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Andreas Diehl

Andreas Diehl

für die Digitale Neuordnung (#DNO)

Was uns das WM-Aus über agile Führung lehrt

Getty Images / Matthias Hangst / Staff

Der Stachel sitzt tief. Noch nie ist eine deutsche Mannschaft in der Vorrunde gescheitert. Ich bin sprachlos. Aber so enttäuschend das Ausscheiden auch ist, zeigt mir die Auseinandersetzung einmal mehr wie agile Führung funktionieren kann und welche Werte nötig sind, um agil zu arbeiten. 

Aus Fehlern wird kein Strick gedreht

Der mediale Aufschrei ist groß. Köpfe müssen rollen, der Trainer und Spieler ersetzt und ausgetauscht werden. Fehlersuche wird zum Finger Pointing und der Suche nach dem Schuldigen. Auch agile Teams würden sich der Fehlersuche stellen. Allerdings mit dem Bestreben die wirkliche Ursache zu finden und sich nicht damit zu beschäftigen WER den Fehler gemacht hat. Wenn der DFB und Jogi ihre Aufbereitung also mit einem agilen Mindset angehen, dann stellen sie persönliche Befindlichkeiten und die Suche nach einem Schuldigen erstmal in den Hintergrund und fragen sich, was die echten Ursachen für das Ausscheiden waren. Für ein agiles Team ist es zu einfach das WM-Aus an ein paar Personen, Spielern und dem Trainer festzumachen.

Erfolg ist das Ergebnis eines funktionierenden Systems

Agile Frameworks basieren auf der Idee, dass Menschen selbst organisiert zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit basiert auf einem gemeinsamen Regelwerk und dem Wunsch ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Diese Art der Zusammenarbeit ist vor allem der systemischen Einsicht geschuldet, dass Systeme zu komplex sind um sie traditionell zu steuern. Schon deshalb muss der Versuch die Ursache des Scheiterns an einzelnen Personen fest zu machen scheitern. Der Erfolg einer Mannschaft und erst recht bei so einem Turnier, auf das Spieler Jahre lang hinarbeiten und die halbe Welt auf einen schaut, basiert auf dem erfolgreichen Zusammenspiel vieler einzelner Faktoren. Wer das WM-Desaster agil hinterfragt, analysiert also das gesamte System und dreht jedes Steinchen herum. Diese Analyse dient dem Ziel das System und seine internen Prozesse zu optimieren. So wie ein Scrum Team u.a. seine “Definition of Done” anpasst, wenn Fehler sich häufen. Jürgen Klinsmann hat es vor 14 Jahren vorgemacht hat und dieser Mut hat uns auf eine lange Erfolgswelle gehoben.

Vision, Leitbild und verkörperte Werte

Die Mitglieder eines agilen Teams teilen ein gemeinsames WARUM. Eine WM zu gewinnen kann alleine als Leitbild nicht taugen. Ottmar Hitzfeld wurde einmal gefragt, wie er seine Spieler nach dem Champions League Gewinn in 2001 wieder motivieren will. “Mit der Freude am Spiel” war seine Antwort.  Auch in der Presse wird viel darüber spekuliert, ob die WM-Gewinner von 2014 nicht "zu satt seien". Wir brauchen ein gemeinsames WARUM, das Spieler, Trainer, Betreuer und den DFB mit seinen Fans verbindet. Seit unserem Sommermärchen hatten wir so viel Freude an der deutschen Mannschaft, weil sie mit einer gewissen Leichtigkeit und Spritzigkeit den Rumpelfußball der 90er und frühen 2000er vergessen ließ. Selbst Fußball-Desinteressierte hatten ihre Freude an Poldi. Bei Schweini haben wir quasi zugeschaut, wie aus einem Milchbubi mit Popper-Frisur der Leader wurde, der sich für ganz Deutschland mit blutender Wunde durch das WM Finale 2014 kämpfte. Und ich glaube was viele von uns stört ist das Fehlen dieser Werte, mit denen wir uns alle identifizieren. Der DFB und unsere Mannschaft haben ihr Leitbild verloren, zu viel Marketing, zu wenig Werte, die uns Fans die Chance geben mit Haut und Haaren dabei zu sein. Wenn der DFB und Jogi sich mit einem agilen Mindset hinterfragen, dann stellen sie sich die Frage nach dem Leitbild und den Werten, für die die Mannschaft und der deutsche Fußball stehen will. 

Fazit - Agile Demut und Würdigung

Überspitzt könnte man sagen, dass die WM nur ein Sprint war, der kräftig in die Hose ging.

Die Katastrophen EM 2004 war der Startpunkt für 13 Jahre Freude am deutschen Fußball, Stolz auf die deutsche Mannschaft und seine Trainer. Diese Jahre haben wir genossen, aber vielleicht auch vergessen woher wir kamen. Jetzt ist (mal wieder) ein Tiefpunkt erreicht. 

Dieser Tiefpunkt ist ganz sicher der Anfang einer neuen deutschen Mannschaft. Vielleicht müssen wir einfach etwas demütiger sein und auch die Zeitrechnung vor 2006 bemühen, um auch dankbar für das zu sein, was wir nun 13 Jahre lang genossen haben. Die Würdigung dessen was erreicht wurde, Respekt vor den handelnden Personen aber auch die Demut das Geschehen in eine richtige Perspektive zu setzen ist nicht nur eine sehr humane, sondern entspricht durchaus auch meinem agilen Verständnis.

Wirklich leid tut es mir nur für meinen Kleinen und alle anderen Kinder, die ihrer ersten “bewussten” WM so entgegengefiebert haben und deren Kinderaugen nun rot vom Weinen sind. Aber Kopf hoch Yano, der deutsche Adler wird das Fliegen wieder lernen.

Über den Autor

Andreas Diehl
Andreas Diehl

Digital Berater - Agiler Coach - Blogger - Digitale Neuordnung (#DNO), AD GmbH - Digitale Neuordnung (#DNO)

für die Digitale Neuordnung (#DNO)

Ich blogge über Chancen, Verwirrungen und Neuordnungen im Rahmen Digitalisierung. Dabei teile ich praktische Erfahrungen wie Führungskräfte "digital führen", wie sich Unternehmen digital entwickeln und welche Auswirkungen das neue Arbeiten auf unsere Arbeitskultur hat.
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