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Anja Förster

Anja Förster

for Querdenken, Perspektiv-Wechsel, Innovation, Führung

WENN POTENZIAL MEHR ZÄHLT ALS ERFAHRUNG

Wenn es im Naturschutz Rockstars gäbe, wäre diese Frau Mick Jagger, Bob Dylan, John Lennon und Elvis in einem! Die Rede ist von Jane Goodall und von ihr habe ich gelernt, welche fünf Werte in einer Welt des Wandels elementar sind ...

Diese Doku hat mich berührt: „Jane’s Journey“ ist ein toller Film über das Leben und die Arbeit der Umweltaktivistin, Schimpansen-Forscherin und UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall. Sie ist eine Ikone des Natur- und Artenschutzes und darüber hinaus eine inspirierende Persönlichkeit. Ihr Beispiel macht Mut, selbst aktiv zu werden und sich für seine Herzensangelegenheiten einzusetzen. Zweifellos gebührt ihr höchste Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz für ein friedliches Zusammenleben von Menschen und den schonenden Naturschutz. Darüber hinaus ist aber noch eine andere Sache im Leben der 1934 geborenen Engländerin sehr interessant: Wie nämlich alles begann!

Qualifizierung alleine genügt nicht mehr

1957 reiste die damalige Sekretärin zum ersten Mal nach Afrika, um einen Schulkameraden zu besuchen. Dort lernte sie Louis Leakey kennen, Direktor des „Kenya National Museum”, der zu den großen Pionieren der Paläoanthropologie gehörte. Leakey stellte Jane Goodall als Assistentin ein und übertrug ihr die Leitung eines wichtigen Forschungsprojekts: eine Feldstudie über Schimpansen in Tansania.

Nochmal: Sie war Sekretärin. Ihr akademischer Background? Null. Ihre bisherige Erfahrung im Bereich der Paläoanthropologie? Nicht existent. Ihr Werdegang als Forscherin? Nicht vorhanden. Warum also bekam sie den Job? – Weil Leakey in ihr einen Menschen mit Potenzial erkannte. Einen Menschen mit Offenheit, Neugierde, Entschlossenheit und dem riesigen Wunsch zu lernen und sich weiter zu entwickeln.

Für die meisten Menschen ist es kaum vorstellbar, dass heute so ein wichtiges Forschungsprojekt oder irgendein wichtiger Job an einen akademisch und fachlich komplett unerfahrenen Menschen vergeben würde. Doch Louis Leakey erkannte offensichtlich bereits vor rund 60 Jahren, was gerade heute – mitten im digitalen Wandel und disruptiven Umbrüchen – immer wichtiger wird: Qualifizierung genügt nicht mehr. Die Zeiten, in denen man sich auf Zertifikate und Zeugnisse der formalen Ausbildung verlassen konnte, um gut durchs Berufsleben zu kommen, sind vorbei.

Was interessieren uns unsere Zertifikate von gestern?

Das heißt keineswegs, dass eine solide Grundausbildung unnötig wäre oder Erfahrung ein Nachteil. Das nicht. Doch die formale Ausbildung ist eben nur noch ein Teil des Ganzen. Niemand bestreitet, dass das Wissen der Menschheit sich extrem schnell weiterentwickelt. Und gerade dieses hohe Veränderungstempo lässt die alte Praxis, in der die Eignung eines Bewerbers immer noch über Zeugnisse, Diplome und formale Ausbildung definiert wird, an ihre Grenzen stoßen.

Die Realität ist: In einer Welt, die sich in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit verändert, wird die Fähigkeit zu vergessen – also einmal Gelerntes wieder ad acta zu legen – zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Das wichtigste Kriterium zur Auswahl von Kandidaten für einen bestimmten Job sollte nicht die Zertifizierung aus der Vergangenheit sein, sondern das Potenzial eines Menschen – also das, was jemand in der Zukunft tun könnte.

Die fünf Eigenschaften von Menschen mit Potenzial

Unterstützung für diese Argumentation habe ich bei Claudio Fernández-Aráoz gefunden. Der Mann ist Senior Advisor bei der Personalberatung Egon Zehnder. Das tägliche Brot von Fernández-Aráoz ist es, passende Kandidaten für Top-Jobs zu finden. Er ist der Überzeugung, dass das Potenzial das Schlüsselkriterium sein sollte für die Suche und Ausbildung von Führungskräften. Noch vor Erfahrung und Fähigkeiten.

Mit dieser These hat er es auf den Titel der August-Ausgabe des Harvard Business Manager geschafft. Dort beschrieb er auch, wie er Potenzial identifiziert; fünf Indikatoren sind ausschlaggebend:

  1. Motivation
  2. Neugier
  3. Scharfblick
  4. Engagement und
  5. Entschlossenheit.

Und genau diese fünf Eigenschaften brachte Jane Goodall in den 50er Jahren im Überfluss mit nach Tansania. Eigenschaften, die elementar sind für eine Welt, in der es darum geht, sich flexibel auf den ständigen Wandel einzustellen und neue Herausforderungen zu meistern.

Motivation, Neugier, Scharfblick, Engagement und Entschlossenheit. Sind das Werte, die für euch selbst wichtig sind? Werte, die ihr bei euren Kindern fördern wollt? Bei euren Mitarbeitern?

Eure

PS: Ich freue mich über euer Feedback unter Kommentare. Wenn euch der Artikel gefällt, freue ich mich über ein Like und/oder Share. Vielen Dank!

Meine bisherigen Beiträge findet ihr hier.

Über die Autorin

Anja Förster ist Autorin, Unternehmerin und gefragte Vortragsrednerin. Sie stiftet Menschen dazu an, sich aus Denkschablonen zu befreien und ausgetretene Pfade zu verlassen. Ihre Bücher sind in viele Sprachen übersetzt worden und auf den Bestsellerlisten von Spiegel, Manager Magazin und Handelsblatt zu finden. Ihr Newsletter erreicht alle zwei Wochen 32.000 Leser. www.foerster-kreuz.com

About the author

Anja Förster
Anja Förster

SPIEGEL-Bestsellerautorin | Speaker | Gründerin Rebels at Work, Förster & Kreuz GmbH

for Querdenken, Perspektiv-Wechsel, Innovation, Führung

Ihre Mission ist es, Denkmauern einzureißen und den Horizont zu öffnen für eine neue Art zu leben und zu arbeiten. Ihre Bücher sind Spiegel-, ManagerMagazin- und Handelsblatt-Bestseller und in über 10 Sprachen übersetzt worden.