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Ugur Cetinkaya

Ugur Cetinkaya

für Altenpflege, Pflegemanagement, Politik

Zeitarbeitsfirmen! Fluch oder Segen der Pflegebranche?

Bild Pixabay

Die Anzahl der beschäftigten Pflegekräfte in Zeitarbeitsfirmen hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht. Trotz jährlich zunehmender Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt hält der Trend an.

In meiner Region beschäftigt eine mittelgroße Zeitarbeitsfirma beispielsweise 40 bis 45 Pflegekräfte. Diese Anzahl reicht aus, um ein Pflegeheim mit 100 Bewohnern zu versorgen. Und diese Zeitarbeitsfirma ist keinesfalls das einzige Beispiel im Umkreis.

Was macht Zeitarbeitsfirmen in der Pflegebranche so attraktiv?

Eine Studie der Hans Böckler Stiftung aus dem Jahr 2010 hat die Gründe dafür untersucht, weshalb Pflegekräfte in Zeitarbeitsfirmen überproportional tätig sind.

Es zeigten sich zwei Hauptursachen:

  1. Schneller Wiedereinstieg in den Beruf, da Berufsunterbrechungen in der Pflegebranche häufiger sind als in deren Berufen.

  2. Die Möglichkeit, zunächst zu prüfen, ob die Pflegekraft in das Unternehmen und in das Team passt.

Als dritten Punkt unterstelle ich den Pflegekräften schlichtweg die bessere Bezahlung der Zeitarbeitsfirma gegenüber der Vergütung in einer Festanstellung.

Differenziert betrachtet

Leasingfirmen bieten Arbeitsbedingungen, die mit den Abläufen in einem Pflegeheim, Krankenhaus oder einer vergleichbaren Einrichtung nicht zu gewährleisten sind. Ein 3-Schichtbetrieb mit Versorgung an 365 Tagen im Jahr macht es beispielsweise unmöglich, alle Pflegekräfte von Wochenendarbeit auszuschließen oder nur im Einschichtbetrieb einzusetzen.

Flexible Arbeitszeitmodelle, die aktuell in aller Munde sind, oder der Einsatz älterer und körperlich eingeschränkter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kann dagegen primär nur durch Festanstellung gewährleistet werden. Auch die Integration ausländischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ich in einem vorigen Artikel erwähnt habe, kann meiner Meinung nach nur durch eine Festanstellung und Integration an einem festen Arbeitsplatz gelingen.

Schaden Sie der Branche?

Während in der freien Wirtschaft Zeitarbeitsfirmen oft dem „Lohndumping“ dienen, ist daraus in der Pflegebranche ein Business mit der Not der sozialen Einrichtungen geworden, das der gesamten Branche erheblich schadet.

Der eigentliche Sinn von Zeitarbeitsfirmen, in Krankheitsfällen oder Arbeitsspitzen eingesetzt zu werden, ist aufgrund der großen Nachfrage im Pflegebereich nicht mehr gegeben. Zeitarbeitsfirmen können nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage Stundensätze in freier Höhe verhandeln, die die Pflegeheimbetreiber aus der Not heraus oft auch bezahlen. Ein Minusgeschäft für die Einrichtungen, die lediglich die in den Pflegesatzvereinbarungen verhandelten Personalkosten erhalten. Diese decken –zumindest in meiner Region– bei weitem nicht die Kosten einer Pflegefachkraft in Höhe von 8.500 Euro wie sie von Zeitarbeitsfirmen für eine Pflegefachkraft verlangt werden. Es ist mir keine Pflegeheimleitung oder Pflegedirektion bekannt, die so einen hohen Stundenlohn hat bzw. 8.500 Euro verdient.

Hier sollte der Gesetzgeber einen „Riegel“ vorschieben. Solange die Zeitarbeitsfirmen den Trägern im Mangelmarkt der Pflege die Preise diktieren können, die Träger sich das Geld jedoch nur ansatzweise von den öffentlichen Trägern zurückholen können, wird die Spirale sich weiterhin und schneller drehen.

Die naheliegende Frage, warum Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeinrichtungen nicht so hoch wie in Zeitarbeitsfirmen bezahlt werden, ist dagegen einfach zu beantworten. Unter den geschilderten Umständen müssten in einem solchen Szenario meiner Meinung nach innerhalb eines Jahres 95% aller Pflegeheime und Krankenhäuser aufgrund Liquiditätsengpässen schließen.

Über den Autor

Ugur Cetinkaya
Ugur Cetinkaya

Residenzleitung/Einrichtungsleitung -Leitung ambulanter Dienst "Pflege dahoam", SenVital Senioren- und Pflegezentrum Ruhpolding

für Altenpflege, Pflegemanagement, Politik

Heimleitung SenVital Ruhpolding | Examinierter Altenpfleger | Gesundheits- und Sozialmanagement Bachelor und Master | Diverse Stipendien | Dozent für Pflegemanagement | Nachwuchs Pflegemanagement Award 2017 | Alle Positionen in Pflegeheimsektor durchlaufen - von Ausbildung bis zur Heimleitung |
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