisschen wie bei Anno 1602, du kannst deine Welt selbst mitgestalten, formen und vor Angriffen schützen.

Das führt mich auch direkt zum nächsten Punkt: Dem Abwechslungsreichtum. Klar, es zählt nicht unbedingt zu meinen Lieblingsaufgaben, Briefmarken kaufen zu gehen, für Kunden ohne digitalen Rechnungsworkflow (ja, das gibt es noch!). Aber nicht nur, dass man anfängt, es wertzuschätzen wenn einem diese Tätigkeiten abgenommen werden, es macht auch unheimlich viel Spaß, sich ständig in neue Themen hereinzuarbeiten und immer weiter dazuzulernen. In meinem Fall von der AGB-Erstellung über die SEO-Optimierung bis zum Unternehmenspitch - gar nicht erst zu sprechem vom 360°- und VR-Know How. Man wächst stetig an den eigenen Aufgaben, den Anforderungen der Kunden und natürlich an den Ideen seiner Mitstreiter.

Zuguterletzt ist es ziemlicher Luxus, das Hobby zum Beruf zu machen. Okay, ich zähle eher zu den Leuten, die auf die Frage nach ihren Hobbys sowas wie "Sport, Musik hören und Freunde treffen", angegeben haben, als Synonym um ihr hobbyloses Dasein zu tarnen. Mittlerweile könnte ich Dinge wie "Videobearbeitung, Bloggen oder auch Präsentieren" hinzufügen, denn diese Tätigkeiten können unheimlich viel Spaß machen. So bin ich mir gar nicht sicher, was es eigentlich genau ist, wenn ich mir an einem Samstagnachmittag meinen Laptop schnappe, einen Kaffee koche und einen Beitrag für das Xing-Insider-Programm schreibe. Ist das Arbeit? Ist das ein Hobby? Ist doch eigentlich auch egal, solang ich Spaß daran habe, oder?

About the author

Claudia Kiani
Claudia Kiani

Co-Founderin / Marketing & PR, omnia360

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Als Mitgründerin von omnia360 und Vorstandsmitglied im nextReality Hamburg e.V. habe ich meine Begeisterung für immersive Medien zum Beruf gemacht. Hier berichte ich rund um die Themen Gründung, & Selbstständigkeit, neue Medien & Technologien und alles, was mich sonst so bewegt.
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