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Prof. Dr. David Matusiewicz

Prof. Dr. David Matusiewicz

für Gesundheitswesen | Medizinmanagement | & Co.

Stimmen zur Digitalen Transformation im Gesundheitswesen

Eigene Darstellung.
Digitalisierung im Gesundheitswesen - spanned wie Ritterfussball.

Die sog. „Medizin 4.0“ steht bereits in der offenen Tür der deutschen Gesundheitsversorgung. Die Digitalisierung wird die Gesundheitswirtschaft in den nächsten Jahren deutlich verändern. Dies betrifft neben den Kostenträgern und Leistungserbringern vor allem auch Versicherte und Patienten. Diese werden aufgrund der Verwendung digitaler Lösungen eine aktivere Rolle als souveräne Kunden einnehmen.

Digitalisierung wartet nicht.
Prof. Dr. Arno Elmer, Innovation Health Partners (vormals Hauptgeschäftsführer der gematik).

"Digitalisierung bietet die Chance die Versorgung, die Effizienz und die Wirtschaftlichkeit des deutschen Gesundheitswesens kurzfristig, nachhaltig und signifikant zu verbessern. Dafür werden willige und mutige Partner, Personen und Institutionen sowie rechtliche und finanzielle Handlungsspielräume und vor allem keine Verbote (Verbotsvorschriften) benötigt“, so Prof. Dr. Arno Elmer, der bis Mitte 2015 als Hauptgeschäftsführer der gematik, Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH für den Turnaround des größten europäischen eHealth-Projekts verantwortlich war.

Digitalisierung ist nicht zimperlich, sondern so wie Eishockey im Sport: schnell, hart und technisch anspruchsvoll.

Der digitale Wandel macht vor keiner Branche halt: Medien, Handel und Logistik, Banken und auch Ingenieurwesen sowie Maschinenbau sind zum Teil dabei sich neu zu erfinden. Folgende Fragen spielen dabei eine Rolle: Wird auch das so unbewegliche Gesundheitswesen durchgerüttelt werden, so wie es in den anderen Branchen bereits passiert ist?

Eigene Darstellung.
Das Gesundheitswesen befindet sich in der Phase der digitalen Transformation - hier zu sehen die sog. "Hockeykurve".

Wird es dann den Gesundheitsunternehmen ähnlich ergehen wie z.B. dem Unternehmen Kodak, die die digitale Fotografie verschlafen haben, oder wie in dem Taxigewerbe, das plötzlich wie aus dem Nichts durch Uber auf den Kopf gestellt wird?

„Auto“ wird zum funktionellen Ort für Telemedizin.
Stefan Lummer, Chefredakteur BKK Dachverband

Stefan Lummer, Chefredakteur beim BKK Dachverband, äußerte sich zum Bereich Automobilindustrie mit den gesundheitsrelevanten Aussagen: „Die nahe Zukunft wird das Auto verändern. Die Manager der Autokonzerne arbeiten gerade mit den besten Köpfen daran, weltweites Wissen zu einem neuen Verständnis des mobilen Lebens zu bündeln. Ein Automobil wird zukünftig weit mehr können, als uns nur mobil zu machen. Die AUDI AG und ihr strategischer Partner, die Audi BKK, denken das Produkt „Auto“ neu und machen es zum funktionellen Ort für Telemedizin. Die AUDI AG ist in der Frage, wie können wir das Auto neu denken, innovativ. Dabei zieht der Autokonzern unmittelbaren Nutzen daraus, seine eigene Betriebskrankenkasse zu haben und involvieren zu können. Denn das Management kann aus dieser Quelle Wissen schöpfen, das strategisch relevant ist, beispielweise in der Verbindung, wie künftig die Menschen die Zeit im Auto nutzen und dabei ihre Gesundheit fördern zu können oder wie künftig die Menschen die Zeit im Auto sinnvoll für ihre Gesundheit nutzen können?“

Digitalisierung verbindet etablierte Gesundheitsakteure und die Industrie.

Aus dem Gesundheitswesen gibt es folgende Beispiele dafür: Online-Apotheken greifen heute schon die stationären Apotheken an. Derzeit wird eine digitale Krankenversicherung per App analog Oscar aus New York konzipiert. Das Krankenhaus 4.0 setzt auf die digitale Patientenakte, Startups und Entrepreneure bauen an Gesundheitsportalen, Online-Terminfindung oder auch digitalen Zweitmeinungsportalen. Wir sind mitten drin in einem Transformationsprozess, der nicht mehr aufzuhalten ist.

Digitalisierung im Gesundheitswesen bedeutet nicht nur den Stift durch die Tastatur zu ersetzen.
Christan Gehne, Experte für digitales Zuweisermarketing Kliniken Essen-Mitte

Christian Gehne, der als Experte für digitales Zuweisermarketing bei den Kliniken Essen-Mitte verantwortlich ist, weist auf folgende Veränderungen hin: „Digitalisierung bedeutet nicht nur den Stift durch die Tastatur zu ersetzen, sondern Prozesse und Strukturen zu implementieren, die den Anforderungen der Digitalisierung Rechnung tragen. Denn Bits und Bytes alleine lindern noch keine Krankheit – es gilt die Chancen der Digitalisierung mit den Möglichkeiten der Medizin sinnig zu verknüpfen.“

Wohin geht die digitale Reise?

Die etablierten Akteure im Gesundheitswesen halten krampfhaft an Traditionen fest, während eine neue Generation auf Watson und Dr. Google setzt und dabei hofft, ein „Einhorn“ auch im Gesundheitswesen auf die Beine zu stellen. Fraglich ist, ob sich dadurch auch die Interaktion zwischen dem Patient und dem Leistungserbringer verändern wird. In der Soziologie wird Interaktion bezeichnet als ein aufeinander bezogenes Handeln von zwei oder mehreren Personen. In der Informatik hingegen beschreibt die Interaktion Handlungen zwischen Mensch und Computer. Wie könnte es demnach im Gesundheitswesen aussehen? Fakt ist, Dr. Computer kennt keine Ermüdung, keine Flüchtigkeitsfehler, ist immer auf dem aktuellsten Stand der Forschung, kann sich mit einer Datenbank verknüpfen und komplexe Recherchen durchführen und Entscheidungen in Sekunden treffen. Es geht nicht um die Substitution des Arztes, sondern um die Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten - insbesondere in der Diagnostik. Der Arzt kann sich auf Therapie die konzentrieren.  Seine zukünftigen Skills werden dann in Richtung Emphatie und Kommunikation gelenkt.

Zusammenfassend werden noch fünf Thesen zur Transformation im Gesundheitswesen zur Diskussion präsentiert:

  • These 1: Medizin wird weniger zufällig und wird auf mehr Daten und damit Evidenzen basieren.
  • These 2: Neue Geschäftsmodelle werden zur Transformation (und ggfs. Disruption) im Gesundheitswesen führen: „Uberization“ im Gesundheitswesen.
  • These 3: Muss ein Geschäftsführer eines Krankenhauses von morgen auch ein halber IT-ler sein? Die Entscheider im Gesundheitswesen von morgen werden sich darauf einstellen müssen, der digitalen Medizin gegenüber „intellektuell gewachsen“ zu sein.
  • These 4: Der Wert der Dialogkultur „Mensch-Mensch“ an sich steht derfremdgesteuerten Kultur durch Wearables und eingebaute Medizintechnik entgegen.
  • These 5: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist kein Trend – Sie geht nicht mehr weg.

Und bis es soweit ist, kann sich der Arzt weiterhin an seinem Fax-Gerät erfreuen und der Patient kann hoffen, dass der Akku für die Zeit im Wartezimmer ausreicht.

Über den Autor

Prof. Dr. David Matusiewicz
Prof. Dr. David Matusiewicz

Vorstand, DGFM e.V. - Mensch. Medizin. Markt.

für Gesundheitswesen | Medizinmanagement | & Co.

Dekan des Hochschulbereich Gesundheit & Soziales und Direktor des ifgs an der FOM Hochschule | Gründungsgesellschafter EsFoMed GmbH | Vorstandsstabstelle in der Gesetzlichen Krankenversicherung | Buchherausgeber, Speaker und Moderator.