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Anja Förster

Anja Förster

for Querdenken, Perspektiv-Wechsel, Innovation, Führung

WIE MAN BEIM ESSEN ETWAS FÜR SEINE FIRMA LERNEN KANN

Klagen über Silodenken höre ich ständig. Firmen wie Hubspot zeigen, wie man es besser macht. Mit einer Unternehmenskultur ohne Dienstwege und einem Budget für interessante Menschen. Wow! ...

Silodenken! Mangelnder Ideenfluss! Zu wenig interne Kommunikation! – So höre ich Führungskräfte häufig klagen. Auch Kollegen untereinander machen sich diesen Vorwurf: „Die Leute bei uns müssten öfter mal über den Tellerrand ihres Tagesgeschäfts schauen!“

Das ist alles richtig und komplett nachvollziehbar. Aber die Frage ist doch: Was bringen solche gut gemeinten Aufforderungen?

Oder anders gefragt: Was genau müssten denn Führungskräfte tun, um es den Mitarbeitern zu ermöglichen, über den Tellerrand zu schauen, mehr miteinander zu kommunizieren, Ideen in den Umlauf zu schicken und mit dem Silodenken aufzuhören?

Ich hätte da eine Antwort, wenigstens eine Teilantwort: Sie könnten es so machen wie Hubspot!

Wenn die Chefs gerade NICHT bestimmen

Hubspot ist ein junges und erfolgreiches Unternehmen, das 2006 in Cambridge, Massachusetts gegründet wurde, der Heimat der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Hubspot bietet Cloud-Software zur Automatisierung des Marketings an.

Was diese clevere Company auszeichnet, ist eine ultramoderne Unternehmenskultur: Radikale Transparenz und nur ein Mindestmaß an Regeln. Im Umkehrschluss: Es gibt keine Dienstwege.

Die Mitarbeiter entscheiden selbst, was gut und richtig ist für das Unternehmen. Bei Hubspot gibt es keine Regelhandbücher. Anders als in den meisten Unternehmen wird den Mitarbeitern gerade NICHT bis ins kleinste Detail vorgeschrieben, was von wem wie zu tun oder zu unterlassen ist. Die Menschen bei Hubspot glauben gerade NICHT, dass ohne klare Anweisungen und anschließende Kontrolle Chaos entstünde oder Entscheidungen getroffen würden, die nicht im Sinne des Unternehmens wären. Stattdessen gilt dort als erste und wichtigste Leitlinie: USE GOOD JUDGEMENT! – Entscheide selbst und verwende dabei deinen gesunden Menschenverstand!

Das Interessante-Menschen-Budget

Ein weiteres Charakteristikum der Unternehmenskultur bei Hubspot ist es, den Ideenaustausch zu fördern. Anstatt es bei gut gemeinten aber auch irgendwie leeren Aufforderungen zu belassen, wie etwa „Nun tauscht euch mal aus! Seid doch mal ein bisschen offener!“, gibt es bei Hubspot einen „interesting person fund“. Das ist nicht mehr und nicht weniger als ein Budget, das ausschließlich dafür bereit steht, dass Mitarbeiter interessante Menschen auf einen Kaffee oder zum Essen einladen (Unlimited Free Meals Program).

Das ist ziemlich intelligent: Denn Mitarbeiter, die sich regelmäßig mit interessanten Menschen umgeben, von denen sie lernen können, erweitern ihren Horizont und sorgen für einen Zufluss an neuen Ideen.

Auch hier gilt: Gerade für so etwas braucht es NICHT viele Regeln, es braucht kein vorheriges „Erlaubniseinholen“, ob der oder diejenige zum Essen eingeladen werden darf und welche Summe dafür zur Verfügung steht, sondern lediglich die Maßgabe: Denkst du, dass du von diesem Menschen etwas lernen kannst? Wenn ja, dann los!

Beim Business-Netzwerk Linkedin gibt es auch ein solches Budget – dort allerdings mit einem weiteren Zusatz: Bitte schreibt hinterher eine kurze Zusammenfassung darüber, was ihr von eurem Gast gelernt habt.

Brillant! – Denn so wird die gewonnene Erfahrung sofort im Unternehmen geteilt.

Ein garantiert lohnendes Investment

Ich habe keine Ahnung, wie so ein Programm im deutschsprachigen Raum steuerlich funktionieren würde. Vermutlich gäbe es mal wieder zig Einwände. Aber ich bin davon überzeugt, dass Chefs Lösungen finden würden, wenn sie es wirklich wollten.

Darum: Liebe Chefs, probiert das in eurem Bereich doch einfach mal aus! Sie können ja ein Testbudget fixieren und die Zeitdauer befristen, um erste Erfahrungen zu sammeln.

Und liebe Nicht-Chefs: Schlagt euren Chefs doch mal so eine limitierte Aktion vor. Idealerweise wie bei Linkedin mit einer kurzen Zusammenfassung, was nebenbei deutlich macht, dass es um die Bereicherung der ganzen Organisation geht und nicht um Zusatzleckerlis für brave Mitarbeiter.

Solltet ihr weder Chef sein noch einen Chef haben, also selbstständig unterwegs sein, dann ist mein Vorschlag: Legt euch für diese Treffen ein jährliches Budget zurecht und gebt das Geld ganz rigoros und ohne Hemmungen dafür aus. Im nächsten Jahr könnt ihr dann ja Bilanz ziehen, ob das gut investiertes Geld war.

Ich halte die Wette: Ja, es ist gut investiert! Und das sage ich aus eigener Erfahrung …

Eure

PS: Ich freue mich über euer Feedback unter Kommentare. Wenn euch der Artikel gefällt, freue ich mich über ein Like und/oder Share. Vielen Dank!

Meine bisherigen Beiträge findet ihr hier.

Über die Autorin

Anja Förster ist Autorin, Unternehmerin und gefragte Vortragsrednerin. Sie stiftet Menschen dazu an, sich aus Denkschablonen zu befreien und ausgetretene Pfade zu verlassen. Ihre Bücher sind in viele Sprachen übersetzt worden und auf den Bestsellerlisten von Spiegel, Manager Magazin und Handelsblatt zu finden. Ihr Newsletter erreicht alle zwei Wochen 32.000 Leser. www.foerster-kreuz.com

About the author

Anja Förster
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SPIEGEL-Bestsellerautorin | Speaker | Gründerin Rebels at Work, Förster & Kreuz GmbH

for Querdenken, Perspektiv-Wechsel, Innovation, Führung

Ihre Mission ist es, Denkmauern einzureißen und den Horizont zu öffnen für eine neue Art zu leben und zu arbeiten. Ihre Bücher sind Spiegel-, ManagerMagazin- und Handelsblatt-Bestseller und in über 10 Sprachen übersetzt worden.