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Barbara Simonsen MBA

Barbara Simonsen MBA

für kompetente Führung & stimmige Karriere

Und was kommt im Ruhestand? Manager zwischen Leere und Engagement

@Halfpoint/Fotolia.de

• Macht, Status und Anerkennung bestimmen die Identität von Managern.

• Der Rollenwechsel vom Manager zum „Ruheständler“ ist schwierig.

• Neue Ziele und Aufgaben bringen Zufriedenheit.

Viele Führungskräfte können sich nicht vorstellen, dass es ein Leben nach dem Arbeitsleben gibt. Denn: Sie sind, was Beruf und Rolle über Jahre aus ihnen gemacht hat. Sie SIND ihre Karriere und ihr Führungshandeln. Sie wissen, wie sie sich in Hierarchien und ihrer Rolle entsprechend verhalten müssen - bei Entscheidungen, in Konflikten, in der Personalführung.

Macht, Status und Anerkennung sind eine Art Lebenselixier. Was wäre, wenn dieses fehlen würde? Niemand möchte ein Niemand sein…

Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn viele Leistungsträger nicht gerne an einen möglichen Ruhestand denken. Weshalb sollten sie freiwillig etwas verlassen, was sie mitaufgebaut und mitverantwortet haben – zwar beruflich, dieses jedoch als persönliches Lebenswerk betrachten?

Dann doch lieber abwarten, bis sie gehen müssen.... Zuhause wartet vielleicht ein bisher vernachlässigtes Privatleben. - Das sind keine guten Perspektiven! Und denkt man an den Film von Loriot „Pappa ante portas“, dann ist das Ergebnis der häuslichen Mitwirkung nicht gerade erhellend. ;-)

Was kann einen Manager also zum „Gang ins Exil“ locken – zum Übertritt in den dritten Lebensabschnitt, wenn Gedanken an Statusverlust, Degradierung und Langeweile überwiegen – nebst den ambivalenten Wünschen, auch mal das Hamsterrad verlassen zu dürfen und sich mehr Müßiggang zu erlauben?

Empty-Desk-Syndrom

So nennen der Psychologe Otto Quadbeck und sein Mitautor Wolfgang Roth das mehr oder weniger tiefe Loch, in das Manager nach dem Ende des Berufslebens im Ruhestand fallen.

Diese Leere nach dem Eintritt in den Ruhestand ist umso größer, je mehr der Beruf bisher im Lebensmittelpunkt stand und wenn dies bedeutete: kaum Familienleben, keine Hobbies, wenig außerberufliche Kontakte, kein zivilgesellschaftliches Engagement.

Und: Je mehr die Gedanken an ein Ausscheiden aus dem Berufsleben verdrängt worden sind, umso weniger Orientierungspunkte gibt es für den neuen Zeitabschnitt. Dann erscheint der Wechsel in den Ruhestand als so abrupt, dass nicht überblickt werden kann, WIE diese Zeit gemeistert werden soll und ob eine Bewältigung überhaupt möglich ist.

Viele Berufstätige erleben es ähnlich, wenn sie unfreiwillig aus dem Erwerbsleben ausscheiden: Der Verlust der Arbeit ist eine Krise! Und es ist ganz schön hart, in dieser Situation zuversichtlich zu bleiben, alle Kräfte zu mobilisieren, neue Wege zu gehen und neue Aufgaben zu finden.

Die Manager haben wenigstens keinen finanziellen Stress, mag hier der Einwand lauten. Sie sind doch finanziell abgesichert. Weshalb sollte es ihnen denn schlecht gehen?

Für Nicht-Führungskräfte mag es schwer nachvollziehbar sein, dass Manager den Übergang in den Ruhestand als derart großen Verlust, als schwere Lebenskrise, erleben - gefolgt von starken psychosomatischen Beschwerden und erhöhter Suizidgefahr.

Zum Verständnis gehört: 

WIE ein solches Geschehen psychisch erlebt wird, ist von größerer Bedeutung und wiegt mehr als die finanzielle Sicherheit oder der bisherige Berufserfolg.

Führungskräfte, deren Identität sich jahrzehntelang fast ausschließlich auf die Managerrolle bezieht, fehlt es meist an Erfahrungen und Aktivitäten außerhalb des Berufslebens, durch welche sie ebenfalls Erfüllung erfahren. Beim Eintritt in den Ruhestand wissen sie nicht, wie sie die neue Lebenssituation meistern können. Sie kennen ihre persönlichen Stärken und Ressourcen nicht. Und ihr bisheriges Rollenverhalten hilft leider nicht, die neue Lebensphase zu bewältigen und Glück und Zufriedenheit zu finden.

Das Geheimnis für einen gelingenden Einstieg in den Ruhestand liegt in der Vorbereitung

  • also in einer frühzeitigen, gedanklichen Auseinandersetzung mit dem zukünftigen Ruhestand. Dadurch entstehen Orientierung und eine gewisse Sicherheit.

Vor Eintritt in den Ruhestand sollte unter anderem darüber nachgedacht werden:

Wie bestimmt meine Arbeit mein Leben? Welche Bedürfnisse werden/wurden damit befriedigt? Wie bekomme ich Abstand? Wer bin ich – ohne Arbeit? Was ist mir wichtig in meinem Leben? Was sind meine neuen Ziele? Wie kann ich aktiv sein? Mit wem?

Acht Tipps, wie Ihnen der Übergang in den Ruhestand gut gelingt

Warten Sie nicht, bis man Sie zwingt, in Ruhestand zu geben. Wählen Sie den Absprung selbst und zu passender Zeit. Je später dieser stattfindet, desto schwieriger wird es für Sie, eine gute Einstellung zum Ruhestand zu finden. 

Bauen Sie  während der letzten Berufsjahre nebst Ihren Führungstätigkeiten im Unternehmen ein außerberufliches Engagement auf und testen Sie dabei neue Funktionen, Rollen und Aufgaben.

Sorgen Sie sowohl vor wie während des Ruhestands gut für Ihre Gesundheit – für Ihre Vitalität und Ihre Entspannung.

Tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten und ehemaligen Kollegen, die schon im Ruhestand sind, aus.

Werden Sie sich bewusst, dass die Familie eine wichtige Quelle für Unterstützung ist. Tragen Sie dazu bei, dass sich das Familiennetz auch in Krisenzeiten bewährt.

Finden Sie heraus, wodurch Sie im Innersten angetrieben werden: Was gibt Ihnen Sinn, Erfüllung, Freude und Schwung? In welchen Momenten? Welche Überschrift geben Sie der neuen Lebensphase?

Welche Aufgaben passen zu diesen Zielen? Wie und wo können Sie diese übernehmen? Was sind die nächsten Schritte zur Realisierung?

Wechseln Sie nach Eintritt in den Ruhestand im Tages- oder Wochenverlauf zwischen Routinen und Nicht-Routinen – zwischen bekannten Aktivitäten und gänzlich neuen Erfahrungen.

Nicht selten entwickeln sich Aktivitäten im Ruhestand aus drei Ansatzpunkten heraus:

  • Als „Weitermacher“ oder „Anknüpfer“: Sie finden Möglichkeiten, Ihre bisherigen Kompetenzen auf gleiche Weise weiter einzubringen: Zum Beispiel, wenn Sie vorher als Mentor für junge Führungskräfte im eigenen Unternehmen wirkten, jetzt als Mentor in einem Berufsnetzwerk. Oder Sie bringen Ihre Erfahrungen auf ähnlichen Gebieten aber in veränderter Form ein. Zum Beispiel in einem Beraterstatus, als Aufsichtsrat, als Vortragsredner, als ehrenamtlich Engagierter in Schule, Diakonie oder Kultur.

  • Als „Befreiter“: Auch ein Rückzug in das Privatleben kann sinnvoll sein - für mehr Freizeit, Bildung, Hobbies, Familienunterstützung etc. Besonders in der ersten Zeit des Ruhestands ist es günstig, Abstand zu gewinnen.

Nun zurück zur Ausgangsfrage: 

Was kann einen Manager zum Übertritt in den Ruhestand locken?

Vermutlich nur die individuelle Erkenntnis, dass im Ruhestand viele Freiheiten und Möglichkeiten liegen, die aktiv und selbstbestimmt gestaltet werden können: 

Sie als Mensch mit vielen Talenten und Fähigkeiten werden weiterhin gebraucht und können Dinge beeinflussen und bewegen - nur auf andere Weise als im Berufsleben, vor allem ohne Rollenzwang und Erfolgsdruck. Das bedeutet Freiheit und Autonomie!

Über den Autor

Barbara Simonsen MBA
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Führung & Karriere: Karriereeinstieg, Karriereplanung, Übergang in Ruhestand, www.simonsen-management.de

für kompetente Führung & stimmige Karriere

Ich unterstütze Sie als Coach & Beraterin, schwierige Situationen und Übergänge zu meistern: Einstieg in die Karriere, schwierige Führungssituationen, Entwicklung der Berufslaufbahn, Übergang in den Ruhestand. Zudem bin ich Moderatorin für große Anlässe mit Zukunftswerkstatt, World Café, OpenSpace.
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