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Geld für alle: Brauchen wir ein Grundeinkommen?

Finnland hat das bedingungslose Grundeinkommen getestet und hierzulande werden Stimmen dafür immer lauter. Doch es gibt auch viele Kritiker einer solchen Absicherung für alle.

8 Gründe, wieso ich mit „Ja“ stimmen werde

Mike Schwede
  • Wer soll in Zukunft das Produzierte kaufen, wenn viele arbeitslos sind?
  • Erfolgreiche Firmen zeigen: Innovation braucht Zeit, Geld und wenig Druck
  • Mit dem Grundeinkommen wird konsumiert, das kurbelt die Wirtschaft an

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  1. Ob Putzfrau, Hightech-Büezer oder Professor: Jeder Mensch trägt zur Gesellschaft bei, weil er existiert, seine Mutter pflegt, seine Kinder erzieht oder sich kostenlos im FC engagiert. Es ist höchst liberal, diese Leistung bedingungslos wertzuschätzen.

  2. Maschinen und Software werden bis zu 50 Prozent der Jobs ersetzen (vom Kassierer bis zum Anwalt). Sie zahlen aber keine Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), Arbeitslosenversicherung (ALV) oder sonstige Sozialleistungen. Aber wer soll in Zukunft das Produzierte kaufen, wenn viele arbeitslos sind? Daher muss man einen Teil des Einkommens vom Erwerb abkoppeln.

  3. Es wird aber auch viel Arbeit auf uns zukommen, die Maschinen nicht ersetzen können und die niemand bezahlen will, zum Beispiel Altenpflege. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen schaffen wir Grundlagen, sich sozial für wenig Einkommen einzusetzen.

  4. Die Schweiz hat keine Bodenressourcen, keine billige Industrie und keinen Dienstleistungssektor. Die Schweiz kann nur im vierten Wirtschaftssektor wachsen. Hier sind Innovation und Hightech gefragt. Jedes erfolgreiche Unternehmen zeigt es: Ob Google, Facebook oder Tesla – Innovation braucht Zeit, Geld und wenig Druck. Die 20 Prozent Freetime von Google sind betriebliches Grundeinkommen und haben wesentlich zur Innovationskraft von Google beigetragen. Konkret: Maps, Gmail und Adsense. Sie machen 25 Prozent des Umsatzes aus und wurden in der freien Zeit erfunden.

  5. Lokale Wirtschaft und Kultur fördern: Die Shops und Restaurants werden immer größer, internationaler und standardisierter, zugleich sterben lokale Geschäfte, Produzenten und Gastrobetriebe weg. Ein Grundeinkommen würde fördern, dass man in der gewonnenen freien Zeit lokale Projekte umsetzt. Eine kleine Käserei, Rösterei, Brauerei, Handwerk, Urban Gardening, Cafés und Restaurants könnten entstehen, weil man nicht total vom Einkommen und Gewinn abhängig ist. Oder man bepflanzt und pflegt den städtischen, grauen Vorplatz mit den Nachbarn.

  6. Existenzielle Angst ist der Boden für Populismus, Angst vor Asylanten und Missgunst gegenüber Flüchtlingen und gefährdet unsere Demokratie: Ein Grundeinkommen für die Bürger sichert die Existenz für alle gleich. In der reichen Schweiz soll niemand um seine Existenz fürchten oder kämpfen, sondern positiv das eigene Land mitgestalten können. Apropos Ausländer und Co: Wer Anrecht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen oder sonstige Leistungen hat, wird woanders geregelt – nicht im Grundeinkommen.

  7. Es ist effizient: Hunderte, vielleicht Tausende von Kassen und Verwaltungen nehmen Gelder auf verschiedenste Arten ein und schütten diese in komplizierten Verfahren an irgendwelche Anspruchsgruppen wieder aus. Vieles würde durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ersetzt und vereinfacht werden, statt dass Geld in Verwaltungen verbrannt wird.

  8. Es ist ein Grundsatzentscheid. Immer ist von 2400 Schweizer Franken die Rede oder von der Finanzierung durch die Mehrwertsteuer. Über diese Volksinitiative stimmen wir wirklich ab. Wie wir dort hinkommen, ist eine andere Frage. Vielleicht wie Finnland, das das bedingungslose Grundeinkommen erst einmal testet.

PS: Und das Grundeinkommen wird ja nicht verbrannt und vergraben: Es wird investiert, mit ihm wird konsumiert, das kurbelt die Wirtschaft an und ist vielleicht nachhaltiger als die klassischen Konjunktur-Binnenmarkt-Programme in Krisenzeiten. Die Ups and Downs in der Wirtschaft könnten so vielleicht etwas ausgeglichen werden. Wir wissen es nicht, also müssen wir es kontrolliert live testen. Darum stimme ich mit Ja, damit wir einen Grundstein legen.

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Mike Schwede
© Mike Schwede
Mike Schwede

Social-Media-Stratege und Inhaber, Mike Schwede GmbH

Mike Schwede ist seit 20 Jahren als Social-Media-Stratege in der Schweizer Digital-Marketing-Szene aktiv und gründete im Oktober 2012 seine eigene Marketing-Beratungsfirma, die Mike Schwede GmbH. Er entwickelte für Kunden wie AXA, McDonald's, Swisscom, Ringier, SBB oder TUI Online- und Social-Media-Strategien und setzte sie um. Aktuell gehören unter anderem IKEA, Swisscard, Swisscom und UBS zu seinem Kundenstamm.

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