Stefan Metzger

Stefan Metzger

for Smart City, Responsive Cities, Digitale Transformation

Smart City: Wenn Bienen so ineffizient mit ihrer Infrastruktur umgingen, gäbe es sie nicht mehr!

Bild: Bruno Augsburger

Es mag vielleicht auf den ersten Blick etwas weit hergeholt klingen, doch das ist es bei genauerer Betrachtung gar nicht. Wir sind gut darin, unsere Technologie stetig voranzutreiben und die Möglichkeiten bis aufs Letzte auszureizen. Doch in vielerlei Hinsicht liegt die Lösung viel näher. So funktioniert ein Bienenstock eigentlich sehr ähnlich wie eine Smart City funktionieren sollte. 

Werfen wir mal einen Blick auf die Infrastruktur: Unsere Gebäude sind in den allermeisten Fällen genau für einen Zweck gebaut, als Büro, Schulhaus, Bahnhof oder Wohnhaus. Mit dem Effekt, dass die Gebäude die meiste Zeit im Tag ungenutzt bleiben. So ist in aller Regel ein Bürogebäude etwa 30-40% ausgelastet, bezogen auf einen normalen Arbeitstag. Das macht dann effektiv 2-3 Stunden pro Tag. Und was ist mit dem Rest der Zeit? Wir heizen, beleuchten, belüften, schlichte betreiben ein Gebäude 24 Stunden, um es dann ein paar wenige Stunden zu nutzen.  Wenn die Bienen Gleiches täten, wären sie wohl in wenigen Wochen gestorben. 

Doch Bienen nutzen ihre Infrastruktur ganz anders. Die Waben sind nicht nur Speicher für Nektar und Honig, sondern auch Brutstätte und schlicht Wohnraum. Das ist nur dank der flexiblen Nutzung der ihnen zur Verfügung stehenden Resourcen oder Infrastruktur möglich. Hier können wir uns ein Beispiel nehmen. Vielleicht ist es doch klüger, sich über die multifunktionale Nutzung von Gebäuden Gedanken zu machen, anstatt viel Geld in teure Gebäudehüllensanierungen zu stecken. Wenn wir es schaffen, die Auslastung nur um ein paar wenige Stunden zu erhöhen, wird die Effizienz verdoppelt und das ohne grosse baulichen Massnahmen. Natürlich sollen wir es deswegen nicht unterlassen, das Gebäude auf Energieeffizienz zu trimmen. Doch soll es ein Denkanstoss sein, sich auch gleich über die clevere Nutzung Gedanken zu machen.

Unterdessen gibt es glücklicherweise doch einige erste Beispiele, wie das gehen könnte. Es gibt beispielsweise immer mehr Restaurants, die ihre kundenarmen Zeiten damit überbrücken, indem sie Startups die Esstische als Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Für eine monatliche Pauschale gibt es dann Wifi und Kaffee à discretion mit der Auflage, den Tisch über Mittag für hungrige Gäste zu räumen. Und warum können Bürogebäude abends nicht für Vereinstreffen oder Erwachsenenbildung genutzt werden? 

Das Gleiche gilt übrigens auch für unsere Verkehrsinfrastruktur. Unsere Bahninfrastruktur beispielsweise ist auf die zwei Spitzen morgens und abends ausgelegt. Tagsüber fahren die Züge leer umher, Hauptsache der Taktfahrplan kann aufrechterhalten werden. Interessanterweise ist es aber für den Güterverkehr immer schwieriger, freie Trasses zu bekommen. Wir können uns diesen Luxus noch leisten, doch müssen wir uns schon hinterfragen, ob es nicht auch effizienter geht. On Demand Mobilität heisst eines der grossen Schlagworte der Branche, doch man reduziert es letztendlich meist nur auf eine neue Form von Sammeltaxis. Warum kann denn der Bahnverkehr nicht auch on Demand stattfinden? 

Um den Bogen zu den Bienen zu schlagen, gilt es hier primär eines zu erwähnen. Bienen fliegen nur, wenn es unbedingt sein muss. Diese vermeintliche Faulheit ist äusserst effizient. Hier sollten wir uns das eine oder andere Mal auch fragen, ob wir nun wirklich zu diesem Meeting fahren müssen oder ob es Skype nicht vielleicht auch tut.

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Stefan Metzger
Stefan Metzger

Senior Vice President / Head of Smart City, Swisscom

for Smart City, Responsive Cities, Digitale Transformation

Als Head of Smart City verantwortet Stefan Metzger das konzernweite Smart City Programm der Swisscom, die sich als vertrauensvolle Begleiterin von Gemeinden, Städten und Partnern in der digitalen Transformation sieht.