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Lutz Hirsch

Lutz Hirsch

for Interne Digitalisierung

Vom Digitalisierungshype zur digitalen Ernüchterung: Worauf es für Unternehmen jetzt ankommt

Studie "Digitale Realität in deutschen Unternehmen", Copyright: HIRSCHTEC

Wenn man die interne Kommunikation und Zusammenarbeit in Firmen betrachtet, so fällt heute eines immer wieder auf: Wo in vielen Unternehmen das digitale Arbeiten im Innovation Lab oder in der digitalen Einheit bereits bestens funktioniert, wird es noch lange nicht – und schon gar nicht nachhaltig – in die Kernorganisation überführt.

Entweder arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort noch wie in der digitalen Steinzeit. Oder aber: Die Tool-Landschaft ist zu komplex und Inhalte werden über die verschiedensten Kommunikationskanäle gestreut, sodass das Auffinden der für den Arbeitsalltag relevanten Informationen nicht gerade leichter – ja, wenn nicht sogar erschwert wird.

Berufstätige empfinden zu viele verschiedene digitale Instrumente als verwirrend

Die Folge davon: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen fühlen sich des Öfteren „digital verwirrt“. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine aktuelle Umfrage, die wir bei Kantar EMNID in Auftrag gegeben haben: Zwar stellen mangelndes persönliches Know-how oder auch unklare Regelungen zum Einsatz digitaler Instrumente für Berufstätige in ihrem Arbeitsalltag eher kein Problem dar. Nur 18 Prozent von ihnen sehen fehlendes digitales Wissen als Hindernis für die digitale Zusammenarbeit und lediglich 17 Prozent geben dies für unklare Regelungen zum Einsatz der Werkzeuge an.

Die Hürde Nummer eins heißt aber stattdessen: zu viele verschiedene digitale Tools. Fast ein Viertel der Berufstätigen bundesweit fühlt sich oft durch eine hohe Anzahl diverser Arbeitsinstrumente im Arbeitsalltag beeinträchtigt - unter den Befragten, die besonders viel digital arbeiten, sind es sogar mehr als ein Drittel.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor individuellen Herausforderungen

Doch damit nicht genug. Es zeigen sich zum Beispiel auch deutliche Unterschiede im Hinblick auf verschiedene Altersklassen: So fühlt sich die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen überdurchschnittlich oft durch fehlendes persönliches Know-how (24 Prozent) oder unklare Regelungen zum Einsatz digitaler Instrumente (20 Prozent) beeinträchtigt. Meiner Erfahrung nach ist in dieser Zielgruppe in Unternehmen besonders stark das mittlere Management mit Fokus auf Arbeitsabläufe und Zielerfüllung vertreten. Die Nutzung digitaler Kanäle wird daher hier oft kritisch mit Blick auf den konkreten Nutzen hinterfragt. Ganz im Gegensatz zu den jüngeren und älteren Berufstätigen. Sie sehen sich am seltensten durch fehlendes Know-how (unter 29-Jährige: 15 Prozent, über 60-Jährige:16 Prozent) und unklare Regelungen (unter 29-Jährige: 14 Prozent, über 60-Jährige: 12 Prozent) bei der digitalen Zusammenarbeit behindert. Die Werkzeuge werden einfach genutzt und in den Arbeitsalltag schnell integriert.

Die Ergebnisse zeigen, dass es ganz unterschiedliche Anknüpfungspunkte für Unternehmen gibt, um eine digitale Verwirrung oder eine digitale Ernüchterung bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vermeiden. Doch was können sie ganz konkret tun?

Hier ein paar Tipps:

  1. Die Mitarbeiter in Unternehmen denken und arbeiten digitaler als die Top-Entscheider oft annehmen. Pro Altersgruppe und Job-Profil sollten aber passende Initiativen und Kommunikationsmaßnahmen bei der Einführung von neuen Werkzeugen für digitale Kommunikation und Zusammenarbeit definiert werden. Junge und ältere Mitarbeiter adaptieren Lösungen oft schneller und gehen "natürlicher" mit den Werkzeugen um. Bei der mittleren, auf das operative Management fokussierten, Altersgruppe erfordert es mehr Überzeugungsarbeit bei der Anwendung im täglichen Berufsalltag.

  2. Für digital reife Unternehmen kommt es darauf an, ihre komplexe und stetige gewachsene Tool-Landschaft zu konsolidieren und auf wenige digitale Instrumente zu beschränken. Ein Zuviel an Werkzeugen führt zu Hemmnissen und digitaler Verwirrung.

  3. Unternehmen mit einem eher niedrigen digitalen Reifegrad sollten bei der Einführung von Kommunikations- und Kollaborations-Tools den Schwerpunkt auf die Vermittlung des nötigen Know-hows legen.

  4. Die Erfolgsformel für eine produktivere digitale Kommunikation und Zusammenarbeit lautet dabei stets: Tägliche Abläufe müssen durch die neuen Werkzeuge einfacher, besser und schneller gemacht werden. Sonst wird Digitalisierung als zusätzliche Belastung und "Schnickschnack" empfunden.

Die Studie „Digitale Realität in deutschen Unternehmen“ finden Sie auch als PDF zum kostenlosen Download auf https://hirschtec.eu/studie-digitale-realitaet-2018/.

About the author

Lutz Hirsch
Lutz Hirsch

Geschäftsführender Gesellschafter, HIRSCHTEC GmbH & Co. KG - Intranet Expertise

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Seit 2005 begleite ich mit HIRSCHTEC Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer internen Kommunikation und Zusammenarbeit. Themen, die mich dabei tagtäglich beschäftigen: Mitarbeiter in Unternehmen für den digitalen Arbeitsplatz begeistern, Change Management, Kulturwandel, IK- und Plattformtrends.
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