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Kai Schmidhuber

Kai Schmidhuber

for Internet & Technologie, Marketing & Werbung, Personalwesen, Wirtschaft & Management

The "New Normal": Keine Zahnbürste, aber zwei Telefone?

Eben in der Airport-Security-Schlange: ein junger Mann im königsblauen Slimfit-Anzug ist vor mir an der Reihe und entledigt sich seiner elektronischen Gegenstände. Sie kennen die Prozedur - alles muss ins Körbchen. Ich traue meinen Augen kaum. Wer den Film "Mary Poppins" kennt oder schon einmal im entsprechenden Broadway-Musical war, kann sich die nun folgenden Choreographie vielleicht bildlich vorstellen. Stellen Sie sich dafür einfach die Szene vor, in der Mary Poppins verschiedene, unmöglich große, Gegenstände aus ihrer kleinen Handtasche zieht. In etwa so, als hätte die Tasche überhaupt keinen Boden...

Zurück zur Security-Show: die Laptoptasche des jungen Mannes gibt zunächst ein klassisches Business-Notebook preis. Die üblichen Aufkleber samt Login-Passwort verraten die Business-Herkunft. So weit, so gut. Anschließend zieht er aus der selben Tasche noch ein großes MacBook hervor. Weiter gehts - der kleine Rollkoffer wird geöffnet. Zum Vorschein kommen: ein E-Book-Reader und ein großes I-Pad - beide in schicken Lederhüllen. Dann fasst sich der junge Mann ans Jacket und zaubert aus der Innentasche ein iPhone hervor. Nur ein IPhone? Falsch gedacht - gleich zwei Stück. Eines aus der linken Tasche, eines aus der rechten Tasche. Ich taxiere den Wert der elektronischen Gegenstände im Körbchen, werde aber abgelenkt. Denn jetzt kommt noch eine Nintendo Switch-Konsole zum Vorschein. Ich bin nicht nur gedanklich begeistert - ich gebe spontan Szenen-Applaus. Jetzt die obligatorische Frage vom Sicherheitsmann: „irgendwelche Flüssigkeiten dabei?“. Antwort: „Nope“. Ich lasse das erstmal sacken.

Später, als der Mitreisende seine Sachen wieder zusammen räumt, frage ich ihn, was er mit dem ganzen Kram eigentlich treibt. Er erklärte mir, dass er nur für ein Business Meeting in Düsseldorf war und nach einer Nacht im Hilton wieder auf dem Weg gen Berlin ist. Auf die augenzwinkernde Frage, wie er es mit der Körperhygiene hält, lacht er: „Zahnbürste und Duschgel sind in der Room-Rate inklu“. „Nice“, sage ich!

Viele Menschen sind heutzutage so unterwegs. Vielleicht nicht alle ohne Kulturbeutel, aber die meisten mit einem Haufen elektronischer Gadgets. Weil die Dienstreise ohne Laptop und Handy natürlich nicht funktioniert. Und weil die private Erreichbarkeit ja auch gegeben sein muss. Und was tun gegen einsame Abende im kahlen Hotelzimmer? Digitales Entertainment ist Pflichtprogramm.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir tut das alles irgendwie leid. Müssen wir wirklich so viel Kram mit uns herumschleppen? Wer braucht das alles wirklich? Es gibt inzwischen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die uns Menschen tatsächlich eine "Technologie-Abhängigkeit" attestieren. In Asien und anderen Teilen der Welt entstehen erste Reha-Programme für Technologiesüchtige.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch - ich möchte dem jungen Mann keine Techniksucht unterstellen. Als "Digitalexperte" gehöre ich ja selbst voll zur Risikogruppe, so es diese denn gibt. Ich frage mich nur, wie es so weit kommen konnte, dass wir mit zwei Laptops, einem Ipad, einem elektronischen Buch und zwei Smartphones verreisen müssen - für einen einzigen Tag? Die Spielkonsole zähle ich schon gar nicht mehr mit. Was sagt das über uns? Ist das "New Work"? Und welche Bedeutung hat die Tatsache, dass die Nachrichten gestern völlig von der Berichterstattung über das neue iPhone dominiert waren? Mit LIVE-Ticker! Super, es hat nun drei Kameras. Und die können alle gleichzeitig aufnehmen. Und das Gerät ist auch viel billiger. Was soll das alles?

Um klar Position zu beziehen - ich liebe die Digitalisierung. Ich finde Dinge toll, die die Welt zum Besseren verändern und das Leben der Menschen leichter, besser und schöner machen. Und daran arbeite ich mit Leidenschaft - und das seit vielen Jahren. Aber gerade sind wir im Begriff, die richtige Ausfahrt zu verpassen. Die Technik trägt nicht uns, sondern wir sie. Im wahrsten Sinne. 

Was meinen Sie? Sehe ich das zu eng?

Ihr 

Kai Schmidhuber

Über mich:

Digitalsierung - noch nie gemacht? Dann ist es möglich! Nach Top-Executive-Positionen bei LOREAL, HENKEL, DHL und FRAPORT ist es als digitaler Transformer meine Passion, Unternehmen zu helfen, sich neu zu erfinden. Digital Scout gesucht? Ob als kreativer Unternehmensberater, Interim, Trainer, Coach oder Vorturner, ich bin agil für meine Auftraggeber im Einsatz. Meine Mission: Digital entmystifizieren! Die digitale Transformation funktioniert am besten ganz ohne Buzzword-Kanonen, PowerPoint-Voodoo, Regenmacher und Zauberkünstler, die daraus eine Geheimwissenschaft machen. Bei mir bekommen Sie Klartext zu verständlichen Innovationen, die Ihr Unternehmen hier und heute voranbringen. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Wie würde ein Startup Ihr bisheriges Geschäftsmodell digital völlig neu aufziehen? Auch als Keynote-Speaker gebe ich Input zur digitalen Transformation und rocke mein Publikum mit spannenden Fails, Motivationsschub garantiert! Wer neue Ergebnisse will, muss neue Wege gehen.

About the author

Kai Schmidhuber
Kai Schmidhuber

Vorstand Digital & Innovation, Marketing Club Düsseldorf e.V.

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Ich entmystifiziere die digitale Welt und helfe Unternehmen damit, sich neu zu erfinden. In Top-Positionen bei LOREAL, HENKEL, DHL & FRAPORT ist mir das oft gelungen. Motto: Noch nie gemacht? Dann ist es möglich! Als Redner und Berater teile ich meine lehrreichsten Rückschläge hinter den Kulissen.
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