Svenja Hofert

Svenja Hofert

for Mindset und Arbeit der Zukunft, Transformation und Psychologie

Was tun gegen emotionale Ansteckung?

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Nein-Sagen hilft - und innehalten

Menschen stecken sich leicht an. Nicht nur am Corona-Virus, auch an Emotionen. Das Gefühl springt über und da nutzt auch kein Händewaschen. Das ist genauso positiv wie es negativ sein kann. Oft ist es eben: extrem.

Menschen laufen gern alle in die gleiche Richtung. Sie sind nicht rational, sie wägen nicht ab. Menschen sind keine Statistiker. Sie ignorieren zunächst kleine Fallzahlen und Vergleichsgrößen. Sie reagieren mehr auf das, was sie emotional hören und lesen.

Hysterie der Masse

Sie neigen bei subjektiv empfundener Bedrohung zur Hysterie.  Dann hamstern und klauen sie Desinfektionsmittel - Dinge, die man Erwachsenen so eigentlich nicht zutraut. Aber: Angst fressen Seele auf. 

Nun sind menschliche Emotionen ansteckend. Neurowissenschaftler nennen das sogar "emotionale Ansteckung". Die Psychologin Susan Weinschenck führt das zurück auf die Aktivität das uralten Hirnstamms. Es genügt ein Medienfeuerwerk oder auch einer, der sehr überzeugend ist, damit der Virus überspringt. 

Die Selbstregulation schwindet, die Wahrscheinlichkeit für unethisches Verhalten steigt. Wenn jetzt eben Desinfektionsmittel in Krankenhäusern entwendet werden oder Atemschutzmasken zu horrenden Preisen verkauft, passiert genau das. 

Wir können etwas tun

Wir sind uns selbst, der emotionalen Massenansteckung und der Hysterie nicht ausgeliefert. Der erste Schritt ist, sich auf das Menschlichsein zu besinnen. Dabei hilft Kants sehr sachlicher kategorischer Imperativ, den ich mal an eine Frage knüpfe: Kann meine Handlung die Basis einer allgemeinen Gesetzgebung zum Wohle aller sein sein? 

Bildung

Die wichtigste allgemeine und langfristige Vorsorge ist Bildung. Gemeint ist kein Bildungsabschluss, sondern Bildung im Sinne der Förderung von Ich-Stärke. Statistische Kenntnisse sind wichtig, nutzen aber allein nichts. Wenn Menschen ich-stark sind, also wissen, wer sie sind und sich entscheiden können, wenn sie kritisch fragen und hinterfragen können, sind sie gebildet. Sie werden dann versuchen sich eine Meinung zu bilden, bevor sie klauen.

Empathie

Enpathie ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, etwa die Ärzte, die dringend Atemschutzmasken brauchen. Es ist also nicht Mitleid, das verwechseln einige. Es ist die Fähigkeit, Perspektiven einnehmen zu können und zwar mit Haut und Haaren.  Jeder, der das kann, wird nicht mehr nur an sich denken.

Innehalten

Die eigenen Reaktionen zu hinterfragen, gehört dabei genauso zur Prophylaxe vor negativen Massenphänomen wie ein bewusster Umgang mit Heuristiken, den Abkürzungen im Gehirn. Wieso denke ich das? Welches Gefühl steckt dahiner? Welche Abkürzung nimmt mein Gehirn da gerade?

Nein sagen

Wenn alle in dieselbe Richtung laufen, ist es Zeit, sich zu fragen, ob das noch angemessen ist. Was sagt die Intuition? Oft weiß sie mehr als wir selbst und mehr als Experten.

Vier weitere Tipps zur Prophylaxe vor emotionaler Ansteckung:

  • ERST EMOTION, DANN WORTE. Wenn Sie eine Führungskraft sind, akzeptieren Sie, dass das Management Ihrer Stimmungen eine Ihrer Hauptaufgaben ist. Überlegen Sie sich also immer vorher, welche Stimmung Sie auslösen wollen. Die Worte kommen danach.
  • GEHEN SIE EMPATHISCH AUF STIMMUNGEN EIN, ABER GEHEN SIE NICHT IN IHNEN AUF. Ihre Aufgabe liegt darin, Stimmungen zu transformieren und zu verändern. Sie müssen damit wie in Katalysator die Emotionen wahr- und aufnehmen, aber auch verändern können.
  • BETONEN SIE POSITIVE EMOTIONEN. Aber nehmen Sie negative an und auf. Eine nicht wertgeschätzte negative Stimmung ist ansteckend, besonders wenn sich diese auf Sie überträgt. Geschieht das, gehen Sie raus, direkt und im übertragenen Sinn.
  • VERKLEINERN SIE GROSSE GRUPPEN BEI EMOTIONALER ANSPANNUNG. Wenn sich erstmal zwei oder drei austauschen, senkt das die emotionale Ansteckungsgefahr erheblich. Wenn die kleinen dann wieder in eine größere Gruppe zusammenkommen, sieht die Welt anders aus.

Hier habe ich etwas ausführlicher über Massenpsychologie und kollektives Verhalten geschrieben.

About the author

Svenja Hofert
Svenja Hofert

Geschäftsführerin, Teamworks Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH

for Mindset und Arbeit der Zukunft, Transformation und Psychologie

Svenja Hofert engagiert sich für eine gute Zukunft der Arbeit. Sie ist Bestsellerautorin (u.a. "Mindshift", Campus-Verlag), Managementberaterin und Geschäftsführerin der Weiterbildungsanbieters Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH in Hamburg.
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