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Frank Stratmann

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für Gesundheitsbeziehungen

XPOMET: Es geht nicht um den Drucker

Frank Stratmann
Installation hier: ERROR – The Art of Imperfection' - Ein Projekt der Ars Electronica Linz und der Volkswagen AG

Mit seinem beseelten Auftritt startet Professor Jochen Werner - Chef des Universitätsklinikums Essen - gestern Abend vor 250 Enthusiasten und Szenenerds das XPOMET Jahr. Dabei berichtete er von seinen Erfahrungen im Umbau des Maximalversorgers im Herzen des Ruhrgebiets.

Vom Unbewegten zum Erstbeweger

Leidenschaftlich verwies der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende auf die Tatsache, dass es eben nicht nur um die technologische Transformation traditionell eingeprägter Musterlösungen im Gesundheitsgeschehen geht. Die Mentalität der Mitarbeiter und Berufsgruppen sei entscheidend. Mitarbeiter, die auf dem Weg nicht mitgenommen würden, stellen jede gewünschte Entwicklung in Frage. Das meint der Vorgesetzte von fast 8.000 Klinikangestellten ernst. Eines Tages habe er bemerkt, dass er seine Mitarbeiter nicht mehr so bewegen konnte, wie früher und das war für ihn Anlass, die ärztliche Tätigkeit aufzugeben und auf die Seite des Klinikmanagements zu wechseln. Wenn man das volkstümlich ausdrücken möchte: Vom Halbgott in Weiß zum Erstbeweger der Digitalisierung. Sein Motiv war, wenn er nichts mehr bewegen könne, müsse er sich selbst bewegen. Auf der anderen Seite des Tisches sei er nicht mit Freude erwartet worden. Sein Anliegen, im eigenen Haus wieder mehr Begeisterungsfähigkeit für die Medizin zu arrangieren, gelingt aber vor allem durch die Begeisterung für digital-mögliche Fortschritte, die jetzt auch die Mitarbeiter betreffen.

Wenn jemand nicht versteht, dass es nicht um den Drucker geht, sei der Fehler im Management zu suchen. Für Werner sind falsche Argumente das klare Indiz, noch einmal genauer zu hinterfragen, zu verstehen und besser zu erklären, worum es wirklich geht. So erzählt uns der Manager des ersten Smart Hospitals in Deutschland von der Begegnung mit einem Mitarbeiter, der sich von der Klinikleitung wünschte, zunächst einmal die vorhandene IT zu optimieren.

Kümmern Sie sich erst einmal um meinen Drucker, der seit Tagen wieder nicht funktioniert.

Bei aller Eile, die das Universitätsklinikum Essen durchblicken lässt. Auch dieser Mitarbeiter erfährt die ganze Geduld und die Bitte um Verzeihung zum Versäumnis, ihn ganz persönlich und in all seinen Bedürfnissen noch nicht erreicht zu haben.

Prof. Jochen A. Werner beim XPOMET Kick Off in Berlin am 30.01.2019

Wohlwollendes Nicken der Anwesenden und spontaner Applaus für diese Haltung, waren das Ergebnis.. Natürlich hatte Professor Werner gestern Abend ein eher zugeneigtes Publikum. Die Filterblase aus Szenenerds und altersmilden Funktionären lauschte aufmerksam seinen Worten, die einmal mehr Balsam waren. Denn trotz aller Euphorie. Das Brett, das hier gebohrt wird, bleibt dick und als Enthusiast darf man sich stets mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass die Zukunft eben noch nicht wirklich da ist und noch viel Ringen um den richtigen Weg nötig sein wird. Zu traditionell wirkt ein Montagmorgen im Wartezimmer einer hausärztlichen Praxis in einem deutschen Mittelzentrum. 

Die XPOMET wird so zum mutspendender Ort für all jene, die an der Zukunftsfähigkeit unserer Gesundheitsversorgung basteln.

Und dann setzte er noch einmal den Bohrer an. Das Beharrungsvermögen der unterschiedlichen Interessengruppen in der Medizin gebe regelmäßig Anlass für Kritik. Die stete Forderung nach einem Mehr ist für Werner die falsche Antwort auf die sich stellenden Zukunftsfragen. Wenn es auch im alten Paradigma gerechtfertigt erscheint. Die digitale Transformation des Gesundheitsgeschehens ist nur gemeinsam zu meistern. Argumente, die zu einem „wie immer“ passen, gelten nicht mehr, hat man einmal die tektonischen Verwerfungen überwunden und ist in der neuen Gedankenwelt angekommen.

Die XPOMET bleibt in Berlin

Beim Neujahrsempfang des neuen Festivals der Zukunftsmedizin präsentierten sich auch die Macher der XPOMET dem Publikum. Die XPOMET wurde für mindestens fünf Jahre finanziell auf ein sichereres Fundament gestellt. Als Veranstaltungsort haben sich Ulrich Pieper und Alois Steidel das multifunktionale Eventareal ARENA in Berlin für genau diese fünf Jahre gesichert. Die Möglichkeiten vor Ort verlassen sodann auch das gewohnte Format, wie wir es vom Hauptstadtkongress oder der Medica kennen. Zukunftsmedizin zum Anfassen soll es geben. Keine Messestände, sondern Showcases. Später in einem Gespräch mit einem potenziellen Sponsor klang durch, dass das Projekt XPOMET teilnehmende Unternehmen jetzt schon vor neue Herausforderungen stellt. Deshalb ist die XPOMET ein wohltuendes Experiment in der Landschaft der gesundheitswirtschaftlichen Diskursevents. Das geforderte Anders wird nicht auf gewohnten Messefluren gepredigt, sondern erfährt einen völlig neuen Rahmen. Am dritten Tag wird die XPOMET übrigens auch für die Bevölkerung geöffnet sein. Davon verspricht man sich, den Ängsten vor der Digitalisierung in der Gesellschaft aktiv zu begegnen und das Festival in die breite, mediale Öffentlichkeit zu rücken.

Die XPOMET findet statt vom 10. Bis 12. Oktober 2019 in Berlin. Der Buzz rund um das Event lässt sich über die Hashtags #MyXpomet oder #XPOMET verfolgen. Gemäß der internationalen Ausrichtung der Szene wird ein Großteil der Gespräche in englischer Sprache geführt. Unter https://xpomet.com erhalten Interessierte weitere Informationen. Das Ticketing ist bereits eröffnet.

Es geht nicht um den Drucker !!!

Über den Autor

Frank Stratmann
Frank Stratmann

Mentor, Personal Digital Officer, Health Marketing Enthusiast & Blog-Essayist, betablogr.de

für Gesundheitsbeziehungen

Meine Überlegungen drehen sich um die digitale Transformation von Gesundheitsbeziehungen. Nach meiner Einschätzung verändert die Digitalisierung die Verhältnisse, in denen Gesundheit gelingt. Verändern sich die Verhältnisse, wandeln sich die Beziehungen.
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