Prof. Dr. Nico Rose

Prof. Dr. Nico Rose

for Positive Psychologie, Führung, Sinnstiftung, Unternehmenskultur

Wörterbuch Post-Doc – Management | Management – Post-Doc

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Vorletzte Woche war ich an der WWU Münster zu einer Abendveranstaltung eingeladen. Thema dieses sogenannten Sommergesprächs in der Orangerie im Schlossgarten war die Frage nach Karrieremöglichkeiten für Post-Doktoranden in der Wirtschaft. Ich war als Firmenvertreter dafür eingeladen; neben mir waren noch weitere Personen auf dem Podium, unter anderem aus der Chemiebranche und einem Beratungshaus. Die launige Eröffnungsrede wurde von Frau Prof. Dr. Maike Tietjens, der Prorektorin für strategische Personalentwicklung, gehalten. Sie wies u.a. darauf hin, dass Post-Doktoranden neben ihrer spezifischen Fachexpertise über eine große Bandbreite an Erfahrungen und Kompetenzen verfügen, die auch in der Wirtschaft relevant seien; darunter:

  • Führen von Arbeitsgruppen;
  • Verfassen von Texten und Präsentationen;
  • Organisieren von Konferenzen;
  • Verwaltung von Budgets;
  • Management von anspruchsvollen Stakeholdern.

Die anwesenden Vertreter der Wirtschaft nickten zustimmend, während wir diesen Worten lauschten. Trotzdem mussten wir alle miteinander zugeben, dass diese Gruppe von Akademikern von unseren Unternehmen nicht gezielt angesprochen würde. Gleichzeitig beteuerten wir emphatisch, dass die Türen unserer Unternehmen weit offen stünden für Post-Docs. Auf der anderen Seite konstatierten wir, dass wir regelmäßig mit den uns zugesendeten Bewerbungsunterlagen von Post-Docs „nicht so viel anfangen können", weil sie in Form und Struktur nicht jenen Dokumenten entsprächen, die wir gewohnt seien.

Später am Abend, bei Schnittchen und einer Brause, ist mir im Gespräch mit einigen Teilnehmern aufgefallen, dass es am Ende des Tages oft einfach ein Problem der fehlenden Übersetzung zu sein scheint, wenn langjährige Akademiker sich in der Wirtschaft bewerben wollen. Es gelingt ihnen nicht in ausreichender Weise, ihre unbestreitbar vorhandenen Kompetenzen in einer Sprache auszudrücken, die Wirtschaftsunternehmen wertschätzen. Eine Dame verriet mir im Gespräch beispielsweise, dass sie ausgeprägte Kenntnisse im Bereich der Didaktik hätte, worauf ich ihr augenzwinkernd mitteilte, dass mich das als Personaler im Großkonzern total "abturnen" würde. Hätte sie stattdessen "Seminar-Design" gesagt, wäre ich Feuer und Flamme gewesen.

Post-Docs: Do you speak Management?

In diesem Sinne möchte ich im Folgenden eine Art Wörterbuch vorstellen, mit dem Doktoranden und Post-Doktoranden typische im akademischen Bereich zu sammelnde Kompetenzen in einer von der Wirtschaft wertgeschätzten Sprache ausdrücken können („When in Rome, do as the Romans do.“). Deutsches Management-Sprech ist ein krudes Gemisch aus Deutsch und Englisch. Zudem gibt es wie überall fachspezifische Abkürzungen, die man kennen und nutzen muss, wenn man nicht als Außenseiter dastehen möchte. Das kann man doof finden und auch kritisieren, es ändert aber nix.

Ich kann selbstverständlich nicht garantieren, dass ein Post-Doc durch eine Anpassung der Wordings im Lebenslauf automatisch einen Job in der Wirtschaft bekommt. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass sich auf diese Weise zumindest deutlich die Wahrscheinlichkeit erhöhen lässt, die entsprechenden Bewerbungsunterlagen nicht automatisch in der „Ablage P" wiederzufinden. Und das wäre doch schon ein großer Fortschritt, nicht wahr?

  • Didaktik = Seminar-Design, Learning Management, Teaching Experience
  • Statistik = Data Analysis, Predictive Analytics, Data Science
  • Schreiben von Forschungspapieren = Public Relations, Content Marketing
  • Veröffentlichung im Peer-Review-Verfahren = Stakeholder-Management, Corporate Politics
  • Präsentationen auf Forschungskonferenzen = Keynote Speaking, Conference Speaking
  • Ausrichten von Forschungskonferenzen = Conference Management
  • Führung einer Forschungsgruppe = Team-Management, Führungserfahrung
  • Drittmittelbeschaffung und -Verwaltung = Akquise, Budgetierung, Controlling
  • Verwaltung der Institutswebsite = Public Relations, Website-Management
  • Akquise und Pflegen von Sponsorenkontakte = CRM, B2B Sales

Selbstredend ist dies kein abgeschlossenes Werk. Vielleicht hat der eine oder die andere unter den LeserInnen Lust, relevante Begrifflichkeiten aus der Forschungslandschaft und deren Übersetzung im Kommentarfeld zu hinterlassen?

About the author

Prof. Dr. Nico Rose
Prof. Dr. Nico Rose

Professor für Wirtschaftspsychologie, International School of Management

for Positive Psychologie, Führung, Sinnstiftung, Unternehmenskultur

Nico Rose ist der Sinnput-Geber. Aktuelle Bücher: „Arbeit besser machen“ und "Führen mit Sinn". Laut Harvard Business Manager "einer der führenden Experten für Positive Psychologie in Deutschland“. Verheiratet, zwei Kinder. Heavy-Metal-Fan und Katzenfreund. Mitglied im FDP Wirtschaftsforum.
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