Jochen Mai

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für Job & Karriere, Personalwesen, Internet & Technologie, Marketing & Werbung

Vier-Tage-Woche ohne Produktivitätsverlust? Moment!

Vier-Tage-Woche – ohne Produktivitätsverlust! Immer wieder lese ich solche „Erfolgsmeldungen“. Aber sagen die nicht das genaue Gegenteil?!

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Watzlawick-Fan und überzeugt bin: Man kann nicht nicht kommunizieren. Und wenn man erstmal die Sprache beim Wort nimmt, tun sich im Subtext schnell Abgründe auf …

So ist es auch hier: Wenn die experimentelle Einführung einer Vier-Tage-Woche zu der Erkenntnis führt, dass das zu keinerlei Produktivitätsverlust führt, sagt das dann nicht etwas Negatives über die bisherige Produktivität aus? Offenbaren Mitarbeiter an der Stelle nicht, dass sie all die Jahre in der Fünf-Tage-Woche mindestens einen Tag mal so komplett unproduktiv verdaddelt haben? Immerhin hätten sie auch ein Fünftel mehr schaffen können, wenn sie plötzlich dieselbe Arbeit in nur vier Tagen schaffen …?!

Mehr als fünf Stunden am Tag wird nicht gearbeitet

Der Verdacht deckt sich übrigens mit den vielen anonymen Umfragen, die wir von der Karrierebibel immer wieder und schon seit Jahren machen: „Wie viele Stunden arbeitest du tatsächlich am Tag?“, lautet die Frage. Dabei kam und kommt – im Schutz der Anonymität – immer wieder heraus: Rund 30 % sagen „nicht mehr als 4 Stunden“ und nochmal 30 % sagen „nicht mehr als 6 Stunden“ ... der Rest, nun ja, ist „Beschäftigung“ – aber eben keine Arbeit oder Produktivität...

Das Geld für eine Fünf-Tage-Woche haben natürlich trotzdem alle gern mitgenommen. Und so ist es jetzt auch mit der Vier-Tage-Woche: Die Mehrheit der Arbeitnehmer findet eine Vier-Tage-Woche richtig gut – aber natürlich nur bei vollem Lohnausgleich bzw. dem gleichbleibenden Gehalt der Fünf-Tage-Woche.

Ganz ehrlich: Ich finde das zunehmend verlogen. Keiner will mehr irgendetwas leisten. Freizeitmaximierung ist die neue Karriere. So viele suchen nur noch nach einem Finanzier für ihren Lebensstil. Ich habe so meine Bedenken, ob diese Wohlstandsverteidigung uns Deutschen nicht schon bald auf die Füße fällt. Wir waren mal das Land der Dichter, Denker, Disziplinierten und fleißigen Innovationsführer. Demnächst das Land der „Faulancer“?

PS: Ich habe nichts gegen eine Vier-Tage-Woche. Schönes Modell. Echt jetzt. Aber mein Verdacht ist, dass sich auch dort schon bald derselbe Schlendrian einfindet, was die Drei-Tage-Woche ohne Produktivitätsverlust schon bald zu einer attraktiven Alternative machen könnte … 😉

Wer schreibt hier?

Jochen Mai
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Gründer, Chefredakteur, Keynote-Speaker, Berater, Karrierebibel.de

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Erfolg ist kein Zufall – er wird gemacht: von dir! Seit mehr als 30 Jahren ist Jochen Mai leidenschaftlicher Autor und Speaker. In seinen Vorträgen begeistert der mehrfach ausgezeichnete Gründer und Journalist mit handfesten Praxistipps und modernen Erfolgsstrategien. Dein Erfolg ist seine Mission.
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