Franziska von Lewinski

Franziska von Lewinski

for Marketing & Werbung, Internet & Technologie, Wirtschaft & Management

Zusammen statt alleine: Warum wir auf diverse Teams setzen

Photo by Hans-Peter Gauster on Unplash

Womit verdienen Agenturen in fünf Jahren noch ihr Geld? Welche Agenturmodelle setzen sich durch? Erlebt die kreative Idee eine Renaissance oder verliert sie ihren Stellenwert? In der Agenturbranche herrscht derzeit eine große Diskussion über Stellenwert und Wertbeitrag der Agenturen. 

Viel dreht sich um die immer wieder gleichen Begriffe. Aber geht die Diskussion überhaupt in die richtige Richtung?

Wir sind uns sicherlich alle einig, dass sich die Medienlandschaft und das Nutzerverhalten grundlegend geändert haben. Konsument*innen entscheiden selbst, wann sie welchen Inhalt auf welchem Kanal in welchem Umfeld abrufen. Die Komplexität steigt und deshalb brauchen Marken heute eine integrierte Kommunikation. Eine ganzheitliche Bedienung der Customer Journey von Anfang bis Ende. Wie können wir dies realisieren?

In meiner beruflichen Laufbahn ist mir die eierlegende Woll-Milch-Sau noch nicht begegnet. Daher glaube ich ganz fest an die Kraft von Spezialisten in interdisziplinären Teams. Je nach Aufgabenstellungen werden unterschiedliche fachliche und persönliche Kompetenzen benötigt, die in der Teamzusammenstellung berücksichtigt werden müssen. Insbesondere zu Persönlichkeitseigenschaften hat die Forschung einige Modelle veröffentlicht, die alle ihre Stärken und Schwächen haben. Ein Beispiel ist das Rollenmodell nach Belbin, in dem neun verschiedene Rollen unterschieden werden, die für das ideale Team benötigt werden. Wichtig ist auch hier die Aussage, dass ein Team umso leistungsstärker ist, desto vielseitiger es zusammengestellt ist.

Gemeinsame Werte sind essentiell für den Teamerfolg

Sobald das Team steht, entscheidet das Zusammenspiel dieser Spezialisten über Erfolg und Misserfolg. Der große Unterschied im Agenturgeschäft ist, ob die Zusammenführung unterschiedlicher Leistungen auf Kundenseite, auf Dienstleisterseite oder gemeinsam geschieht. Grundsätzlich spricht erstmal nichts gegen das eine oder das andere. Allerdings sind ein gemeinsames Ziel, gemeinsame Werte und ein gemeinsames Rollenverständnis essentiell für den Teamerfolg. Die Lust auf gemeinsamen Erfolg war schon immer stärker als verordnete Zusammenarbeit. Gelebte Interdisziplinarität ist deshalb die entscheidende Frage unserer Zeit.

Der Zusammenhalt innerhalb des Teams (Gruppenkohäsion) muss aktiv gestärkt werden. Dafür kann schon der klassische Feierabend-Drink essentiell sein. Zudem muss zu Beginn des Projektes definiert werden, wie die Stakeholder zusammenarbeiten wollen und was dem Einzelnen wichtig ist. So vermeidet man unterschiedliche Agenden und sorgt für ein gemeinsames Problemverständnis. Regelmäßige Abstimmungen und kontinuierliche Weiterentwicklung sorgen dafür, dass alle auf dem richtigen Pfad bleiben. Und dieser Pfad muss heute stärker per Heuristik statt starrem Prozess begangen werden.

Denn Digitalisierung ist der Turbo für Veränderung in immer höherer Geschwindigkeit und zunehmender Komplexität. In immer kürzer werdenden Zyklen entstehen neue Technologien, die Einfluss auf alle Belange unseres Alltags nehmen. Zukunftsvorhersagen werden fast unmöglich - ein Problem für Manager*innen mit “Planvorstellungen”. Um wirklich nachhaltig erfolgreich zu sein und schnell auf verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können, brauchen wir Agilität, Kollaboration und die unterschiedlichen Perspektiven diverser Disziplinen. Weniger Silos. Nur dann werden wir effektiv auf gewinnbringende Lösungen kommen.

In der Vergangenheit hat sich die Wirtschaft vornehmlich mit effizienter Zusammenarbeit und effizienten Organisationsformen beschäftigt. Mit Arbeitsteilung, Hierarchien und so weiter. Das funktioniert am besten in stabilen Umgebungen mit hoher Planbarkeit, seriellen Prozessen und sich wiederholenden Tätigkeiten. Das hat mit der heutigen Realität häufig nicht mehr viel zu tun.

Agenturen müssen noch agiler werden

Statt über Inhousing oder Customized, Netzwerk oder Unternehmensberater, gelb-grün-gestreift oder rosa zu diskutieren, sollten wir uns daher mehr darum kümmern, wie wir Teams optimal zusammenstellen und wie sie effektiv miteinander arbeiten können, damit sie die richtigen Ziele erreichen. Und nicht, wie man das meiste aus dem Einzelnen herausholen kann (Effizienz). Ich glaube, dass wir Agenturen dafür noch viel agiler werden müssen.

Mit Agilität meine ich allerdings keine Methoden wie Scrum, Kanban oder Design Thinking. Es geht vielmehr um das richtige Mindset. Wir müssen stärker zielorientiert handeln. Wir brauchen mehr Bereitschaft zum Experimentieren und ständigem Lernen. Mehr Mut, Eigenverantwortung, Transparenz, Offenheit und wahrhaftige Zusammenarbeit. Und Entscheidungen sollten dort getroffen werden, wo die Expertise und nicht der hierarchische Rang am größten ist. Es geht darum, in einem unsicheren und komplexen Umfeld das Richtige zu tun und nicht so sehr darum, bekannte und geplante Umfänge effizienter abzuarbeiten.

Funktionieren kann dies durch die Förderung dezentraler Strukturen, unternehmerischem Denken und Eigendynamik in den Teams. Divers zusammengesetzte Agenturen sollten die unterschiedlichen Subkulturen aktiv fördern und in interdisziplinären Teams zusammenbringen. Natürlich funktioniert das nicht ohne Reibung und jede Agentur muss daran arbeiten, die interdisziplinäre Zusammenarbeit stetig weiterzuentwickeln. Die Agentur sollte ihren eigenen Weg finden und sich nicht von Buzzwords irritieren lassen. Dann wird sie auch zukünftig ein wertvoller Problemlöser an der Seite seiner Kunden sein.

About the author

Franziska von Lewinski
Franziska von Lewinski

Vorstand, fischerAppelt

for Marketing & Werbung, Internet & Technologie, Wirtschaft & Management

Als Vorstand der fischerAppelt AG stehe ich dem Ressort Digital & Innovation vor. Ich habe die operative Verantwortung für die Digital- und Kreativagenturen der Gruppe und treibe die interdisziplinäre Zusammenarbeit voran, um den Kunden entlang der gesamten Customer Journey zu erreichen.
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